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HIM – „Razorblade Romance“: Love Metal Meilenstein

Eine Review von Willhelm Worran.

Vorwort: Ich habe meinen Musikgeschmack in den Endneunzigern/Anfang der Nuller Jahre entwickelt. Eigentlich verankert im Emo-/Punk-/Grunge-Universum, gab es schnell ein paar Türen, die ich öffnen wollte. Dann brachte die Jahrtausendwende nicht nur Freude und eine neue Währung, sondern auch den ersten Herzschmerz und Gefühlsraketenchaos. Hier beginnt der Spaß …

„Razorblade Romance“ von HIM. 

HIM – His Infernal Majesty. Eine finnische Rockband oder besser: Eine finnische Love Metal Band. Ville Hermanni Valo und seine Bandmitglieder veröffentlichen ein Album, das nun, 18 Jahre später, als absolutes Meisterwerk bezeichnet werden darf/muss!

coverWenn der erste Track schon „I Love You (Prelude To Tragedy)“ heißt, weiß man so ungefähr, wohin die Fahrt geht. Es geht ins Innere, in den düsteren Bereich um die Herzgegend. Doch diese Stimme, dieses äußerst dunkle Farbspiel mit Melancholie und dann der Blick auf den eher schmächtig daherkommenden Frontmann, lassen schnell eine Brise Hoffnung aufkommen. Falsch gedacht. Oder doch nicht?

„Poison Girl“ und das völlig überspielte „Join Me (In Death)“ reißen einen stets zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt hin und her. Das soll sich auch auf der ganzen Platte nicht ändern. Wer jetzt „monoton!“ schreit, irrt gewaltig. Vom (mittlerweile) klassischen HIM-Rock-Sound, bis hin zu den tiefen Balladen und der tragischen Stimme Valos, deutet sich jeder Song als eigenständiges Highlight an.

„Gone With The Sin“ als Lagerfeuer-Gassenhauer (und durchaus als übertriebene Hommage an die große Liebe zu verstehen) winkt einen mit absoluter Sicherheit durch die wilden Meere des Herzschmerzkrams. Im Verlauf folgt ein paar Tracks weiter „Bury Me Deep Inside Your Heart“, der sich in so große Höhen der Liebe aufschwingt und dabei eine beachtlich zweifelsfreie Seite zeigt. Überraschenderweise stellt sich der Nachfolger „Heaven Tonight“ als noch aufbauendere Nummer, im fast schon Synthie-Pop-artigem Gewand, dahinter. Geht die Fahrt doch in Richtung Licht? Mitnichten.

„Death Is In Love With Us“ drängelt sich mit positiver Instrumentalisierung, aber zynisch urteilender Lyrik wieder in die Untiefen des Herzes. Am Ende steht passenderweise „One Last Time“. Mit choralem Gesang, Akustik Gitarre, Piano und einem leichten Streichersatz endet „Razorblade Romance“ in dem durchgängigen Stil zwischen der ganz großen Liebe und dem niemals enden wollendem Schmerz des Scheiterns.

HIM haben mittlerweile Ihre letzte Tour und die danach folgende Auflösung bekanntgegeben. Der vielleicht größte und beste finnische Musikexport beendet damit eine mehr als bewegende und erfolgreiche Karriere.

Love Metal.

Großes Foto oben: Joonas Brandt

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