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Glenn Danzig: Ist nach Album Nr. 10 alles aus?

Ein Interview von Rod Usher.

„Black Laden Crown“ nennt sich das neuste Werk von Glenn Danzig und seinen Mannen, das mitten im Hype um die Misfits-Reunion erscheint. Sieben Jahre nach dem bei Fans begeistert aufgenommenen Vorgänger „Deth Red Sabaoth“ gibt es nun endlich neue Songs des Düsterrockers. Sind es seine letzten? The Other Sänger Rod Usher befragte Danzig für KinKats zu Gerüchten und Fakten.

KinKats: Glenn, du arbeitest schon seit einiger Zeit – mit vielen Unterbrechungen – an „Black Laden Crown“. Jetzt erscheint dein zehntes Werk endlich, und man fragt sich, was dich so lang aufgehalten hat …

Glenn Danzig: So mache ich meine Scheiben mittlerweile eben. Wenn ich eine Idee habe, gehe ich ins Studio und nehme sie auf. Dafür arbeite ich mit dem Musiker, der gerade Zeit hat. Natürlich ist Tommy (Victor – Gitarre, Anm. d. Red.)  eigentlich immer dabei. Beim Schlagzeuger aber suche ich einfach einen guten Mann aus, der frei ist. Mein langjähriger Drummer Johnny Kelly hat einige Tracks eingespielt, mein früherer Schlagzeuger Joey Castillo war ebenfalls bei Stücken dabei, und auch Dirk Verbeuren von Soilwork hat ein bisschen getrommelt. Bei den übrigens Songs habe ich selbst gespielt. Alles übrigens in den EastWest Studios in Hollywood, wo ich auch damals viel mit Rick Rubin gearbeitet habe.

KinKats: Dein neues Album ist sehr düster, mit Doom-Einflüssen und einem gewissen Vibe, der an deine alte Band Samhain erinnert.

Danzig: Ja, es ist ein hartes Album. Aber ich danke über Vergleiche nicht nach. Die Gemeinsamkeiten kommen einfach daher, dass ich eben der Typ bin, der all diese Sachen geschrieben hat. Es ist also kein Zufall, dass mein neues Album auch nach früheren Scheiben klingt. Wenn ich aber ins Studio gehe, dann bekommt der Song ein ganz eigenes Leben. Ich höre ihn schon im Geiste so, wie er fertig ist, aber niemand sonst tut das. Und manchmal kommt dann erst später die Erkenntnis, beispielsweise von Johnny, der sagte: „Ach, jetzt verstehe ich, warum ich das so spielen sollte.“ 

Danzig2KinKats: Ein Song wie „Devil On Highway 9“ erinnert thematisch an den Horrorfilm „Der Teufel auf Rädern“ von 1977. Ist das bezeichnend für die Inspiration für diesen und andere Songs?

Danzig: Nein, das Stück hat nichts mit dem Film zu tun. Aber ich mag es, wenn jeder Hörer meine Texte individuell interpretieren kann, so dass sie für sie persönlich werden und jeder etwas anderes daraus mitnimmt. Ich tue, was ich möchte, aber andere Leute finden sich darin wieder. Das ist doch toll. 

KinKats: Du sollst auch an einem Soundtrack-Album zur Serie „The Walking Dead“ beteiligt sein, hieß es mal…

Danzig: Der betreffende Song ist auf meinem neuen Album und heißt „Last Ride“. Ich glaube, diese Soundtrack-Scheibe erscheint nicht mehr. Es waren noch andere bekanntes Bands beteiligt, Soundgarden zum Beispiel, aber irgendwie erschien die Platte nie. Der Song funktioniert aber auch so gut, er dreht sich ja nicht nur um die Serie, sondern eher um das Thema. Aber wer weiß, vielleicht gibt es trotzdem Zombies im Video, falls ich eines dazu drehe.

KinKats: Simon Bisley hat für dich ein weiteres Mal zum Stift gegriffen und dein Albumcover gestaltet. Wie spiegelt sich der Titel in seinem Artwork wieder?

Danzig: Es sind Elemente aus dem Song „Black Laden Crown“ auf dem Cover und Backcover zu finden. Er hat in den letzten 25 Jahren schon sehr häufig für mich gearbeitet, zuletzt für das Artwork der „Devil’s Angels 7“. Erstmals übrigens für das Cover von „Thrall“. Zu der Zeit haben wir gerade das „Mother 93“ Video auf unserer Tour gedreht. Wir fuhren zwischendurch zu seinem Haus, hingen bei ihm rum und spielten mit seinen verrückten, kleinen Katzen. So lange kennen wir uns schon.

KinKats: Es gibt Gerüchte, dass dieses Album dein letztes Werk mit neuen, originalen Songs sein wird. Stimmt das?

Danzig: Wir werden sehen. Ich möchte das allerdings nicht ausschließen.

Danzig3KinKats: Zu den Gerüchten passt, dass du ja noch dein „Danzig Sings Elvis“ Album in petto hast, auf dem du Songs des Kings coverst.

Danzig: Ja, es ist fertig und wird 2018 erscheinen. Ich habe viel mehr Songs aufgenommen, als ich eigentlich wollte. Immer wenn wir etwas Zeit hatten, bin ich mit Tommy ins Studio gefahren und wir haben neue Stücke eingespielt. Da kam eine stattliche Anzahl zusammen. Und ich habe immer noch nicht genug von Elvis.

KinKats: Von den Misfits scheinbar doch, denn mehr als die zwei gefeierten Reunion-Shows auf den 2016er „Riot Fest“-Veranstaltungen in den USA scheinen für dich nicht in Frage zu kommen. Oder führt euch der Weg doch noch einmal zusammen und nach Europa?

Danzig: Ich weiß es nicht. Da haben die Fans viel mitzuentscheiden, die Promoter müssen Angebote machen, und wir dürfen dabei kein Geld verlieren. In diesem Sommer sind wir jedenfalls nicht auf den Festivals in Europa. Generell bin ich froh, dass wir die Reunion jetzt durchgezogen haben. Jerry und ich haben viele rechtliche Streitigkeiten geklärt und wollten nicht zu lange warten, bis wir wieder zusammen auf der Bühne stehen. Ich will ja die Songs meiner Jugend nicht als steinalter Mann performen. Ich bin jetzt noch gut in Form, da geht das. Und es war einfach der Wahnsinn.

KinKats: Wie hat es sich angefühlt, mit Jerry und Doyle auf der Bühne zu stehen?

Danzig: Mit Doyle habe ich ja auf meinen „Legacy“-Shows oft ein Misfits Set gespielt, daher war es jetzt auch nicht viel anders. Aber anderen hat es gezeigt, dass die Legende echt ist und die Misfits einen riesigen Einfluss hatten. Es waren Menschen aus der ganzen Welt da, die ihre Flaggen hochhielten. Unglaublich. Wir haben die Shows mit fünf Kameras aufgenommen und schauen uns an, wie der erste Schnitt aussieht. Dann veröffentlichen wir die Aufnahmen möglicherweise.

KinKats: Jerry hat ein neues Misfits-Album ins Spiel gebracht…

Danzig: Ich weiß nicht einmal, ob wir überhaupt noch weitere Misfits-Shows spielen. Ich habe mein neues Album, mein „Blackest Of The Black“-Festival in den USA, mein Comic-Label „Verotik“ soll sich mehr in Richtung Film entwickeln, und gerade arbeite ich an einem Videoclip. All das dauert seine Zeit und hat Priorität.

KinKats: Eine Misfits-Reunion schien bisher indiskutabel für dich, nun ist sie bereits erfolgt. Wie stehen die Chancen, dass du dich wieder mit Eerie Von, John Christ und Chuck Buscuits zusammen tust, dem Line-Up auf deinen ersten vier Danzig-Alben?

Danzig: Keine Chance. Warum sollte ich das tun?

„Black Laden Crown“ erscheint am 26. Mai bei AFM Records.

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