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Wednesday 13: Ein Monster geht seinen Weg 

Ein Interview von Rod Usher.

Das erste Interview des Tages kommt zu einer Zeit, zu der echte Ungeheuer noch in ihrem Sarg schlafen. Doch „Condolences“, das neue Werk von Vorzeige-Horror-Rocker Wednesday 13, will promotet werden, und so steht ein müder, aber plauderfreudiger Wednesday 13 gerne bereit, um die Fragen von KinKats zu beantworten. 

KinKats: Wednesday, du hast derzeit viel um die Ohren, gefühlt wird jeden Tag ein neues Video-Interview von deinem Label veröffentlicht, zusammen mit Videoclips und Tourdates etc.

Wednesday 13: In der Tat ist alles gerade sehr aufregend. Gleich habe ich einen Videodreh für unsere nächste Single, und gerade eben habe ich unsere Tourdates für November bekommen. Man wird uns auch sehr häufig in Deutschland sehen können.

KinKats: Du bist jetzt bei Nuclear Blast gelandet, die für deine Promotion scheinbar richtig Gas geben. Wie kam es dazu, nachdem du ja die letzten Scheiben selbst mit verschiedenen Vertrieben veröffentlicht hast?

Wednesday 13: Ich glaube, das war wirklich eine glückliche Fügung. Wir haben das Album im letzten Sommer aufgenommen und gehofft, damit einen Label-Deal zu bekommen. Als Erstes habe ich die Recordings dann an einen alten Bekannten geschickt, mit dem ich schon bei Murderdolls gearbeitet habe und der nun bei Nuclear Blast sitzt. Und so war der erste Labelkontakt auch direkt der Partner, mit dem wir jetzt arbeiten. Für mich ist das wie ein Neustart, nachdem ich jahrelang independent unterwegs war und eigentlich alles um die Band alleine stemmen musste. Aber auch das war eine tolle Zeit, die mir gezeigt hat, wie mich die Fans unterstützen, beispielsweise durch Crowdfunding. 

KinKats: Dein neues Album passt auch stilistisch gut zu Nuclear Blast, denn so heavy klang dein Sound noch nie. Wie siehst du diese Entwicklung selbst rückblickend?

Wednesday 13: Für mich selbst war das alles eine ganz natürliche Entwicklung, die ja sogar auf Murderdolls Einfluss hatte, wo das zweite Album auch deutlich härter als das erste war. Einzig meine Scheibe „Calling All Corpses“ klang wieder etwas punkrockiger, da ich gerade von der Murderdolls-Tour kam und etwas anderes machen wollte. Doch dann verfolgte ich den eingeschlagenen Weg weiter, was man ja an „The Dixie Dead“, „Monsters Of The Universe“ und jetzt „Condolences“ hören kann. Ich denke jedoch, dass wir trotz aller Heavyness unsere Anfänge nicht vernachlässigt haben und man das auch in einigen der neuen Songs hört.

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KinKats: Wie wird dieser Weg zu mehr Metal deine Fanschar oder deinen Erfolg verändern?

Wednesday 13: Ich weiß nicht, ob sich so viel ändern wird. Wenn du die Band in den letzten zwei Jahren gesehen hast, weißt du ungefähr, was dich erwartet. Aber solltest du seit den ersten zwei Scheiben nicht mehr bei einer Show gewesen sein, dann könnte das ein Schock werden. Wednesday 13 ist heute eine andere Band als früher. Und ich freue mich, wenn wir damit auch neue Leute erreichen. Ich sage immer, dass wir da draußen eine Millionen Fans haben, sie wissen es nur noch nicht.

KinKats: Zählen die Horror-Punk-Fans noch dazu?

Wednesday 13: Ich weiß nicht mal genau, was diese Beschreibung bedeutet. Ich lese das ständig in Reviews, aber habe mich nie so gesehen. Ich spiele einfach Horror Musik. Und jetzt ist es eher Horror Metal. Wir tun, was wir tun, es gibt keine Gesetze. Von Glam bis Black Metal können wir alles spielen.

KinKats: Wenn du Black Metal sagst, muss man auch euren neuen Outfit-Stil erwähnen, der von euren Fans gerade etwas kritisch gesehen wird.

Wednesday 13: Ja, sie ziehen Vergleiche zu Dimmu Borgir, Cradle Of Filth und all den Black Metal Bands, aufgrund unserer ersten Pressefotos und des Videos. Aber wir imitieren niemanden. Wenn es ähnlich aussieht, ist das ein absoluter Zufall. Ein Freund von uns schneidert die Klamotten in seinem Unternehmen, und alles bezieht sich eher auf Star Wars-, Comic – oder Hellraiser-Bösewichte, denn auf Black Metal Bands. 

KinKats: Zum Metal passt auch der polierte, moderne Sound, der fast Assoziationen zu Slipknot weckt. Wünschst du dir manchmal, dass du deine älteren Alben nochmal mit diesem Sound einspielen könntest?

Wednesday 13: Gerade hatte ich den Fall, dass ich mir „Monsters Of The Universe“ noch einmal angehört habe, um den Sound im direkten Vergleich zu erleben. Da fiel mir auf, dass „Condolences“ so viel heavier im Vergleich klingt. Und dann denke ich mir, wie wohl „Skeletons“ mit diesem Sound klingen würde. Aber eigentlich kennen und lieben die Fans die alten Alben ja genauso, wie sie sind, weil sie damit aufgewachsen sind. Das ist wie Twisted Sister mit „Stay Hungry“. Die Neueinspielung ist einfach nicht dasselbe. Daher lassen wir die Finger von solchen Experimenten.

KinKats: Du bist nicht nur Namensgeber, sondern auch Chef, Hauptsongwriter, Manager und einziges Originalmitglied bei Wednesday 13. Hast du Sorge, dass du mal von deinen Ex-Bandmitgliedern verklagt wirst, wie es gerade bei Ghost passiert?

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: Nein, es gab zwar früher mal rechtliche Schwierigkeiten zu Zeiten meiner ersten Band Frankenstein Draq Queens, aber das ist so viele Jahre her, und wir verstehen uns alle wieder gut. Bei Ghost ist das nochmal eine Ecke abgefahrener, weil die alle gleiche Masken tragen, und du kannst jeden Einzelnen austauschen, und man kann da vielleicht auch mal damit durcheinander kommen, wer was für die Band gemacht hat.

KinKats: Wäre eigentlich eine kleine Frankenstein-Draq-Queens-Reunion denkbar, jetzt, wo du dich recht weit von diesem Sound entfernt hast?

Wednesday 13: Nein, daran hab ich kein Interesse. Ein paar der Songs – „I Love To Say Fuck“ oder „Rambo“ – spiele ich ja auch heute noch live und kann bei Bedarf immer noch viele dazu packen. Es ist immer cool, altes Zeug zu spielen, aber diese Band liegt 20 Jahre zurück, und ich lebe in der Gegenwart.

KinKats: Joey Jordison hat kürzlich in einem Interview über die Möglichkeit gesprochen, die Murderdolls zu reanimieren. Wie findest du diese Idee?

Wednesday 13: Wir haben vor genau sechs Jahren unsere letzte gemeinsame Show gespielt und nicht mehr miteinander gesprochen. Jetzt überrascht er mich damit. Aber ich bin aufgeschlossen und kann mir das für die Zukunft vorstellen. Nur sicher nicht in diesem Jahr, da ich zu viel auf dem Tisch habe, höchstens ein paar Festivalshows im Sommer nächsten Jahres. Wir haben eigentlich eh fast nie mit den Murderdolls live gespielt, sodass es ein Spaß wäre, ein paar Einzelshows zu absolvieren und zu schauen, ob noch Interesse an der Band da ist. Joey und ich würden uns sicher wieder gut verstehen.

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