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„Listen, there is one rule“: Noel Gallagher live in concert

Eine Live-Review von Frank Göbel.

Als ich an Heiligabend 2017 einen Briefumschlag öffnete und darin zwei Tickets für das Düsseldorf-Konzert von Noel Gallagher am 9. April fand, fühlte sich das an wie Heimkommen. Düsseldorf ist mittlerweile Pflicht-Station für alle Fans des smarten Briten, bereits zum dritten Mal sollte er hier gastieren. 

Und so mache ich mich an einem Montag Nachmittag mit meiner Frau auf den Weg in die Rheinmetroplole. Die Mitsubishi Electric Halle ist aus der Riege der Konzerthallen in Deutschland nicht wegzudenken. Zwar lockt der nahegelegene ISS-Dome oder die Kölnarena mit pompöser Größe, doch mir gefällt das Gefühl, sich in einer – in Relation zu den eben genannten Venues – relativ kleinen, gemütlichen Runde zu befinden.

Auf dem Weg zu einem kulinarische Leckerbissen vor dem Konzert, sehen wir viele Leute mit verwaschenen Oasis-Shirts. Die Textilien haben schon bessere Tage gesehen und die, die sie tragen … die haben mindestens schon einiges gesehen. Gut vorstellbar, dass sie in ihren Shirt-Ärmel geschluchzt haben, als Noel Galagher 1997 seinen Austritt aus der Band bekannt gab und damit das Ende der letzten Rock’n’Roll Band besiegelte. 

Komisch, wie schnell die Zeit vergeht, denke ich mir, als ich in meine Pizza beiße. 

Als wir in die Halle kommen, können wir uns einen guten Sitzplatz an der Seite sichern, denn die Halle füllt sich erst, als die Vorband Blossoms die Bühne betritt.

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Um kurz vor 21 Uhr ist es soweit. Noel Gallagher And The High Flying Birds starten ihren Gig. Der Auftakt ist mit „Fort Knox“ gut gewählt, ist es doch der Opener seiner aktuellen Scheibe „Who Built The Moon“, die für Noel Gallaghers neuen Stil als wegweisend gilt. Die Single „Holy Mountain“ wird als Kracher direkt hinterher geschoben. Der Sound ist perfekt – und laut. So, wie es sein soll.

Dass Noel niemand ist, der zwischen den Songs viel erzählt, ist jedem klar, der hier heute Abend mitfeiert. Aber ein paar Sätze gibt er dann doch zum Besten. Sein Diss über die Stadt Yorkshire und sein Kommentar zu einem Plakat mit Songwunsch („Listen, there is one rule. When someone holds up a sign with a song on it, I fucking guarantee you we won’t play it. Sorry!“) sind definitiv unterhaltsam. Aber genug geredet, der nächste Song darf starten. Jetzt.

Die Auswahl heute Nacht ist eine starke Mischung aus neuem Material und Klassikern. Songs wie „Wonderwall“ und „Don’t Look Back In Anger“ lassen bei vielen Erinnerungen an die 90er aufleben.

Was mir auffällt: Das gut gemischte Publikum. Ich sehe überraschend viele junge Leute, die sich Noel Gallagher anschauen wollten. Für sie ist er ein Held aus einer anderen Zeit, der sie trotz des Altersunterschieds versteht. Die ältere Generation, zu der ich mich fast schon zähle, sieht einen völlig gelösten Künstler, den die Vergangenheit nicht die Bohne interessiert. Noel Gallagher lebt im Hier und Jetzt. 

Als Rausschmeißer gibt es was Besonderes: „All You Need Is Love“ von den Beatles. Damit setzt Gallagher ein Zeichen an seine Roots.

Es ist kurz vor 23 Uhr, als wir die Halle verlassen. Wie bei den anderen Konzerten auch, steht auch beim dritten Mal ein langhaariger, (nicht mehr ganz) junger Mann vor der Halle und klampft Oasis-Klassiker auf seiner Akkustikgitarre. Schön, diese immer wiederkehrenden Randerscheinungen. Wir machen uns auf den Heimweg. Mit dem guten Gefühl, dass wir Zeugen eines großartigen Konzerts waren. Und dem weniger guten Gefühl, dass ich zu viel Altbier getrunken habe. Aber das nehme ich gerne in Kauf.

Fotos: Sharon Latham // Folgt Sharon auf Instagram 

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