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Custom Jewelry by Marty McFly: Ecken und Kanten statt Bling-Bling

Ein Interview von Mimi Erhardt.

Da soll nochmal einer sagen, Instagram sei nichts weiter als ein unkreativer Pool, in dem sich ausschließlich lame Menschen in vermeintlicher Perfektion präsentieren, dabei aber eigentlich weder was zu sagen noch wirklich zu zeigen haben. So ein Quatsch. Ich stolpere auf Insta immer wieder über echte Perlen. So auch vor einiger Zeit über das Profil von Marty McFly, der Custom Made Schmuck herstellt, der anders, cooler, edgier ist als vieles, das ich seit langem gesehen habe.
 
KinKats: Hey Marty. Ich habe dich auf Instagram in einem Post von Tätowierer Jakub Settgast entdeckt, in dem ein von dir entworfener (und hergestellter) Ring zu sehen war. Ist das dein Job – Goldschmied? Und würdest du dich als Schmuckdesigner bezeichnen?
 
Marty McFly: Hey Mimi, ein Goldschmied bin ich auf gar keinen Fall, dazu fehlt die passende Ausbildung, und mein Wissen vom Schmieden reicht nicht aus. Mein richtiger Job ist Zahntechniker, ich stelle Goldkronen und solches Zeug her. Daher kann ich auch Zahnschmuck produzieren und arbeite in anderen Prozessen, wie es ein Goldschmied machen würde. Ich weiß nicht, ob ich mich als Designer bezeichnen würde. Ich wollte immer als Künstler wahrgenommen werden.

Marty McFly 1KinKats: Stellst du nur Custom made Sachen her? Und wenn ja, warum nicht gleich eine ganze Kollektion?

Marty McFly: Das Costumzeug ist schon ziemlich interessant, da es jedes mal eine krasse Herausforderung ist, auf die Leute einzugehen und sie glücklich zu machen. Außerdem bin ich es von meinem Beruf her gewohnt, für Leute individuelle Sachen herzustellen. Wenn ich mal gar nichts zu tun habe, mache ich auch mal Sachen, die meinem Kopf entspringen und die ich gerne zu Serien oder Kollektionen machen würde. Meistens scheitert das aber am Zeitmangel.

KinKats: Wie ist der Prozess, wenn du einen Ring herstellst?

Marty McFly: Ich gehe mal von einem Custom Ring aus, okay? Nach dem ausführlichen Besprechen des Ringes fange ich an, ein Wachs- oder Kunststoffmodell zu erstellen. Skizzen mache ich in der Regel sehr selten, aber zum Beispiel bei Arbeiten mit Schrift sehr gerne. Ganz einfach wegen der Schriftart und Größe. Stehe aber grundsetzlich mehr drauf, das Objekt in der Hand zu formen. Nach Absprechung gieße ich das Modell dann in Metall. Wenn der Guss geklappt hat, kläre ich noch das Finish ab. Dann mache ich mein Siegel auf die Box, und raus mit der Scheiße.

KinKats: Hörst du Musik, wenn du Schmuck machst? 

Marty McFly: Na klar! Musik brauch ich immer beim Arbeiten. Und dann alles was, die Laune gerade hergibt. Rock, Jazz, Rap, und wenn ich mal abends länger machen muss, pushenden Techno. Am liebsten fuck ich meine Kollegen mit richtig kranker Scheiße ab.

Marty McFly4KinKats: Wie wichtig ist Instagram als Medium für dich, um anderen deine Arbeit zu präsentieren?

Marty McFly: Dank Instagram hab ich klasse Leute kennengelernt, die mich weitergebracht haben, und mich dadurch echt entwickelt. Daher  schätze ich Instagram als Medium sehr. Die Jahre davor bin ich immer über Tattoomessen getingelt und hab mich betrunken, um Leute anzusprechen, deren Arbeiten mir gefallen haben und sie gefragt, ob sie meine Arbeiten sehen wollen. Das war um einiges mühseliger und meist nicht sehr erfolgreich. Da ist Instgram doch um einiges praktischer.

KinKats: Ich habe bei dir selbst einen Ring bestellt 🙂 Damals sagtest du mir, dass deine Sachen nicht verkäuflich sind, sondern du nur tauschst. Welche Tauschobjekte interessieren dich?

Marty McFly: Ja, tauschen bockt auch sehr, da es oft einfach eine geile Win-Win-Situation ist. Bei guten Tattoos bin ich immer dabei, hab noch Platz auf der Plautze 😀 An handwerklichen Arbeiten bin ich auch immer interessiert. Kunst und Krims Krams. Egal was, schlagt mir was vor, und es findet sich schon was.

KinKats: Sind die Geschichten, die hinter den Wünschen deiner Kunden stecken, für dich wichtig?

Marty McFly: Find es natürlich immer ultra sympatisch, wenn meine Sachen als Geschenke durchgehen sollen. 

Marty McFly3KinKats: Gibt es Geschichten, die dich bewegt haben?

Marty McFly: Wenn ich alten Schmuck zu neuem machen kann, Ringe vom verstorbenen Großvater, oder nach einer Scheidung aus Eheringen Neues entstehen lasse.

KinKats: Wie sieht es mit eigenen Tätowierungen aus? Welche Bedeutung haben Tattoos für dich?

Marty McFly: Hahahaha, das ist immer die geilste Frage im Tattoo Erotica Magazine 😀 Egal, wie man antwortet, es klingt einfach immer beschissen. Daher pass ich und sage nur, dass ich einfach drauf stehe 😉 

KinKats: Slick 😀 Was interessiert dich abseits des Designens? Was inspiriert dich im täglichen Leben?

Marty McFly: Meine größte Muse ist meine Freundin, durch die ich auch zum Schmuckmachen gekommen bin. Dann: Der ganze Tattokram. Ansonsten dreckige und verdorbene Sachen. Stehe persönlich gar nicht auf so sauberes Kristall-Diamanten-Bling-Bling-Zeugs, sondern finde es viel ansprechender, wenn Sachen Ecken und Kanten haben und dreckig aussehen. Mache auch sehr gerne geschwärzte Silbersachen, da mich der Aspekt reizt, dass etwas Wertvolles schmutzig und wertlos aussieht und nur der Träger weiß, welchen Wert er am Finger stecken hat.

KinKats: Marty McFly – obviously eine Hommage an den Helden der „Back to the future“-Reihe. Was hast du mit dem Film-Marty-McFly gemeinsam? 

Marty McFly: Außer, dass ich auch keine feige Sau bin, gar nichts, hahahaha. Den Namen hat mir mein alter Freund gegeben, @deobba bei Instagram, ein spitzen Tätowierer, den ich während meines Fachabiturs kennengelernt habe. Der Obba war damals schon um einiges älter, daher kommt sein Name, und er fing damit an, mich Marty zu nennen.

Folgt Marty McFly bei Instagram.

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