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Annafrnknstn: Die Sehnsucht, Verbote zu brechen

Ein Interview von Laura van Tango.
 
Annafrnkstn ist eines dieser heißen Instagram Girls, die dir den Schlaf rauben. Gleichzeitig gehört die Berlinerin zu denen, die einiges zu sagen haben – zu Themen wie Veganismus und Feminismus zum Beispiel. Wir haben die tätowierte Schöne mit Mission zum Interview getroffen und sind jetzt ziemlich in love.
 
KinKats: Fangen wir mit den Short Cuts an. Dein Künstlername?
 
Annafrnknstn: Ich wünschte, ich wäre künstlerisch begabt, dann hätte ich wohl auch einen richtig coolen Künstlernamen.
 
KinKats: Dein Geburtsjahr? 
Annafrnknstn: 1995. 
 
KinKats: Erzähl uns was zu deinen Bodymods.
 
Annafrnknstn: Ich habe Piercings und Tattoos. Menschen befragen mich immer wieder zu meinem weißen Mond an der Schläfe, weil sie denken, es wäre ein Branding. Dafür wäre ich aber einfach zu schmerzempfindlich. Dieses Tattoo, wie auch viele weitere, hat Felix, mein Freund gestochen, und es ist eines seiner Werke, das am häufigsten kopiert wurden. Das ist für uns beide sehr frustrierend.
 
KinKats: Deine Website?
 
Annafrnknstn: Ich habe tatsächlich nur Instagram. Das sind genug Eindrücke für mich. Da heiße ich Annafrnknstn.
 
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Foto: Leonique Lacroix

KinKats: Wie geht es dir gerade jetzt?
 
Annafrnknstn: Ich sitze im Hotelzimmer in Reykjavik, heute Abend geht‘s zurück nach Berlin, nach Hause. Ich liebe es, andere Länder zu bereisen, der Großstadt zu entfliehen. Aber ich vermisse meinen Lieblingsmenschen und die Hunde schrecklich. 
KinKats: Beschreibe dich selbst in drei Worten.
 
Annafrnknstn: Klugscheißerin, direkt, harmoniebedürfti.g
 
KinKats: Was war dein erstes Tattoo bzw. dein erstes Piercing?
 
Annafrnknstn: Mein erstes Tattoo bekam ich, als ich gerade 17 geworden bin. Es ist ein Arschgeweih  ohne Geweih. Ein Portrait von Frankensteins Monster. Eine ziemlich blöde Stelle für das erste Tattoo, weil ich es eigentlich nie richtig sehe. Zudem ist es nicht besonders schön. Aber hey, wenigstens war es billig! 😀 Mein erstes Piercing habe ich mir nach meiner Jugendweihe stechen lassen. Das war ein Septum Piercing und damals noch uncool. An meiner Schule wurde ich als Bulle bezeichnet, bis ein oder zwei Jahre später jede*r sowas hatte. 
 
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Foto: Krousky
KinKats: Du stellst auf deinem Instagram Account neben einem unglaublich schönen Gesicht auch imposante Make-Up Skills zur Schau. Woher kommen die?
 
Annafrnknstn: Vorab – ich hasse YouTube Tutorials! Ich werde oft gefragt, ob ich meine Skills aus Tutorials habe, aber tatsächlich schminke ich mich einfach fast jeden Tag, seitdem ich ein Teenager bin. Irgendwann ist das einfach zur Routine geworden. Dazu muss ich sagen, dass ich mich eigentlich immer gleich oder zumindest nicht viel anders schminke. Und Make-Up bei Freund*innen geht gar nicht. 
 
KinKats: Kannst du uns einen Einblick in deine alltägliche Beauty-Routine geben?
 
Annafrnknstn: Wenn ich morgens viel Zeit habe, dann benutze ich so ungefähr jedes Lush Produkt aus dem Badezimmer 🙂 Dann kommt das Make-Up. Meine Haare vernachlässige ich meist. Selbst wenn ich imposante Frisuren kreieren könnte, hätte ich vermutlich nach all dem Make-Up Gedöns keinen Bock mehr darauf. Bevor ich das Haus verlasse, trage ich noch Lippenstift auf. 
 
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Foto: Leonique Lacroix
KinKats: Wie würdest du deinen Style beschreiben?
 
Annafrnknstn: Ich habe viele Jahre neben meiner Ausbildung im Textileinzelhandel gearbeitet. Hier habe ich ein ganz neues Bewusstsein für Mode erlangt und hatte unglaublich Spaß daran, meine Outfits zusammen zu stellen. Konsum war mein dritter Vorname. Seitdem ich mit den Doggos zusammen wohne, ist mir bewusst geworden, dass „gute“ Kleidung mit Hundehaaren und Löchern auch nicht mehr so „gut“ aussieht. Deswegen kleide ich mich eher praktisch und angesichts des Bezirkes, in dem ich wohne, auch gern mit politischen Statements. Meistens trage ich Netzstrumpfhose und ein T-Shirt von Felix. 
 
KinKats: Du lebst in Berlin. Was macht die Stadt und dein Leben hier für dich aus?
 
Annafrnknstn: Ich bin hierher gezogen, als ich 16 war. Meine Heimatstadt ist nicht weit von Berlin entfernt, und zusammen mit meinem besten Freund war ich damals jedes Wochenende hier. Angesichts der rechtsorientierten Heimatstadt war Berlin für mich die Stadt der Freidenker*innen und meine Möglichkeit, mich komplett zu entfalten, ohne Angst haben zu müssen, dass mich Neonazis nach Hause begleiten. Hier traf ich auf Menschen, die ähnlich denken wie ich, die mir Halt geben und mir das Taubheitsgefühl nehmen, wenn ich das Gefühl habe, dass alles scheiße ist und ich nichts ändern kann. Außerdem liebe ich die Anonymität, die man hier haben kann, wenn man will. Und die Diversität der Menschen. Und das Essen. Ach … das Essen. So viel eigentlich. Ich möchte in keiner anderen Stadt in Deutschland leben. 
 
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Foto: Krousky
KinKats: Du engagierst dich gegen Tierleid. Wie sieht dein Engagement aus und welche Tipps kannst du unseren Leser/innen geben, um es dir gleich zu tun?
 
Annafrnknstn: Mein Engagement diesbezüglich ist leider viel zu klein. Und was soll ich sagen … es gibt so viele Baustellen. Ich lebe vegan, das ist mein passiver Beitrag zum Tierschutz. Ich lese viel, gehe zu Vorträgen, rede viel. Also würde ich die Frage gern an die Leser*innen stellen. Einige Tipps, aktiv zu werden?
 
KinKats: Außerdem sprichst du dich gegen Sexismus und für Feminismus aus. Wo siehst du in unserer Gesellschaft die größten Hürden auf dem Weg zur Gleichberechtigung?
 
Annafrnknstn: Ich glaube, ein großes Problem ist, dass Feminismus ständig missverstanden wird. Früher galt es allgemein als wütend und haarig, heute als fancy Must-Have, das wenig Aussagekraft hat. Was sich nicht wirklich geändert hat: Feminismus wird immer noch hauptsächlich cis-Frauen und LGBIQA zugeschrieben. Das macht Sinn, denn sie sind die, die von patriarchalen sozialen Strukturen betroffen sind. Privilegierte Cis-Männer zum Beispiel erfahren nur schwer am eigenen Leib, was Diskriminierung bedeutet. Was wir also ganz dringend brauchen, ist Aufklärung. Ich wünsche mir, dass Menschen, die aus Erfahrung sprechen, zugehört wird. Dass ihnen Glauben geschenkt wird. Ich möchte, dass Menschen, die nicht selbst spüren, verstehen. Ich möchte, dass mehr Menschen, ja, dass alle Menschen Seite an Seite für Gleichberechtigung kämpfen. 
 
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Foto: Privat
KinKats: Dein Insta-Profil, Username und die Parole „Stay Creepy“, lassen auf eine Vorliebe für Düsteres, Unheimliches schließen. Wie äußert sich das und wie hat sich besagte Vorliebe entwickelt?
 
Annafrnknstn: Ich liebe alte Horrorfilme wie Nosferatu, Frankenstein, Tarantula usw. Im Gegensatz zu modernen Horrorfilmen sind diese meist weniger komplex und blutig. Mich fasziniert, wie mit meist sehr simplen Mitteln ein für mich sehr angenehmes Gefühl von Unbehagen projiziert wird. Der erste Horrorfilm, den ich gesehen habe war „The Ring“. Den habe ich irgendwann in der Grundschule heimlich mit meiner damaligen besten Freundin gesehen. Danach habe ich gefühlt ein Jahr nicht mehr geschlafen 😀 Die Sehnsucht nach Dunkelheit, danach, Verbote zu brechen, die Faszination für das Verschleierte, Melancholie –  das begleitet mich schon sehr lang.  
 
KinKats: Was war das für dich bedeutungsvollste Erlebnis der letzten fünf Jahre? 
 
Annafrnknstn: Puh, das ist schwer zu sagen … vermutlich das Kennenlernen meines Lieblingsmenschen. 
 
KinKats: Erzähl uns etwas über deine süßen Bulldoggen!
 
Annafrnknstn: Felix hat Terror mit in die Beziehung gebracht, und ich bemühe mich, in meiner Rolle als Stiefmutter dem Klischee nicht gerecht zu werden. Auch wenn er erstmal abnehmen musste und ich ihn eventuell manchmal zu zu langen Gassi-Runden zwinge, als ihm lieb wäre 🙂 Herman haben wir vor einigen Monaten aus dem Tierschutz zu uns geholt. Er musste in seiner Vergangenheit ziemlich viel Mist durchmachen und ist davon geprägt. Es ist nicht immer leicht mit ihm, aber ich habe beide sehr lieb. 
 
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Foto: Privat
KinKats: Wie sieht dein perfekter Tag aus?
 
Annafrnknstn: Ausschlafen, Hunderunde, Scrambled Tofu, Lasagne, Sex, Hunderunde, Kuchen, Burger, Sex, Hunderunde, schlafen. 
 
KinKats: Wer hat dir zuletzt ein Kompliment gemacht, und welches war das?
 
Annafrnknstn: „Ich liebe deinen kleinen, knackigen Arsch.“ Felix.
 
KinKats: Eine Message zum Abschluss? 
 
Annafrnknstn: 1312 
 
Großes Foto oben: Leonique Lacroix
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