NGHFB - Photo 2 - Lawrence Watson

Noel Gallagher And The High Flying Birds – „Who Built The Moon“: Bond-Songs vom Alpha Male

Eine Review von Frank Göbel.

Da ist es also – das von mir so lang ersehnte dritte Studio-Album von Noel Gallagher And The High Flying Birds: „Who Built The Moon“ lautet der Titel. Und wenn ein so erfolgreicher Musiker, der mal bei einer der größten Rockbands Englands die Strippen ziehen durfte, ein neues Solo-Album rausbringt, darf man schon mal gespannt sein, was einen erwartet.

Eines vorweg: Es gibt viele Überraschungen auf diesem Longplayer. Nach zwei Alben im Mid-Tempo erfindet sich der 50-jährige Songwriter auf „Who Built The Moon“ komplett neu. Grund dafür dürfte auch Produzent David Holmes gewesen sein. Der bestand zum Beispiel darauf, alle Songs im Studio zu schreiben. Texte, die außerhalb zu Papier gebracht wurden, wurden einfach nicht akzeptiert. Das muss man bei einem Alphamännchen wie Noel Gallagher erst einmal hinbekommen. 

Zähneknirschend gab er auch in Interviews zu, er habe das erste Jahr daran zu knabbern gehabt. Aber anstatt Holmes den Mittelfinger zu zeigen und ihm ein „Fuck you“ entgegen zu rotzen, fügte sich Noel.

Über die eigenen Grenzen hinausgehen – das war das Credo für dieses Album, für das Gallagher fast drei Jahre brauchte. Zu hören gibt es viele Beats und Rhythmen, die die Fans bislang weniger mit dem Ex-Oasis-Mastermind in Verbindung gebracht hätten. 

Auf „Who Built The Moon“ macht der Musiker Noel Gallagher den Schritt vorwärts. Das ist frisch und tut auch dem Hörer gut. Der Song „Holy Mountain“ bietet psychedelischen Krautrock, komplett mit Blockflöte im Chorus. „Dieser Song ist der pure Spaß an der Musik. Ein Song, der gute Laune machen soll. In einer Welt, die nicht gerade im besten Zustand ist“, gab Gallagher in einem Interview zu Protokoll. Ebenso mitreißend: „Keep On Reaching“ mit Hammondorgel und Bläsern.

Ob es Absicht war oder nicht, aber „Be Careful What You Wish For“ erinnert stark an „Come Together“, einen der größten Beatles-Songs. Aber mit einem 2017er Arrangement und einem ganz eigenen Sound bekommt der Song einen neuen, individuellen Anstrich. Dennoch, es bleibt der Gedanke, dass „Be Careful What You Wish For“ auch locker in den späten Sechzigern, Siebzigern entstanden sein könnte.

„It’s A Beautiful World“ ist mit seinem easy elektronischen Beat und gefühlvollen, leisen Gitarren für mich das Highlight des Albums. Der Refrain kommt mit verzerrter (Radio-)Stimme daher, Lyrics, Musik – es passt alles wie Arsch auf Eimer. Gallagher ist noch immer einer der begnadetsten Songwriter, der weiß, wie man die richtigen Wörter ansetzt.

Erinnern sich noch einige an „(Whats The Story) Morning Glory“? Das zweite und beste Album von Oasis? Da gab es den „Swampsong“. Ein instrumentaler Zweiteiler, der in der Mitte und zum Schluss eingespielt wurde. Nun, das gibt es auf diesem Album auch wieder, wenn auch nicht so rockig. „Wednesday“ heißt das Ding und gibt einen gemütlich relaxten Takt vor. Wie eine Pause, bevor es wieder losgeht.

NoelGHFB_Moon

Der vorletzte Song ist dann genau das, was ich mir songtechnisch von Gallagher erhofft hatte. „The Man Who Built The Moon“ heißt er und kommt in nachdenklicher Manier daher. Ein bisschen Epik und Noels Akkustikgitarre in den Strophen verleihen dem Song gekonnte Schwere. Nun ist es so, dass ich ein Spinner bin. Deshalb schlage ich hier vor, dass der Fast-Titelsong zu Gallaghers Album der neue Bond-Song wird. Kein Scheiß. Warum sollte nicht Noel Gallagher den nächsten Bond-Song schreiben? Frage mich schon lange, warum da noch nicht mehr Leute drauf gekommen sind. Sollte also der nächste Bond-Film „The Man Who Built The Moon“ heißen, wisst ihr Bescheid. Ich war das. Quasi.

Das dritte Album von Noel Gallagher And The High Flying Birds klingt mit einer schmalzigen Ballade aus. „Dead In The Water“ wurde live in einem Radiostudio in Dublin aufgenommen und direkt aufs Album gepackt. Noel Gallagher und die Akkustikgitarre: Da ist er wieder, dieser melancholische Typ, den wir aus Songs wie „Talk Tonight“ kennen.

Am Ende ist „Who Built The Moon“ ein grandioses Album und zurecht jetzt schon erfolgreich. Und auch, wenn ihn Verkaufszahlen und Downloads nicht interessieren, dürfte Gallaghers anstehende Welttour sehr gut besucht sein.

Noel Gallagher geht auch in 2017, wie immer, eigene Wege. Auf die Frage, was er sagen würde, wenn Liam Gallaghers neues Album es auf Platz eins der Charts schaffen würde, sagte der ältere Gallagher in einem Interview: „I couldn‘t care less!“

Damit ist eigentlich alles gesagt.

Noel Gallagher And The High Flying Birds – „Who Built The Moon“  erschien am 24. November. Hier könnt ihr das Album bestellen.

Noel Gallagher bei Facebook.

NGHFB - Photo 1 - Lawrence Watson
Fotos (2): Lawrence Watson
One Response
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *