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Love A – „Nichts ist neu“: Immer kurz vorm Eskalieren

Eine Review von Frank Göbel.

Seit einiger Zeit erfreut mich eine Band aus Rheinland-Pfalz, die den Punkrocker in mir wiederaufleben lässt. Die Rede ist von Love A. Deren aktuelles Album „Nichts ist neu“ hat mich dazu verleitet, ganz genau hinzuhören und für KinKats ein paar Zeilen über ihr Werk zu verlieren.

Ein wesentlicher Bestandteil der Faszination, die Love A nicht zuletzt auf mich ausübt, sind Jörkk Mechenbiers Gesang- und Textfähigkeiten. Vom Sound her ziemlich auf Krawall gebürstet, immer kurz vorm Eskalieren und mies drauf sowieso. Love A zeigen auf „Nichts ist neu“ schonungslos auf, was heutzutage alles schiefgeht. 

LoveA_Nichts_ist_neu_Albumcover„Nachbarn II“ zum Beispiel. Die Strophen werden mehr erzählt als gesungen. Fast wie eine Durchsage am Bielefelder Bahnhof, nur in schön. Ein Song, erstens, über Vorurteile, und zweitens, über die Schmach, dass man nicht mal den kennt, der neben einem wohnt.

Wir wollen Täter und Opfer sein / Wollen zu zweit und doch alleine sein
Wollen, dass der Tag zu Ende geht / Aber nicht, dass sich die Zeiger drehn
Wir wollen träumen, aber fähig bleiben / Gift nehmen, doch am Leben sein
Wollen eigne Wege gehen / Nicht angebunden unsere Runden drehn“

Es sind Textstellen wie diese, die der Musik Tiefgang geben. Überhaupt scheinen Vorurteile ein Thema zu sein, dass die Jungs beschäftigt. So auch bei der Nummer „Weder noch“:

Und alle wissen ganz genau, was in seinem Hirn geschieht
Und dass er nur wegen Geld aus seiner Heimat flieht“

Love A stehen für linke Werte. Finde ich gut. Dabei sollte man in 2017 niemandem mehr erklären müssen, dass man gegen Homophobie und Nazis aufstehen sollte. Wobei – vermutlich ist eine klare Haltung in diesen Fragen heute wichtiger denn je.

Als Punk-Fan freut sich, dass man dieser Band lauschen darf. Die Musik an sich ist, das muss man sagen, kein Meisterstück. Muss sie aber auch nicht. Die Songs sind aufmüpfig und ehrlich und in einer Sprache gesungen, die mich bewegt und packt. Love A verstehen es, mich zu erden und erinnern mich daran, auf die wesentlichen Dinge zu schauen. 

Noch etwas Persönliches: Wenn man Familienvater ist wie ich, hat man eine ganz bestimmte Sicht auf die Dinge. Politik und Werte zwischen Kindergarten und Windelwechseln. Die Ängste und Sorgen, die einem die Zukunft bereitet, schlummern immer in einem. Love A beruhigen mich dahingehend, dass ich damit nicht ganz alleine bin. Das macht zwar nicht alles besser, aber aushaltbar.

Und während ich mit meiner Tochter ein Gute-Nacht-Buch lese, summe ich in meinem Kopf die Melodie von „Die Anderen“. 

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Großes Foto oben: Andreas Hornoff

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