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Holiday on Ice oder: KinKats goes Eishockey

Ein Text von Frank Göbel.

Der KinKats Sportclub ist wieder unterwegs. In meinem letzten Artikel habe ich euch den Wrestlingsport nähergebracht. Diesmal besuche ich die Eishalle in Troisdorf, in der Nähe von Köln. Vielleicht fragt ihr euch, was jetzt kommt: Pirouettendrehende Eiskunstläufer oder knallharte Typen mit Schlägern in der Faust?

Es geht um die Jungs mit dem Schläger in der Hand, die dem Puck hinterherjagen. Gewissermaßen. Ich besuche einen Eishockeyschiedsrichter.

Chris Warnke kenne ich bereits seit einigen Jahren, und immer wieder habe ich versprochen, ihm mal bei der Arbeit zuzuschauen. Das Vertrösten hat ein Ende. Heute Abend ist es soweit, KinKats goes Eishockey.

Die Partie: Troisdorf Dynamite gegen die Bergisch Raptors. „Das wird explosiv.“ „Eine bissige Partie.“ Ich könnte noch den ganzen Artikel mit Vergleichen vollstopfen. „TNT gegen prähistorische Viecher“ hau ich noch rein.  Wir befinden uns in der Landesliga NRW. Drei Ligen höher ist die DEL, die Deutsche Eishockey Liga, quasi die erste Bundesliga. Da, wo alle hinwollen. Auch Chris. Er würde gerne in der höchsten Deutschen Liga pfeifen. Aber das ist gar nicht so einfach. Er ist jetzt 29 und bald mit seinem Studium fertig. „Da muss ich schauen, wie mein Arbeitgeber drauf ist.“ Je höher man pfeift, desto weiter sind auch die Anfahrtswege. „Da wirst du mal eben nach Bad Tölz geschickt. Da fragt keiner. Und es wäre schön, wenn mein zukünftiger Arbeitgeber, wer auch immer das sein wird, dafür Verständnis hat, wenn ich Freitag in Niederbayern auf dem Eis stehen muss.“

Aber das ist Zukunftsmusik. Heute sind wir erst einmal hier in Troisdorf. Ein Spiel muss geleitet werden. Aber Chris ist nicht alleine. Sein Kollege im schwarz-weiß gestreiften Trikot ist auf dem Eis gleichberechtigt. Theoretisch wird die Eisfläche geteilt. Links von der Mittellinie einer, rechts der andere, der aufpasst, dass keine Regelverstöße stattfinden. Und die passieren schnell. In einem Gewusel an der Bande mit gefühlten 50 Spielern, die um den Puck kämpfen, hebt Chris auf einmal den Arm. Damit zeigt er an, dass er ein Foul oder einen Verstoß gesehen hat.

Das Spiel wird abgepfiffen und der Schuldige zur Strafbank begleitet. Dort muss er für mindestens zwei Spielminuten sitzen bleiben. Das Vergehen war übrigens Beinstellen. Echt? Ich habe nichts gesehen. Aber kein Wunder, Eishockey gehört zu den schnellsten Mannschaftssportarten der Welt. Das heißt auch, dass der Schiedsrichter in Bruchteilen von Sekunden entscheiden muss.

Eishockey 1„Klar, nicht alle sind immer zufrieden mit unseren Entscheidungen. Das ist aber normal, da kann man sich dann was von Spielern und Trainern anhören. Aber da muss man als Schiedsrichter drüberstehen und klar Kante zeige“, erzählt Chris. „Auch Fans regen sich auf. In den unteren Ligen sind die Eishallen nicht so voll, und wenn da einer rumkrakelt, sehe ich genau, wer das war. Nach einem Spiel habe ich mal zufällig noch einen davon in der Halle getroffen und meinte zu ihm: ,Hömma, ich weiß genau, dass du da oben rumgeschnauzt hast!“ Dann ist das schnell vergessen.

Das Spiel heute Abend verläuft für Chris eher ruhig. Das Team der Troisdorfer hat mit 6-4 gewonnen, und es gab kaum Beschwerden. „Nur das Übliche von Spielern und Trainern, denen man mal wieder Regelkunde geben musste“, sagt Chris und grinst. Es kommt auch schon mal zu Rangeleien zwischen den Spielern. Auch hier muss Chris kühlen Kopf bewahren und beherzt dazwischen gehen, bevor es zur Eskalation kommt.

Als wir uns verabschieden, haben wir schon weit nach 23 Uhr. Die kalte Februarluft tut gut. Die Frage nach dem Warum bleibt aber dennoch. Warum nimmt man diese weiten Wege auf sich, nur um am Ende doch häufig der Buh-Mann einer ganzen Eishalle sein?

Chris sieht seine Tätigkeit als Schiri als einzige Möglichkeit an, dem Sport so nah beizuwohnen. Zum professionellen Spieler hat es leider nicht gereicht. Klar, da wird man dann halt Schiedsrichter. Wenn der Frühling kommt, schnallt Chris sich übrigens die Inlineskates an und spielt Skatehockey beim Landesligisten Bonn Thunder. So ganz ohne geht es dann also doch nicht.

Fotos: Leuffens Fotoecke

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