PixelBock 7

PixelBock: Sich auflehnen, um etwas zu bewegen

Ein Interview von Mimi Erhardt.

PixelBock hatte sie alle – wenigstens vor der Kamera. Als Fotograf shootet er mit Vorliebe tätowierte Girls mit Attitude, viele seiner Bilder haben Botschaften, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen, dann aber nachdenklich machen. Wir haben uns den 1.-FC-Köln-Fan zum Interview geschnappt.

KinKats: Von tätowierten Mädchen, über Rock’n’Roll Menschen, Hochzeiten und artsy Geschichten bedienst du echt viel. Brauchst du diese Vielfalt oder ist das einfach etwas, das ein professioneller Fotograf anbieten muss, um zu überleben?

PixelBock: Da ich die Fotografie ja nur im Nebenerwerb betreibe, kann ich mir den Luxus leisten, nur die Sachen zu machen auf die ich auch Bock habe. Ich mag selber Tattoos, bin auch selber tätowiert, da lag die Fotografie mit den „bunten“ Mädels nicht fern, bildet sozusagen mein Alltagsgeschäft. Meine Projekte wie die „Tattoo Army“ oder Sachen wie „Bonnie & Clyde“ mache ich, weil ich einfach tierisch Bock drauf habe und ich „normale“ Fotografie meistens ziemlich langweilig finde. Hochzeiten waren lange Zeit ein Tabu-Thema. Aber auch hier musste ich feststellen, dass es durchaus Brautpaare gibt, die von der Norm abweichen und individuelle, themenbezogene Hochzeitsbilder haben möchten. Das war dann auch wieder mein Ding, nicht so langweilig, sondern individuell.

KinKats: Hast du eine Richtung, die dir am meisten zusagt?

PixelBock: Wie gerade ja schon angedeutet: Ich mag die Fotografie im Tattoo-Bereich, gerade die Magazin-Shootings und meine Projekte. Das macht mir am meisten Spaß! Warum? Naja, man lernt sehr viele nette Leute kennen. Die Quote, auf einer Wellenlänge zu liegen, ist in dem Bereich wesentlich höher als in anderen Bereichen. Hier ist auch die „Stutenbissigkeit“ nicht so hoch, die Leute sind, zumindest meistens, wesentlich entspannter.

KinKats: Deine Models wirken auf mich sehr professionell, sehr erotisch und stark, das Gegenteil des Girl next door. Ist diese Stärke etwas, das dich reizt?

PixelBock: Ob privat oder auch bei der Fotografie, ich mag Frauen mit eigenem Kopf, die nicht zu allem „ja und amen“ sagen. Ich mag es auch, wenn die Mädels eigene Ideen mit einbringen und sich Gedanken zum Shooting machen. Die Frage kann ich also bejahen, starke Frauen reizen mich. 

PixelBock 10KinKats: Gegenteilig dazu – ist eine gewisse Schwäche oder Verletzlichkeit nicht auch ein reizvolles Motiv? 

PixelBock: Das ist das Schöne bei der Tattoo-Fotografie. Die Mädels sind zwar tätowiert, wirken stark und dominant. Aber auch hier gibt es trotz vieler Tattoos durchaus sehr sensible und schüchterne Typen. Zudem sind die Mädels sehr wandelbar. Eines meiner Lieblingsmodels, da gebe ich sicher kein Geheimnis preis, ist Sissi Straßmann. Du kannst mit ihr heute ein Shooting machen bei dem sie den Anschein eines männermordenden Vamps macht, und am nächsten Tag schlüpft sie in die Rolle eines schüchternen Mädels, das wie ein Reh vor dem Erschießen guckt. Hier gibt es also auch ein klares „Ja“ von mir. Sensible und verletzliche Motive haben durchaus auch ihren Reiz.

KinKats: Was macht ein gutes Model aus?

PixelBock: Natürlichkeit! Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ein Model kann posen bis zum Abwinken, wenn sie nicht natürlich wirkt, nützt das alles nicht sehr viel, zumindest meiner Meinung nach! Ein weiterer Punkt ist Disziplin in Kombination mit Verlässlichkeit. Ich habe bisher größtenteils viel Glück gehabt und konnte mich auf Termine, Absprachen und Abmachungen mit meinen Models fast immer verlassen. Das ist wichtig! Als dritten Punkt führe ich dann noch „wandelbar“ auf. Ich mag es, wenn Models nicht nur straight in eine Richtung laufen und sie eine große Bandbreite bedienen.

KinKats: Wann genießt du ein Shooting so richtig?

PixelBock: Tja, wann genieße ich ein Shooting? Grundsätzlich bin ich fast vor jedem Shooting nervös. Ich mache mir zum Beispiel Gedanken, ob meine Shooting Idee so umsetzbar ist, wie ich mir das vorstelle oder ob alles wie geplant klappt. Wenn ich dann merke, es läuft, man kommt dazu mit dem Model gut klar… dann entspanne ich mich nach den ersten „Klicks“ der Kamera und fange an, Spaß zu haben.

KinKats: Du hast auf deiner Seite auch verschiedene Serien, zum Beispiel die „Tattoocalypse Now“ – ein Motiv, inszeniert mit verschiedenen Models. Was ist die Idee hinter diesem Projekt, und was ist die generelle Idee hinter diesen Serien?

PixelBock: Die beiden Projekte „Tattoocalypse Now“ und vor allem meine „Tattoo Army – Make Art not War“ sind vor allem aktuellen Ereignissen rund um die Welt geschuldet. Die Tattoo Army habe ich zum Beispiel ins Leben gerufen, als so langsam das Thema „Flüchtlinge“ und die Kriege in Nahost aktuell beziehungsweise in den Medien präsenter wurden. Es sollte zeigen, dass es egal ist, welcher Nationalität oder Religion man angehört… Man kann sich gegen kriegstreibende Regime wehren und auflehnen, man kann was bewegen. Daher auch der bewusste Kontrast einer alten NVA-Uniform und den halbnackten, tätowierten Mädels. Man kann ausbrechen, man darf nur nicht zum Mitläufer werden.

KinKats: Lass uns nochmal zu deinen Model zurück kommen. Was das Besondere an tätowierten Frauen und Menschen generell? Was reizt dich daran so?

PixelBock: Hmm, das ist eine gute Frage! Tattoos mochte ich eigentlich schon immer, ich kann gar nicht genau sagen, wann diese Leidenschaft anfing. Ich habe allerdings festgestellt, dass tätowierte Menschen oftmals toleranter sind, aufgeschlossener und nicht so verbohrt in ihren Ansichten. Natürlich gibt es auf beiden Seiten Ausnahmen…

KinKats: Wie gehst du damit um, wenn ein Model noch unsicher ist? Hast du eine Taktik, um den Leuten die Angst zu nehmen?

PixelBock: Ich shoote tatsächlich auch ab und an mal mit Mädels, die kaum oder keine Shootingerfahrung haben. Wichtig ist, eine gemeinsame Basis zu finden. Ich arbeite fast ausschließlich mit meiner Lieblingsvisa, Chrissi aka Fräulein Miez, zusammen. Beim Styling bietet sich also schon mal eine super Gelegenheit, ein wenig zu quatschen, eine Ebene zu finden, sich kennenzulernen. Meistens geht es dann schon wesentlich entspannter ans Set. Chrissi und ich geben auch gerne Hilfestellung beim Posen, etc. Nach den ersten Fotos lasse ich die Mädels dann meistens mal einen Blick in den Bilder werfen, und wenn sie sehen, dass da schon coole Sachen dabei sind, sind die meisten schon viel ruhiger und entspannter. Der Rest kommt meistens von ganz alleine!

PixelBock 8KinKats: Wie stelle ich mir ein Shooting mit PixelBock vor? Eine wilde Party mit Schnaps und Slayer im Hintergrund?

PixelBock: Wo muss ich unterschreiben? Nehme ich! Nein, mal Spaß beiseite. Wir haben immer Guns N’ Roses im Hintergrund, nicht Slayer! 😉 Es läuft wesentlich unspektakulärer ab, als es sich viele immer denken. Wir treffen uns, Chrissi nimmt das Styling vor, es wird gequatscht, ja, Musik gibt es in der Regel auch. Dann wird geshootet, und das war es in der Regel auch schon, Ausnahmen gibt es selten. Bei einem Strandshooting in Holland bei Sonnenaufgang zum Beispiel. Da kamen Visa und Model am Vortag zu uns nach Hause. Wir haben gegrillt, ein wenig gequatscht, und dann ging‘s früh ins Bett, also jeder in sein eigenes! Um 1 Uhr nachts aufstehen, 2 Uhr Abfahrt, 5 Uhr Ankunft, Styling, 5.45 bis 9.30 Uhr Shooting am Strand, und dann ging‘s wieder zurück. Das war echt cool!

KinKats: Hast du Vorbilder in Sachen Fotografie oder Kunst, die dich inspirieren?

PixelBock: Ja natürlich, da gibt es einige. Ich mag die Arbeiten von Frank Dursthoff sehr, aber auch Größen wie Annie Leibovitz, Cindy Sherman und Helmut Newton inspirieren mich. Es gibt noch einige mehr, und ich versuche, mir überall das anzueignen, was zu mir und meinen Projekten passt.

KinKats: Was inspiriert dich sonst noch?

PixelBock: Das kann ich so direkt gar nicht beantworten. Manchmal sind es aktuelle Themen aus der Politik oder des Alltags. Manchmal sind es Filme oder Musik. Manchmal sind es Werke anderer Fotografen. Es gibt also leider kein Rezept für Inspiration… Augen auf und Dinge sehen, dann wird man auch inspiriert.

KinKats: Was ist das nächste Projekt, das du in Angriff nehmen möchtest?

PixelBock: Leider kann ich das Kind noch nicht beim Namen nennen. Es gibt da noch ein paar organisatorische Dinge zu regeln, und daher ist meine Idee noch nicht ganz spruchreif. Aber ich kann verraten, dass es der kommenden Jahreszeit entsprechend nicht so gaaaaanz gemütlich wird für die Mädels und ich da echt taffe Models brauchen werde. 

KinKats: Any last words?

PixelBock: Falls noch jemand bis hierhin am Ball geblieben ist… Danke für eure Zeit, never forget to Rock‘n‘Roll!

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