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Liam Gallagher: „As You Were“ – Raus aus der Bedeutungslosigkeit

Eine Review von Frank Göbel.

Der letzte echte Rock‘n‘Roller ist wieder da, die Rampensau aus Manchester bittet zum Tanz. Die Rede ist von Liam Gallagher. Sein erstes offizielles Solo-Album „As You Were“ ist seit dem 6. Oktober draußen.

„As You Were“ ist nicht Gallaghers erster Versuch eines Alleingangs. Nach der Implosion der Brit-Giganten Oasis gründetete Liam 2010 gemeinsam mit den vier weiteren Oasis-Mitgliedern die Band Beady Eye, doch schon 2014  warfen die Männer die Flinte wieder ins Korn, nach gerade einmal zwei Alben. Schade eigentlich. Gerade das zweite Album „BE“ hatte weltklasse Songs wie zum Beispiel „I‘m Just Sayin‘“ oder „Soul Love“ zu bieten.

liam-gallagher-as-you-were-release-date-1498231032Aber funktioniert Liam überhaupt ohne Noel? Beide zu vergleichen, ist schlicht und einfach nicht möglich. Auf der einen Seite haben wir Noel, der noch immer musikalische Elite ist und nach wie vor Songs allererster Klasse schreibt, die er dann sehr erfolgreich mit seiner Band Noel Gallagher‘s High Flying Birds released. Dann ist da Liam, der Prügelknabe mit der lauten Schnauze, der laut eigener Aussage aus der puren Rock‘n‘Roll-Ecke kommt und mit elektronischer Musik so gar nichts anfangen kann. Vermutlich ist es genau diese Differenz, persönlich wie musikalisch, zwischen den Brüdern, die Oasis so erfolgreich gemacht hat.

Und jetzt also Liam solo. Dabei hatte der Anfang 2016 noch auf Twitter gewettert: „Solo-Album. Seid ihr verrückt geworden, ihr Schwachköpfe? Ich bin doch kein Idiot!“

Aber ey, don‘t look back in anger.

Es ist 2017, und Liam Gallagher ist wieder da. Sein Solo-Album „As You Were“ bietet klassischen Rock‘n‘Roll – die Frage ist nur: Braucht die Welt das heute noch?

Die erste Nummer „Wall Of Glass“, die erste Single im Liam-Solo-Universum, hat mich sofort. Mitreißende Instrumentierung, unverkennbare Stimme, wobei der Geist seiner Vor-Vor-Band ein bisschen durch meine Rübe wabert.

„Bold“ ist für mich das Aushängeschild des Albums. Eine Ballade mit kleinem Seitenhieb gegen seinen Bruder („There‘s no love worth chasing yesterday“, das sich auf „Chasing Yesterday“ bezieht, Noels zweites Album), anders geht es wohl auch nicht. Dann ist noch die andere Seite des Liam Gallagher. Die reumütige, fast gefühlvolle Seite des Straßenrüpels. Das steht ihm zwar nicht, aber der Song ist klasse.

In vielen Songs wird die Akkustik-Gitarre benutzt. Das gibt dem Ganzen einen Folk-Anstrich, nicht negativ gemeint. Geschmackssache.

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„For What It‘s Worth“ ist für mich irgendwie der zweite Teil von „Don‘t Look Back In Anger“, beides Klassiker.
Durch das ganze Album schweben gut hörbar Liams Idole. Stones, Beatles („You Better Run“), die Kinks und natürlich sein Epi-Zentrum der Musik – John Lennon. 

Beim Großteil der Songs auf „As You Were“ fehlt mir leider der Aha-Effekt, dieser Moment, in dem ich sage: „Scheiße, ist das gut!“ Und selbst beim 13. Mal Durchhören zündet es nicht. Das sage ich allerdings als Oasis-Ultra. 

„As You Were“ wird Liam Gallagher retten. Die Jahre der Bedeutungslosigkeit sind erst einmal vorbei. Meine Welt ist durch den Release zwar nicht gerettet, aber bereichert. Und auch, wenn das Album nicht DER Zünder ist, so ist mein Jugendtraum wieder entfacht: Mit Liam Gallagher in einer Kneipe versacken. Wir trinken zu viel Bier und reden über Musik und Fußball. Wird höchstwahrscheinlich nie passieren. Aber träumen darf man ja.

In den nächsten Monaten wird sich Gallagher wieder auf der Bühne wiederfinden und den Rock’n’Roll predigen. Wermutstropfen für mich: Seine „As You Were“-Tour führt NICHT durch Deutschland. Hätte mich gerne live doch noch überzeugen lassen.

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