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Donots – „Lauter als Bomben“: Starkes Bock-Ding

Eine Review von Frank Göbel.

Die Donots sind wieder da. Ihr zweites deutschsprachiges Album nach dem genialen Vorgänger „Karacho“ hört auf den Titel „Lauter als Bomben“.

Kaum eine andere Band hat in den letzten Jahren ihren Unmut über Intoleranz und rechte Ströme so laut kundgetan wie die fünf Jungs aus Ibbenbüren. Und auch die Punkrock-Fahne halten die Donots weiter hoch. Während die Toten Hosen sich im Mainstream verirrt haben und auf WDR2 im Nachmittagsprogramm durchgenudelt werden, ist man froh, mal wieder unbequemen und biergetränkten Punk zu hören.

„Auf deutsch zu singen war die beste Entscheidung, die wir nie gefällt haben”, gibt Sänger Ingo Knollmann in einem Interview zu Protokoll. Es sei ein „Bock-Ding“ gewesen. Okay, dafür war es ein sehr gutes Bock-Ding. 

Jetzt also „Lauter als Bomben“. Textlich stehen auch auf der neuen Platte gesellschaftliche Missstände im Vordergrund, zum Beispiel in „Keiner kommt hier lebend raus“ und „Whatever Forever“. 

Donots_Cover

Die Donots musikalisch auf ihre Mitgliedschaft bei den linken Ultras festzunageln, ist aber schlichtweg frech und wird ihnen nicht gerecht. „Alle Zeit der Welt“, „Das Dorf L.A.“ oder das großartige „Eine letzte letzte Runde“ sind gute Beispiele dafür, dass es mehr gibt. Man bekommt wieder Bock auf Kneipen mit überfüllten Aschenbechern, auf Orte, an denen das Bier in Flaschen ausgegeben, in denen gefeiert und über Gott und die Welt diskutiert wird und der Deckel den Stammgästen als Zahlungsmittel dient.

Die Songs auf „Lauter als Bomben“ wirken gereift. Hat möglicherweise damit zu tun, dass man in ein eigenes Studio investiert hat. Das sind zwar immense Ausgaben, aber der ROI wird nicht lange auf sich warten lassen. Den jugendlichen Leichtsinn haben die Donots schon lange abgelegt und nehmen sich stattdessen Zeit und Ruhe, um zu überlegen, wie sie einen Song arrangieren.

„Heute Pläne, morgen Konfetti“ ist einer dieser Songs, bei denen man selbst an einem Montagmorgen auf dem Weg zur Arbeit mitsummen muss. Richtig Spaß macht auch „Piano Mortale“, ein Song über den Tod durch ein herunterfallendes Piano:

„Wenn das Piano fällt und mich unter sich begräbt
Dann hoff ich, dass es laut und schief und in C-Dur aufschlägt
Dass es irgendjemand restauriert, alle Tasten wieder repariert
Ein Liebeslied drauf komponiert, und das geht …“

Schöne Textzeile und ein passender Abschluss für ein starkes Album.

Dass die Donots eine Band zum Anfassen sind, bewiesen sie übrigens am Release-Tag ihres neuen Albums. Spontan riefen sie im Radio dazu auf, zum ehemaligen Underground-Gelände in Köln zu kommen. Die Band hatte ihre Akkustikklampfen dabei und wollte ein Unplugged-Konzert um Mitternacht geben. „Da kommen keine 20 Leute“, unkte Ingo auf dem Hinweg. Falsch gedacht. Über 300 Fans aus ganz NRW waren vor Ort und sangen und tanzten in den Ruinen des legendären Underground. Die fällige Ordnungsstrafe wegen Ruhestörung nahm die Band selbstredend und ohne Probleme in Kauf.

Großes Foto oben: ©Dennis Dirksen

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