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Jake & The Jellyfish – „Long In Winters“: Keine Gefangenen

Ein Interview von Laura van Tango.

Jake & The Jellyfish haben ein neues Album produziert: „Long In Winters“. Das mag Folkpunkfans freuen, alle anderen eher kalt lassen, war ihre bisherige Performance doch relativ homogen. Solider, aber vorhersehbarer englischer Schrammelfolk, der ein bisschen Avantgarde durch den ein oder anderen Reggae Beat erzwang. Those days are gone.

Für ihr bevorstehendes Album „Long In Winters“ bedienten sich Jake & The Jellyfish aus der Trickkiste der goldenen Kälber des amerikanischen Skate-Punks. Hot Water Music, The Lawrence Arms – es werden keine Gefangenen gemacht. Das bisherige Songwriting und die alten Muster der zeit- und kostenoptimierenden Studioarbeit wurden rigoros auf den Kopf gestellt, und in Kooperation mit Produzent Bob Cooper entstand ein bemerkenswertes Album, das Hommage und Coming-Of-Age gleichermaßen ist. Wir sprachen mit Jake McAllister, Frontmann bei Jake & The Jellyfish.

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KinKats: Etwas, das mir beim ersten Hören direkt auffiel, waren die 90s Skate-Punk-Vibes. Ein paar Akkordwechsel und Bassläufe haben mich sofort zurück in die frühen Hot-Water-Music- und Alkaline-Trio-Zeiten zurück befördert. Obwohl all eure Songs starke Punkrock-Wurzeln haben, sind sie auf diesem Album doch merklich anders verpackt. Was hat euer Songwriting denn hier inspiriert?

Jake McAllister: Cool, dass dir das aufgefallen ist! Wir haben im Studio wirklich für einige Songs den Gitarrensound auf „Flight And A Crash“ (Hot Water Music LP, 2001 – Anm. d. Red.) als Leitfaden für den Klang unserer Gitarren genutzt. Dieses Album weicht merklich von unseren vorherigen Sachen ab. Ich bin dazu übergegangen, mehr E- als Akkustikgitarre zu spielen, weil ich das Gefühl habe, dass das den Songs mehr Energie gibt und es generell einfach besser zu unserem derzeitigen Sound passt. Dieses Album sollte die Energie der großen Mitte-2000er-Fat-Wreck-Alben haben. „Oh Calcutta!“ von The Lawrence Arms ist einfach so dynamisch und so voller Hooks – darauf hatte ich es abgesehen. Ich steh total auf eingängige Refrains, aber eben auch darauf, einfach zu schauen, wohin ein Song führt. Deswegen sind einige Songs eher heavy, andere sind schrammeliger Folkpunk.

KinKats: Wie genau kam das Album zustande, und wie kann man sich euren kreativen Prozess generell vorstellen? 

Jake McAllister: Das letzte Album, „Dead Weight“, war eher ein kollaboratives Projekt. Ich habe das Gerüst, den Hauptteil der Songs, geschrieben, und dann kam die Band dazu. Jeder hat an seinem eigenen Teil gebastelt, und gemeinsam haben wir dann eine passende Struktur erstellt. Für dieses Album hatte ich für fast alle Songs die Abläufe fertig. Mit der Band haben wir dann noch ein paar Details ihrer Parts verfeinert, aber alles in allem war es eine komplett andere Herangehensweise. Zuvor haben wir auch versucht, unsere Songs in einem Vier-Tages-Gewaltmarsch  aufzunehmen, so schnell wie möglich, um so wenig Kosten wie möglich zu haben. Bob Cooper, der Produzent des aktuellen Albums, hat uns da reformiert, und ich denke, das hat sich gelohnt. Der Mann hat einfach ein großartiges Gehör für einen konzeptionellen Klang und sorgt außerdem für eine entspannte Atmosphäre. Ich hab in meinem ganzen Leben noch nie so viel Zeit damit zugebracht, an Verstärkern rumzuspielen. 

KinKats: Was ist euer bandinterner größter gemeinsamer musikalischer Nenner? Gibt es da Kindheitshelden, die ihr alle bewundert und zu Rate ziehen könnt, sollte es mal an Inspiration mangeln? 

Jake McAllister: Das ist ziemlich seltsam. Caffs, unser Bassist, und ich haben einen ziemlich ähnlichen Geschmack, aber selbst da kommen bandintern viele verschiedene Stile zusammen. Genretechnisch sind Steves Schlagzeugeinflüsse absolut nicht feszulegen. Die kommen von überall, was am Ende ziemlich cool klingen kann. Vermutlich ist es am Ende sowas seltsames wie Queen, was uns alle eint. Wenn man sich mal ihre alten Live-Shows anschaut – die sind einfach unschlagbar, und ich denke, wir haben alle einen Mordsrespekt vor diesem musikalischen Handwerk. Obwohl wir natürlich absolut null mit Queen vergleichbar sind.

KinKats: Gibt es einen roten Faden, ein Motiv in „Long In Winters“? Was war deine Hauptinspiration dafür?

Jake McAllister: Dieses Album war deutlich persönlicher für mich. Ich wollte mein Texten erweitern und Songs schreiben, die eine Geschichte erzählen. Es ist so leicht, beim Texten in einen Trott zu verfallen. Also hab ich viel über Verlust und Nostalgie geschrieben. Unsere Alben haben immer reflektiert, was gerade in meinem Leben los war. Als das hier entstand, hatte ich ein paar Familienmitglieder verloren, es gab Veränderungen in meinen Beziehungen, und ich habe alte Freunde getroffen, ein bisschen beobachtet, und all das, all die Veränderungen, haben sich in mein Song Writing geschlichen.

KinKats: Welche Musiker bewunderst du gerade?

Jake McAllister: Jetzt gerade? Was das Songwriting angeht, auf jeden Fall Laura Stevenson. „Wheel“, das Album, das sie vor ein paar Jahren veröffentlicht hat, ist grandios, von Anfang bis Ende. Dieses Jahr dreht sich alles um Propagandhis neues Album. All diese Riffs!

„Long In Winters“ von Jake & The Jellyfish erscheint am 26. Januar 2018 via Invisible Llama Music.

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