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Typhoon – „Offerings“: Allein im dunklen Wald

Eine Review von Laura van Tango.

„Oh, Fleet Foxes sind jetzt Goth?”, fragte ich über die ersten Takte des ersten Songs auf Typhoons bevorstehendem Album. Der Song heißt „Wake“, das Album „Offerings“, und obwohl der Gedanke an die Fleet Foxes nur einer spontanen Assoziation entsprang, lässt er sich doch ein Stück weit belegen. Da ist zum einen die musikalische Komplexität, die Typhoon stellenweise zu einer atmosphärischen Dichte aufbaut, die einem fast den Atem nimmt. Und der starke narrative Aspekt. Das Talent, sowohl mit großen Arrangements, als auch leisen Melodien zu überzeugen. Ätherischer, mehrstimmiger Gesang. Die Ahnung kühler Nacht-Bergwaldluft.

Zum anderen ist da natürlich das Offensichtliche: Typhoon sind Indie-Lieblinge. Ihr letztes Album „White Lighter” landete auf Platz 2 der Billboard Heatseekers Album Charts, sowie den Jahresbestenlisten von NPR und Paste. Sie tourten mit The Decemberists, Pourtugal. The Man und Grouplove. In einer Review heißt es: „Typhoon spielen die Art Indierock, von der du wünschtest, Modest Mouse würde sie noch machen.“

Den roten Faden, die große Inspiration hinter „Offerings“ führt Singer/Songwriter Kyle Morton auf tiefgreifende Kontemplationen der Menschlichkeit zurück: „Ich habe mich immer mit Gedächtnis, dem Verlust dessen und dem Zurückgewinnung von Erinnerungen beschäftigt. Ich will den folgenden Fragen auf den Grund gehen: Was wird aus einer Person, wenn sie nicht weiß, woher sie kommt? Was ist die wesentliche Eigenschaft einer Person, wenn sie all ihre Erinnerung verliert?” 

In diesem Sinne dreht sich „Offerings” inhaltlich um einen Mann, der sein Gedächtnis verloren hat und vier Phasen, in welche die LP aufgeteilt wurde, durchläuft: Floodplains, Flood, Reckoning und Afterparty – Erkenntnis. Chaos. Akzeptanz. Abschied. 

Mortons Interpretation der Thematik ist popkulturell ausgerichtet: „Ich sah mir sehr viel von David Lynch an, dachte sehr viel über die Filme ,Memento‘ von Christopher Nolan und Fellinis ,Achteinhalb‘ nach (…). Ich wollte, dass die Platte eine Reise wird, genauso wie in ,Dantes Inferno‘. Sie beginnt mit ,Wake‘, in dem der Charakter aufwacht, ins Bett gemacht hat und nicht weiß was passiert. Ich wollte ein bestimmtes Gefühl erzeugen, dass Samuel Beckett besonders gut beschreibt.”

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Gefühl ist ein gutes Stichwort. „Offerings” gleicht tatsächlich einer emotionalen Reise. Durch Finnland. Im arktischen Winter. Wegen der dominanten Thematik, ihr versteht. Die Mitternachtssonne kommt in Form eingängiger Shoegaze Intermezzi, denn catchy können Typhoon eben auch. Man höre beispielsweise die bereits veröffentlichte Auskopplung „Rohrschach”. 

Das am 12. Januar erschienene Album „Offerings” ist also unbedingt empfehlenswert. Und wem es zu düster wird, der kann ja kurz „Crack Up” auflegen. 

Hier könnt ihr das Album bestellen.

Typhoon live:
10. März: Hamburg, Knust
14. März: Berlin, Musik & Frieden
20. März: Köln, Artheater   

Großes Foto oben: Jeremy Hernandez

 

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