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Ein Interview mit Sedlmeir oder: Sei dein eigener King

Ein Interview von Frank Göbel.

Vor kurzem habe ich das aktuelle Werk des Berliner Künstlers Sedlmeir rezensiert. „Fluchtpunkt Risiko“ ist ein zeitgemäßes Rock’n’Roll-Album mit großartigen Songs übers Rumstehen, über Vergebung und überfüllte Gefängnisse. Eine Platte, die auf keiner Playlist fehlen darf. Nun traf ich Sedlmeir neulich in der U-Bahn. Spontan haben wir uns in ein Internet-Kaffee gesetzt, ein, zwei, drei, vier, fünf Bier gezischt und ein wenig über Musik und Stil geredet.

KinKats: Auf den ersten Blick fällt sofort dein Style auf. In der KinKats-Redaktion giltst du als einer der bestgekleideten Musiker, die wir so kennen. Läufst du privat auch so rum?

Sedlmeir: Selbstverständlich. Mit einer Einschränkung: Abends beim Essen gestatte ich es mir, die Krawatte ein wenig zu lösen.

KinKats: „Fluchtpunkt Risiko“ ist, so behaupte ich, dein komplettestes Album. Es gibt Rock, Pop, Schlager, ein Mix aus großen Emotionen und scharfen Kanten. Wie kam es zu dem Album?

Sedlmeir: Im Grunde schreibe ich ständig Songs. Nach der Platte ist vor der Platte. Nach einem gewissen Zeitraum ist genug Material da, das zusammenpasst. Als ich die Songs für dieses Album zusammengestellt hatte, dachte ich, „Fluchtpunkt Risiko“ ist der passende Titel dafür.

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KinKats: Wie entsteht ein Text bei Sedlmeir? Hast du ein Thema im Kopf?

Sedlmeir: Die besten Textzeilen kommen mir wie von selbst in den Sinn. Um einen Text zu vollenden, muss ich dann aber meistens noch Worte dazu konstruieren und aufpassen, dass sie nicht zu konstruiert klingen. Aber gerade aus dieser verschwurbelten Situation heraus ergeben sich oft die schönsten Wort- und Sinn-Kombinationen.

KinKat: Du bist eine One-Man-Band. Das sichert dir den Applaus bei Auftritten. Hast du mal darüber nachgedacht, andere Musiker in die Band zu holen?

Sedlmeir: Das würde ich nie tun. Sonst müsste ich am Ende noch die Gagen teilen! 😉

Kinkats: Man hört oft einen amerikanischen Slang bei dir raus. Hand aufs Herz: Bist du die Reinkarnation von Elvis Presley?

Sedlmeir: Von solch kosmischen Zusammenhängen verstehe ich nichts. Ich habe lediglich herausgefunden, dass man sein eigener King werden sollte.

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Kinkat: Warst du eigentlich, von den deutschen Texten abgesehen, mal in den USA auf Tour? Und falls nicht, wann ist deine erste US-Tour geplant?

Sedlmeir: Bisher noch nicht. Das liegt aber daran, dass noch nicht einmal die meisten in Berlin lebenden Amerikaner Deutsch verstehen, geschweige denn die in den USA lebenden. Ich singe aber in Deutsch. Von daher ist es für mich erst sinnvoll in die USA zu fahren, wenn dieser Montgomery Trump verfügt, dass die Amis Deutsch lernen.

Anmerkung des Autoren: Als wir das sechste Bier öffnen wollen, habe ich schon Schlagseite Steuerbord. Sedlmeir singt nicht gerne übers Bier, er beherrscht auch die hohe Kunst des Konsumierens. Ich stolpere in die U-Bahn Station zurück, während Sedlmeir, ganz stilecht, auf sein Einrad springt und Kreuzberg unsicher macht.

Alle Live-Termine von Sedlmeir findet ihr hier. Und hier könnt ihr sein Album „Fluchtpunkt Risiko“ ordern!

Fotos: Karin Poltoraczyk

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