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Besser nicht anfassen: Das geht ab beim Wrestling Kampftag

Ein Text von Frank Göbel.

Vor kurzem hatte ich das Vergnügen, für KinKats über die deutsche Wrestling-Szene zu berichten (hier könnt ihr alles noch einmal nachlesen). Die in Essen ansässige Wrestling-Liga wXw (Westside Xtreme Wrestling) ist hierzulande Chef im Ring und hat weit über 1000 Zuschauer bei den Shows. Doch es gibt auch kleinere Veranstalter, die Wrestling in Deutschland populärer machen möchten, zum Beispiel das Start-up „Wrestling Kult“, das Wrestlingkämpfe im eher überschaubaren Rahmen veranstaltet. In Bochum, Recklinghausen oder Oberhausen buchen die Veranstalter kleinere Konzerthallen, in der Regel findet alle sechs Wochen ein Kampftag statt.

Rob Graves, einer von zwei Initiatoren von „Wrestling Kult“, hat sich mit mir noch einmal zusammengesetzt und über die Veranstaltungstage gesprochen, darüber, wie das Spektakel denn eigentlich abläuft.

Darauf angesprochen, macht er erst einmal dicke Backen. Der Wecker geht an diesen Tagen meist um 7 Uhr. Samstags. Da brauch man keine Erklärungen mehr.

Wrestling 4Mit dem ersten von vielen Kaffees in der Hand, werden die Einlasslisten geprüft, Kassen vorbereitet und, nicht zu vergessen, das Merchendise wird noch einmal überprüft. Nichts ist schlimmer, als Fans nach dem Fight ohne T-Shirt gehen zu lassen.

Ist alles gepackt und gecheckt, geht es zum Veranstaltungsort. Da Rob selbst in Essen lebt, sind die Locations in Bochum, Recklinghausen oder Oberhausen quasi um die Ecke, und er muss nicht lange anreisen. Vor Ort angekommen, muss zunächst der Ring aufgebaut werden. Dieser wird gemietet und geliefert. „So ein Teil ist schweineteuer!“, sagt Rob. Irgendwann, so hofft er, kann man sich vielleicht einen eigenen leisten.

Natürlich baut er den Ring nicht alleine auf. Bis zu sechs Leuten, bestehend aus Mitstreitern, Sympathisanten und Fans, die für Wrestling alles geben, helfen hier aus. Ehrenamtliche Helfer sind im Wrestling nicht wegzudenken.

Die Shows werden mit Kamera aufgenommen. So kann sich Rob die Events im Nachgang in aller Ruhe anschauen. Im Vorfeld gibt es aber auch einiges, was schief gehen kann. Kämpfer können ausfallen. Nicht, weil sie keine Lust haben. Nein, Manchmal fallen Flüge aus, und die Fighter sitzen am Flughafen fest. Manchmal verletzen sich die Kämpfer vorab, so dass sie nicht starten können, alles schon passiert. Dann laufen bei Rob die Telefondrähte heiß. 

Wrestling 1Die WXW ist immer wieder ein guter Ansprechpartner, wenn es zu solch unschönen Situationen kommt. Man hilft sich untereinander und vermittelt andere Kämpfer, die einspringen können.

„Ich habe einmal jemanden angerufen, den ich gar nicht kannte“, erzählt Rob Graves. „Der war eigentlich schon auf dem Heimweg von einer Show. Seine Reaktion: ,Ich kann heute noch mal in den Ring? Bin gleich da.’ Über Gage und Verpflegung hatten wir da noch gar nicht gesprochen!“

Im Schnitt sind bis zu 20 Kämpfer an einem Kampftag dabei. Sollte einer ausfallen, ist das zwar nicht schön, aber zu kompensieren. Natürlich müssen die Kämpfer vorher gebrieft werden, wie die Kämpfe ausgehen und auszusehen haben. Das ist wichtig. Alles muss gut einstudiert sein, denn Wrestlingkämpfe sind Showkämpfe. Eine falsche Bewegung, und der Fuß landet in deinem Gesicht, statt fünf Zentimeter weiter auf dem Ringboden. 

Um 17 Uhr betreten die ersten Fans die Halle, Start ist 17.30 Uhr. Dass Einlass und Beginn so knackig getimed sind, ist Absicht. „Nichts ist schlimmer, als wenn du reinkommst und erst mal eine ganze Stunde warten musst, bis was passiert“, so Rob. „30 Minuten sind zwar sportlich, aber wenn du dich ein wenig am Merch-Stand umguckst, dir was zu trinken und zu futtern holst und anschließend zu deinem Platz gehst, geht es meist schon los. Das ist perfekt.“ Ich stimme ihm zu. Wie oft habe ich mir schon bei Konzerten die Beine in den Bauch gestanden, bis die erste Band auf der Bühne startete?

Und was macht Rob während der Shows? Mit einer Limo am Rand stehen und sich die Shows anschauen? „Von wegen“, lacht der Veranstalter. „Es gibt immer was zu tun. Sei es, dass man sich mit Sitzplatz-Problemen befassen muss, weil Fans sich fälschlicherweise auf reservierte Plätze gesetzt haben. Aber auch Networking mit den Zuschauern ist ein wichtiger Teil. Und auch hinter der Bühne erkundigt man sich bei den Kämpfern ständig, ob alles gut ist oder irgendwas nicht so passt.“

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Die Shows dauern knapp drei Stunden. Ab dann heißt es aber, die Beine in die Hand zu nehmen! Um 20.30 Uhr MUSS Schluss sein. Der Grund: Um 22 Uhr startet in den meisten der Läden,die Rob Graves für die Kämpfe anmietet, der Clubbetrieb. Bis dahin muss alles eingepackt und Rob mit seinen Leuten raus sein. „Da hast du nach den Shows einfach keine Zeit, zu quatschen. Jeder ein Teil und raus!“ Es kommt auch vor, dass die Kämpfer mit anpacken. Viele kommen von sich aus und fragen, ob sie helfen können. Sogar Fans fragen manchmal. „Das ist einfach skurril“, sagt Rob Graves. „Menschen, die Eintritt zahlen, T-Shirts kaufen und so weiter, helfen beim Abbau des Rings. Das sollte eigentlich nicht sein.“

Ist alles eingepackt und bereit für den Heimweg, könnte Rob nach Hause fahren und ins Bett fallen. Aber Pustekuchen. Er erzählt: „Oft habe ich ein oder zwei Kämpfer dabei, die dann bei mir pennen, weil sie keine Schlafmöglichkeit gefunden haben.“ Zudem müssen nach dem Fight noch die Ergebnisse online eingetragen und die nächsten Show-Banner hochgeladen werden. In der Regel dauert ein Wrestlingtag für Graves bis 3 Uhr morgens. „Und um 5 Uhr geht der Wecker, weil du die Gäste zum Flughafen bringen musst!“

Als ich das höre, stelle ich mir persönlich die Sinnfrage: Warum tut man so was?

Rob Graves denkt kurz nach,antwortet dann: „Zugegeben, wenn du in einigen Foren lesen musst, dass die Show Scheiße war, dann frage ich mich schon, weshalb ich das mache.“ Kritik sei eine Sache, aber Spatzen, die nur „Alles ist Scheiße“ von den Dächern brüllen, braucht kein Mensch. Letztendlich überwiegt aber das positive Feedback, und genau das motiviert Rob, weiterzumachen. „Aber das Schönste ist, wenn du Monate später die DVD deiner Show in der Hand hältst und sie dir genüsslich auf dem Fernseher anschauen kannst. Natürlich guckst du, was an der Show nicht ganz so gut war und versuchst, es beim nächsten Mal besser zu machen.“

Ein Wrestling-Kampftag ist kein entspannter Tag. Man ist jede Sekunde angespannt, denn es kann alles passieren. Da musst du auf Zack sein.  Menschen wie Rob Graves ist es aber zu verdanken, dass es diesen Sport gibt und er durch leidenschaftliche Fans vorangetrieben wird.

Hier geht es zur Website von Wrestling Kult.

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