Miss Vincent 1

Miss Vincent – Somewhere Else: Die guten, dunklen Zeiten

Eine Review von Laura Van Tango.

Wisst ihr noch, als damals „From Here To Infirmary“ erschien und Alkaline Trio ihren Brand von sonnigem Pop-Punk und düsteren Kellersatanisten-Themen manifestierten? Die Haare zu Zöpfchen gebunden, auf dem angeknacksten Skateboard die Seitenstraßen runterrollen und dabei „I took a hammer and two nails to my eardrums long ago/ before that steak knife took my eyes/ I looked up to the sky…” trällern? Gute Zeiten. Und so richtig kam niemand wieder an dieses Gefühl ran. Dieses zynische, aber aufrichtige Lachen im Angesicht all der großen und kleinen Dinge, die unerbittlich schief laufen. 

Dann sind da Miss Vincent mit ihrer neuen EP „Somewhere Else“ (richtig, „The stars at night are big and bright”). Die kommen nicht aus Chicago, sondern aus Southhampton/UK und mischen, nach eigenen Angaben, das Beste, was (Pop)Punk innerhalb der letzten 20 Jahre zu bieten hatte. Offensichtlich ist da neben dem Trio auch Bayside, doch im Bemühen um größere Authentizität der neuen EP flossen auch Elemente von Against Me und The Gaslight Anthem ein. 

Dieses Bemühen wird bis in die Produktion weiterverfolgt. „Wir wollten aufwühlenden, ehrlichen Punkrock kreieren, der sich echt anfühlt”, sagt Alex Marshall, Sänger und Gitarrist bei Miss Vincent. „Wir wollten so viel Raues und Knarzendes behalten wie wir konnten, es aber trotzdem gewaltig klingen lassen. So viel aktuelle Platten sind bis auf den letzten Zentimeter produziert, mit Gitarrenstimmen, die niemals live gespielt werden und Gesangsspur über Gesangsspur über Gesangsspur und sogar Drumcomputern. Für mich nimmt das so viel der rohen Emotionen weg.”

Aufwühlenden, ehrlichen Punkrock kreieren – das gelingt Miss Vincent überzeugend gut. Die elegant konstruierten Melodien, Alex‘ mal wütende, mal sich verzweifelt überschlagene Stimme und die unablässig düster-drohenden Bassläufe wohnen auf einem rumpelnden Punkteppich. Der „grit and crackle“ ist dabei, was den Sound so wunderschön nostalgisch werden lässt. Wer nochmal kurz zurück nach 2001 will, der startet mit Track Nummer 3 der EP, „Lost And Forgotten“. Wer bewundern will, was die Jungs da zwischen all ihren Einflüssen an Eigenständigkeit beweisen, der beginnt „Somewhere Else“ einfach chronologisch. 

Miss Vincent

Am 19. Mai 2017 erschien die EP „Somewhere Else“ digital sowie auf transparent-blauem Vinyl (limitiert auf 250 Stück weltweit, inkl. Download-Code) via Uncle M.

Ein umfangreiches Track-By-Track der Band zur EP findet ihr hier.
Hier geht‘s zum Album-Stream auf Spotify.

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