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Treble Charger – „Wide Awake Bored“: Nostalgie und blaue Flecken

Eine Review von Frank Göbel.

Lust auf eine Zeitreise? In eine Zeit, in der man sich noch per Modem ins Internet einwählen musste und der Festnetzanschluss ständig besetzt war. Eine Zeit fernab von WhatsApp oder Internetbanking. Als man sich noch telefonisch zu Bandproben in irgendwelchen Bunkern absprechen musste. 

Wenn ich eine Band wählen dürfte, die mir den perfekten Soundtrack zu dieser Zeit liefert, müsste ich nicht lange überlegen: Treble Charger mit ihrem 2000 erschienenen Album „Wide Awake Bored“.  Der Stil der kanadischen Band um Sänger Greig Nori lässt sich am besten mit Alternative Punk umschreiben.

Der Opener „Brand New Low“ geht mit lockerem Upbeat los, bevor der melodiöse Refrain einsetzt – ich habe das dringende Bedürfnis, mir ein Bier aufzumachen und zu einem Konzert zu fahren, bei dem sich POGEN lässt. Der Song war übrigens einer der ersten, den ich auf der Gitarre gelernt habe. Das Riff werde ich vermutlich noch bis an mein Lebensende spielen können. 

„American Psycho“ bestärkt das Gefühl des ersten Tracks. Allein durchs Hören habe ich das Gefühl der ersten blauen Flecke vom Gruppenschubsen. Nostalgie galore, verdammt.

„Funny“ ist dagegen ganz leise – und richtig gut. „More The Pity“ und „Just What They Told Me“ haben Tiefe. 

„Wear Me Down“ und „Another Dollar“ reißen mich aber schnell wieder aus der entstandenen Nachdenklichkeit. Indie-Punk, wie er sein sollte. 

Die Kanadier schaffen es auf „Wide Awake Bored“ spielend, mit ihren Songs die Balance zwischen Laut und Leise, zwischen Auf-die-Zwölf und lässig, zu halten. 2002 erschien der Nachfolger „Detox“, der leider nicht an den Vorgänger anschließen könnte. Vier Jahre später, 2006, verkündeten Treble Charger ihr Ende als Band.

Greig Nori hat die Gitarre mittlerweile an den Nagel gehangen und ist unter die Produzenten gegangen. Unter anderem verhalf er Sum 41 zu Ruhm. 

Eine gute Zeit war das.

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