Isolation Berlin

Isolation Berlin – „Vergifte dich“: Schlag dir die Nächte ins Gesicht

Eine Review von Frank Göbel.

Berlin, Melancholie und Vollrausch. Woran musst du bei diesen Begriffen denken?

Seit kurzem verbinde ich das alles mit Isolation Berlin. „Vergifte dich“, das dritte Album der Band, ist eine Hommage an den grauen Riesen, der sich Hauptstadt nennt. 

„Ich kotze meine Existenz in U-Bahn-Lüftungsschächte, ich schlage mir die Nächte und die Sterne kräftig ins Gesicht.“ Das ist nur ein Beispiel von vielen, wie Sänger Tobias Bamborschke seine Berlin-Welt sieht.

Die Texte erinnern mich stark an Nationalgalerie („Tütensuppe auf dem Ozean“) – die ehemalige Band des Hamburger Singer/Songwriters Niels Frevert – die in den 90ern mit dem Album „Meskalin“ mein Herz weinen ließen. 

Isolation Berlins Texte sind ebenso tief, teilweise vor Herzschmerz überlaufend. Während dieses Land in Bands mit „Hoch die Hände, Wochenende“-Attitüde zu ersaufen droht, sind Isolation Berlin eine erfreuliche Abwechslung. Auch wenn es nicht unbedingt viel zu lachen gibt („Vergeben heißt nicht vergessen“)  – man ist schnell im Thema und drin in diesem Album. Oft musste ich bei den Songs an Rio Reiser denken. Musikalisch bewegen wir uns hier zwischen Folk und Alternative-Post-Indie Rock.

isolationBerlin_VergifteDich

Mein Favorit auf dem Album ist der Opener „Serotonin“:

„Wenn du mich suchst, du findest mich am Pfandflaschenautomat
Da hol ich mir zurück, was mir gehört
Und ich schwöre dir, ich schlage heute ein paar Fressen ein“

Rough und auf die Zwölf, auch das können die Berliner.

„Vergifte dich“ beschreibt das Leben abseits des Gute-Laune-Lifestyles. Auch wenn Bamborschkes Sound im ersten Augenblick ein Downer ist, kann ich meine Ohren nicht von seiner teilweise säuselnden Stimme lassen.

„Ich komme aus Berlin und bin an ihr zerbrochen“, gab Bamborschke mal in einem Interview zu Protokoll. Das glaubt man ihm und diesem Grau-in-Grau mit tiefen Texten. Ich persönlich war nie ein Berlin-Fan. Und Isolation Berlin verstärken meinen Gedanken. 

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Großes Foto oben: Noel Richter

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