Evil Genius: The True Story of America's Most Diabolical Bank Heist

Nie mehr Pizza: „Evil Genius: The True Story of America’s Most Diabolical Bank Heist“

Eine Review von Frank Göbel.

Pizzabote zu sein ist für viele eine undankbare Aufgabe. Man wird mies bezahlt und gurkt bei Wind und Wetter durch die Gegend. Doch die vierteilige Netflix-Documentary „Evil Genius: The True Story of America’s Most Diabolical Bank Heist“ zeigt nochmal eine eine völlig neue Facette dieses Jobs.

Am 28. August 2003 betritt Brian Douglas Wells eine PNC Bank in Erie, Pennsylvania, um seinen Hals trägt er eine Art Krause. So scheint es. Er tritt an einen der Schalter und überreicht einer Mitarbeiterin einen Zettel mit Instruktionen. Schnell wird den Beteiligten klar, was hier läuft: ein Banküberfall.

Wells fordert 250 000 Dollar. Nun ist jedoch Erie keine Stadt wie New York oder Chicago, und die lokale Bank hat gerade keine 250 000 Dollar parat. Lediglich 8500 Dollar erbeutet Wells. Die Polizei ist indes schon längst unterwegs und stoppt Wells auf dem Weg zu seinem Fluchtfahrzeug. Schnell wird den Cops klar, dass Wells keine Halskrause trägt, sondern eine Bombe, die um seinen Hals geschlossen wurde. Der auf dem Boden sitzende Bankräuber versucht den Cops zu verstehen zu geben, dass er weiterfahren muss, nur so könne er den nächsten „Hinweis“ erlangen und das Halsband abbekommen. Aber es kommt keine Reaktion. Das Bombenentschärfungsteam muss anrollen. Und das dauert. Plötzlich hört man ein Piepen in langsamen Abständen. Wells wird zusehends nervös. Nach einiger Zeit wird das Piepsen schneller, und das Unfassbare geschieht – die Halsbombe geht in die Luft.

Spoiler Alert? Nein, keine Sorge. Das alles ist nur der Anfang einer unglaublichen und verrückten Geschichte, die hier ausführlich dokumentiert und kommentiert wird.

Evil Genius: The True Story of America's Most Diabolical Bank Heist
Bill Rothstein und seine Flamme, die junge Marjorie Diehl-Armstrong

Als Pizzabote Brian Wells am Mittag eine Bestellung an einem Radioturm liefern soll, denkt er sich noch nichts dabei. Was dann geschieht? Ist zuerst nicht ganz klar. Eine mögliche Version ist, dass er dort überwältigt wurde, das Halsband verpasst bekommen und Anweisungen erhalten hat, was zu tun ist. Mit jeder Station und Aufgabe, die er erledigt, erhält er eine weitere Ziffer für das Zahlenschloß an seinem Hals.

Wie gesagt, das ist nur eine Version.

Mittelpunkt des Spinnennetzes ist Mastermind Marjorie Diehl-Armstrong. Die hochintelligente Frau ist psychisch total gestört, versteht es aber wie sonst niemand, Menschen zu manipulieren. Zwei Ihrer Lebenspartner blickten schon in die Mündung einer Flinte und sind aktuell unter der Erde anzutreffen. Dann hätten wir noch Bill Rothstein. Der mit Diehl-Armstrong mal zusammen war und mal nicht. In seinem Haus werden Handschriften entdeckt, die mit den Anweisungen für Wells übereinstimmen. Marjorie unterdessen lässt keine Möglichkeit aus, Rothstein alles in die Schuhe zu schieben und ihn zu beschuldigen, den kompletten Bankraub geplant zu haben.

Nächster Komplize gefällig? Kenneth Barnes. Eine früherer Angelfreund von Marjorie Diehl-Armstrong. Dieser packte 2005 aus, dass sie ihn anheuern wollte, ihren Vater zu töten. Ausgemachte Summe waren 250 000 Dollar.

Evil Genius: The True Story of America's Most Diabolical Bank Heist
Das „Team“ hinter dem Überfall. Unten in der Mitte Brian Wells

Ihr seht, es ist ein Durcheinander, doch „Evil Genius: The True Story of America’s Most Diabolical Bank Heist“ bringt Licht in die Geschichte um den wohl aufsehenserregenden Bankraub in der Geschichte der USA. Produzent Trey Borzillieri schafft hier eine beeindruckende Berg- und Talfahrt in einer packenden Dokumentation mit „Pizza Bomber“ Brian Wells als Anker. Auch wenn es nur vier Episoden gibt, sie sind jede Minute wert. Und am Ende kommt es doch anders, als man angenommen hat.

Zu sehen ist „Evil Genius: The True Story of America’s Most Diabolical Bank Heist“ auf Netflix.

Alle Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Netflix