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Kula Shaker – „Peasent, Pigs & Astronauts“: Und die Endzeit-Welt steht Kopf

Eine Review von Frank Göbel.

Umzüge – ich hasse sie. Nach all den Jahren wie am ersten Tag. So auch diesmal. Ich stehe in meinem zukünftigen Ex-Keller und muss zusehen, dass alles verstaut wird. Ich öffne eine Kiste, in der sich meine alten CDs und Schallplatten befinden. Und habe ein kleines Flashback-Erlebnis.

In meinen Händen halte ich das Notenbuch von Kula Shaker zu dem Album „Peasent, Pigs & Astronauts“ von 1999. Wenig später habe ich dann auch die dazu gehörige Schallplatte gefunden.

Also schnell wieder hoch, Bierchen auf und reingehört. Als sich die Nadel senkt, überlege ich einen Augenblick lang, ob ich nach all den Jahren noch dieselbe Euphorie für dieses Album fühlen werde wie damals, Ende der Neunziger.

Kula Shaker, 1996 zum ersten Mal in Erscheinung getreten, als ihr Debüt-Album „K“ rauskam. Die Spice Girls hatten zwar Platz eins sämtlicher Charts gebunkert, doch „K“ verkaufte sich mehr als eine Million Mal und spülte die jungen Briten so auf Platz zwei.

Die Idee von Sänger, Gitarrist und Songwriter Crispian Mills war es, klassische indische Klänge und Rockmusik zu vereinen. Nachdem er mehrere Jahre in einem indischen Tempel gearbeitet hatte, war er von dieser Welt völlig eingenommen worden. Und traf mit seiner Vision den damaligen Zeitgeist und das Lebensgefühl vieler junger Menschen. Darunter ich.

Das zweite Album erschien schwerer, Kula Shaker wollten erwachsener wirken. Das funktionierte teilweise auch sehr gut. Die Stimmung auf „Peasent, Pigs & Astronauts“ fühlt sich nach Endzeit an. Die Welt steht Kopf, ist kurz vor dem Ende, und sowieso ist alles Scheiße. Übrigens eine Zeit ohne Facebook, Instagram und Twitter. Eigentlich hatten die Jungs Recht. Wir standen schon damals am Abgrund und sind jetzt einen Schritt weiter …

Die ersten Stücke des Album stehen der Rockband gut. „Mystical Machine Gun“ hat einen starken Vorlauf mit einsamer Rhythmusgitarre, bevor der Song dann mit Drums losgeht. Bei „S.O.S.“ kommt ein deutliches „Fcked up world“-Gefühl zum Vorschein („Sometimes I feel the world isn’t ready for me“). So wütend kennt man Kula Shaker gar nicht. 

Natürlich kommt auch dieses Album nicht ohne indische Klänge aus. Diese lauern bei „Radhe Radhe“ oder „Namami Nanda-Nandana“. Nicht so meine Musik, aber die restlichen Songs machen das wieder wett.

„Sound Of Drums“ wurde als Single-Auskopplung nur im UK veröffentlicht. Schade eigentlich. Ein melodischer Song mit mitreißendem Orgel-Refrain. Einer Orgel, die später zur geilen Schweineorgel mutiert und dem Ganzen die Krone aufsetzt.

Und dann kommt auf einmal aus dem Nichts „Last Farewell“. Dieses Stück verehre ich bis heute noch. Es ist, streng genommen, ein Jazz-Song, der die Akkorde des Openers „Great Hosannah“ verarbeitet. Einfach großartig!

„Peasent, Pigs & Astronauts“ schließt mit zwei indischen Folklore-Liedern. Tja, meine Meinung kennt ihr dazu. Es ist okay, aber hausieren gehe ich damit nicht.

So, Bier alle, Schallplatte durch. Ich muss wieder in den Keller, aber die kleine Reise in meine Vergangenheit tat gut.

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