QOTSA

Queens Of The Stone Age – „Villains“: Verdammte Freigeister

Eine Review von Frank Göbel.

„Echten Rock‘n‘Roll mit Herz und Seele – gibt es den heute, in 2018, noch? Und wenn ja, wo kann ich ihn finden?“ Wenn du dir diese oder ähnliche Fragen schon einmal gestellt hast, habe ich vielleicht was für dich: „Villains“ von Queens Of The Stone Age, das siebte Studioalbum der Rocker um Joshua Homme.

Joshua Homme, Dreh und Angelpunkt der Band, ein Hüne aus Kalifornien, der mühelos einen Elvis-Presley-Lookalike-Contest gewinnen könnte, packt mit seiner Band ein Album aus, das sich beim ersten Hören kompliziert anhört. Doch ist es mir häufig schon passiert, dass gerade die Scheiben, die erst beim dritten oder vierten Mal Durchhören zünden, in meinem Kopf eine wesentlich höhere Verweildauer haben als die Platten, die  sofort kicken. Aber gehen wir den Longplayer mal durch. Der Opener „Feet Don’t Fail Me“ hat einen geradlinigen Beat und dient als Grundlage für ein Album mit vielen Facetten. Synthesizer sind hier an der Tagesordnung. „Villains“ bietet jedoch auch melodische Dissonanzen. Damit sind QOTSA immer angekommen. Etwas, das scheinbar nicht ganz so zusammenpasst, passt bei den Queens gerade richtig.

QOTSA_Cover

„The Way You Used To Do“ eignet sich perfekt zum Tanzen, Tanzen und nochmal Tanzen. Der perfekte Live-Song zum Abgehen. „Fortress“ dagegen ist eine wunderschöne Balade. Text und Gesang sind gut, aber die Musik dahinter ist göttlich. Die schon angesprochenen Synthesizer haben hier wieder eine tragende Rolle, und auch die schrammelnde Wüstengitarre darf nicht fehlen. Ein großartiger Song!

Die Lieder auf diesem Album gehen tief. Das merkt man daran, das viele Songs zum Schluss noch einen extra Part haben. Da verwundert es nicht, dass viele Songs über die Fünf-Minuten-Grenze gehen. Dass man im Umkehrschluss „nur“ neun Songs auf „Villains“ vorfindet, ist aber zu verkraften. Bei „The Evil Has Landed“ hört man dieses Zwei-Part Muster am besten raus: Ein zunächst eher chilliger Rocksong wird in ein brachiales und grandiose Finale entlassen.

Wo wir gerade von „chillig“ reden: „Hideaway“ ist ein Song, der auch in einem Tarantino-Streifen laufen könnte. Das über beide Ohren verliebte Gaunerpäarchen überfällt den Fastfood-Laden mitten in der Wüste, und natürlich geht alles schief. Wenn Musik Kopfkino verursacht, dann kann es nur gut sein. Den Abschluss bildet „Villains Of Circumstance“. Erst verträumt mit Klimpergitarren und im Refrain ein Up-Beat zum Mitleiden. In diesem Song gibt es natürlich auch ein Finale: Wummernder, durchgehender Bass und ein Solo in guter, alter Queen-Of-The-Stone-Age-Manier.

Wer die Eagles Of Death Metal kennt (Hommes Side-Projekt als Drummer) und Royal Blood schon mal gehört hat, wird mit „Villains“ seinen Spaß haben.

Ist das jetzt Rock’n’Roll 4.0? In einer Welt, die nach Kategorien schreit und der sich alles irgendwo einordnen soll, tu ich mich immer schwer, Bands in Genres einzuteilen. Und da eh jede Band ihre Musik gestaltet, wie sie will (verdammte Freigeister!), sage ich einfach: Es ist ein „Queens Of The Stone Age“-Album. Und zwar ein sehr gutes!

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