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Timothy O’Sweebe: Alles, nur nicht statisch

Ein Interview von Mimi Erhardt.

Timothy O’Sweebe ist Fotograf. Seine Aufnahmen irischer Landschaften waren mir der beste Urlaubsersatz. Und seine Porträts zeigen Menschen, die du kennenlernen willst. Die anders sind, mit denen du dich betrinken und Quatsch machen magst. Mit Timothy O’Sweebe würde ich das auch gern machen – mich betrinken und dann Blödsinn anstellen. Bis wir das aber eines Tages schaffen, habe ich ihn zu seinen Foto interviewt.

KinKats: Herr O’Sweebe. Ist das dein echter Name oder ein Pseudonym? Und wenn es eins ist, warum hast du es gewählt? 

Timothy O’Sweebe: Das ist natürlich nicht mein echter Name. Schade eigentlich. Nachdem mich mein ehemaliger Chef im Internet „gefunden“ hatte – damals noch StudiVZ oder irgendein anderer Stuss – und es zeitgleich Freunden von mir ähnlich ging, haben wir uns kurzerhand zur Ver-irisch-ung unserer Namen entschlossen, um incognito unterwegs zu sein. Wir kreativen Teufelskerle. Und irgendwie ist es dann dabei geblieben. Atemberaubend spannende Geschichte, ich sag‘s dir. 

KinKats: Wer bist du, wie alt, woher kommst du, und warum sollte ich dir bei Insta folgen?

O’Sweebe: Timo, 32, Sozialarbeiter, mitten aus dem Ruhrpott. Wieso du mir bei Instagram folgen solltest? Gute Frage. Ich selbst finde mein Instagram nicht besonders verfolgenswert. Zu sehen gibt es alles Mögliche. Querbeet. Durcheinander. Privater Mist, Porträts und andere Shooting-Ergebnisse, Bilder aus meinen Urlauben, hippe Streetart, Bilder von Burgern. Keine/wenig Struktur, kein roter Faden. Viele trennen ja mittlerweile ihren privaten Kram vom Fotogedöhns, darauf verzichte ich (noch). Dafür nehme ich mich und meine Arbeiten nicht ernst genug. Wer farblich abgestimmte Feeds mag oder nur heiße Girls gucken möchte, folgt mir vielleicht besser nicht – wer mein kleines Chaos mag und sich vielleicht sogar damit identifizieren kann, der darf gern mal vorbei schauen und sich eingeladen fühlen, auch für länger zu bleiben. Manchmal ist es sogar voll spannend und aufregend bei mir, nicht oft, aber wenn dann… heidewitzka, ich kann kaum drüber sprechen.

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KinKats: Ich bin vor einiger Zeit über deine Fotos gestolpert und fand sie sofort extrem lässig, wie alte Freunde. Vielleicht, weil sie diese Art von Natürlichkeit ausstrahlen, die viele in sozialen Netzwerken vermissen. Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

O’Sweebe: Puh, schwierige Frage. Ich weiß nicht mal, ob ich überhaupt einen wirklichen Stil verfolge oder habe. Ist chaotisch ein Stil? Was ich sagen kann, ist, dass ich mich draußen wohler fühle als Indoor und Tageslicht lieber mag als Studiolicht. Daraus entwickelte sich eine Vorliebe für Street- und Casual-Kram. Um den Block schlendern und nebenbei Fotos entstehen lassen, daher vielleicht auch die Ausstrahlung, von der du sprichst. Ich brauche kein großes Posieren, keine High-Fashion, keine Theatralik. Außerdem bin ich ein absoluter Chaot und eher Improvisationskünstler, habe im Vorfeld selten bis nie ein Konzept und bin daher auch während meiner Shootings ziemlich flexibel. Ich zwänge niemandem einen Stil auf, richte mich grundsätzlich nach den Menschen vor der Kamera. Manchmal kommt es vor, dass ich zur jeweiligen Person eine Idee habe, die ich dann vorher anspreche – dann guckt man, was man daraus macht und wie man gemeinsam etwas erarbeitet. 

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KinKats: Du fotografierst offensichtlich gern Menschen, machst aber auch viel Travel Fotografie. Gibt es etwas, das du bevorzugst und wenn ja, warum? 

O’Sweebe: Ich habe früher ausschließlich meine Umwelt und Landschaften geknipst. Mit irgendwelchen 3MP-Digi-Cams, mit ausrangierten, mittelalterlichen Smartphones – ohne auch nur irgendeine Intention, einfach, weil ich‘s schön fand. Dann kam plötzlich die People Fotografie dazu, die mir seitdem einfach unglaublich Laune macht. Da ich (leider) mehr daheim bin als auf Reisen, gibt es auch mehr Menschen als Travelbilder zu sehen. Wobei ich im letzten Monat einen Roadtrip durch Irland gemacht und unglaublich viel fotografiert habe. Davon gibt es auch eine ganze Flut auf meinem Instagram. Trotz der fantastischen und mega abwechslungsreichen Landschaft konnte ich es jedoch nicht lassen und habe auch meinen Roadtrip-Buddy Fabian hier und da zu Portraits überredet.

KinKats: Was macht für dich ein gutes Model aus?

O’Sweebe: Ich glaube, am wichtigsten ist, dass sich die Person vor der Kamera in ihrem Körper, in den Klamotten, die sie trägt, allgemein und überhaupt wohl fühlt. Das ist mehr als die halbe Miete. Und „Bock auf Fotos“ muss sie haben, Enthusiasmus, Motivation. Ansonsten ist es ein Blick, eine bestimmte Ausstrahlung, die für mich dann ausschlaggebend ist. 

KinKats: Wann war ein Shooting für dich gut? Oder anders: wann genießt du ein Shooting und ab wann beginnt die Arbeit?

O’Sweebe: Wenn man von vornherein merkt, dass man auf einer Wellenlänge liegt. Wenn man direkt den Humor seines Gegenübers durchblickt und merkt, dass es passt. Klingt jetzt erstmal nach einem „ersten Date“, ist aber für mich tatsächlich auch beim Fotografieren so. Im Anschluss brauche ich immer „das eine Foto“, den ersten Knaller. Danach platzt ein Knoten, und das Ganze wird zum Selbstläufer. Manchmal ist es bereits ein Testbild, während ich eigentlich nur Lichteinstellungen teste – manchmal dauert es 20/30 Bilder. Ich bin da aber ganz entspannt. Am allerbesten ist es, wenn sich die Person vor und die hinter der Kamera sich kontinuierlich durchs Shooting antreiben, man sich gegenseitig motiviert, neue Ideen erarbeitet und ausprobiert – es darf einfach nicht statisch sein, finde ich.

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KinKats: Du hast für uns die Serie „Morning Tunes“ entwickelt, und ich feiere die Fotos jedes Mal sehr. Erklär nochmal die Idee dahinter.

O’Sweebe: Ich habe für mein erstes Shooting für KinKats sofort meine super gute Freundin Margarita gewinnen können. Mit ihr zusammen kam die Idee, einen Morgen am Wochenende darzustellen und dabei die passende Musik zu hören, die zu so einem Morgen gehört. Quasi einen Soundtrack für diese morgendlichen Stiatuation. Laute Klänge als Wecker, was Leichtes zum Wachwerden – vielleicht was mit Groove, um in Schwung zu kommen und dann einen Song um in den Tag zu starten, wie auch immer der aussehen mag. Kurzerhand haben wir uns bei ihr getroffen und die ersten Morning Tunes fabriziert – unkompliziert, locker, lässig. So mag ich‘s am liebsten.

KinKats: Brauchst du beim Shooten auch Musik?

O’Sweebe: Beim Bearbeiten läuft IMMER Musik, da habe ich eine extra dafür angelegte Playlist. Beim Shooten brauche ich sie nicht zwingend, ABER wenn welche da ist, ist‘s auf jeden Fall schöner. Ich glaube, alles ist irgendwie besser mit der passenden Musik dazu. Wow, das klingt jetzt echt mächtig cheesy. 

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KinKats: Hast du irgendwelche #goals als Fotograf, etwas, das dich unbedingt reizt?

O’Sweebe: Ich habe durch den ganzen Kram mega viele liebenswerte Menschen kennengelernt. Leute, von denen man lernen kann, mit denen man sich austauschen kann. Auch Freundschaften haben sich entwickelt. Man profitiert voneinander, hilft sich aus. Das ist klasse. Ansonsten hatte ich mir selbst mal als #goal gesetzt, Leute die mich selbst inspirieren – zumeist Musiker, deren Musik bei mir rauf und runter läuft beim Bearbeiten von Bildern – irgendwann, irgendwie zu portraitieren zu dürfen/können. Ein paar mal hatte ich bereits das Vergnügen/die Ehre, eventuell kommt dieses Jahr noch der ein oder andere dazu. 

KinKats: Any last words? 🙂

O’Sweebe: Ich bin echt ziemlich froh, dass es dieses komische Internet irgendwie geschafft hat, uns zueinander zu bringen und dass wir uns immer so schön gegenseitig virtuell den Bauch pinseln. Manchmal sind diese Medien halt doch wirklich Social. Ansonsten wünsche ich dir, den Kinkats, Mimi&Käthe und deinen Kolumnen die verdiente Aufmerksamkeit und hoffe, dass ich dir noch mit vielen Fotostrecken eine Freude bereiten kann.

Timothy O‘Sweebe auf Instagram

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