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Faire/vegane Kleidung für die neue Szene: BASTIBASTI Apparel

Ein Interview von Sinah Raglewski.

Morbide Gestalten, versteckte Skelette, so gut, dass jeder zweite Blick eine Herausforderung ist. Muster, neu erfunden, fließende und neue Schnitte zu ausgewählten Stoffen. Schwarz-Weiß, leicht beige, Farben, die keine sind, wärmer, Schlamm- und Moostöne, Nichtfarben, einfache Symbole, ohne zu langweilen. Das ist BASTIBASTI Apparel. Ein Fairtrade/veganes Label aus Düsseldorf.

Neben ausgewählten Fashion-Stücken gibt es auch Prints und Pins. Basti, eigentlich Bastian Sobtzick, Sänger der Metalcore Band Callejon, designt die Kunstwerke unter anderem auf Leinwand, macht CD-Artworks (unter anderem für Caliban) oder fertigt Bühnen-Accesoires, zum Beispiel das Blitzkreuz für Callejon. Seit einiger Zeit kann man seine Werke auch auf der Haut tragen. Neben klassischer urbaner Streetwear wie T-Shirts, Joggingpants, Tops und Beuteln, gibt es gerade für die Mädels verspielte und trotzdem minimalistisch kühle Designs, die, sich dank Modedesignerin und Bastis Freundin Amelie Scheibling vom überlaufenden alternativen Modemarkt unterscheiden. Amelie ist die Schnittdesignerin hinter BASTIBASTI Apparel.

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Amelie und Basti sind BASTIBASTI Apparel

Motive, Schnittmuster und vor allem die Auswahl der Farben machen das Gesamtwerk aus, mit dem BASTIBASTI Apparel den Zahn der Zeit treffen. Models vor Beton, einfache, stilvolle Akzente, bleiche, ausdrucksstarke, fast müde Gesichter in Kleidung, nach der die neue alternative Szene verlangt. Kleidung, die genauso nachhaltig wie stilvoll ist.

Ich habe Basti und Amelie von BASTIBASTI Apparel sieben Fragen über Tierschutz, Menschenrechte und das, was ihr Label ausmacht, gestellt.

KinKats: Frage 1. Viele Streetwear-Labels achten teilweise wenig bis gar nicht auf faire Kleidung. Warum ist euch Fairtrade/vegan für euer Label so wichtig? 

Basti: Da wir beide seit einigen Jahren vegan leben, ist es für uns quasi selbstverständlich, auf eine vegane Produktion zu setzen. Vegansein hört nicht beim Essen auf, und daher stand für uns von vornherein fest, dass unsere Kleidung tierleidfrei sein muss. Zusätzlich ist es uns nicht egal, ob unsere Kleidung von Kindern oder in menschenausbeutenden Sweatshops hergestellt wird. Das ist wohl mit die ekelerregendste Seite im Modebusiness. Uns geht es vor allem um die Message, dass es auch anders geht – und wir neben unserem Hauptanliegen, geile Streetwear zu entwickeln, in jedem Falle darauf aufmerksam machen wollen, um das Bewusstsein der Leute zu schärfen. Genau das ist ja auch das Problem: Es wird zu wenig aufgeklärt, wo die Kleidung wirklich herkommt, wie sie hergestellt wird, und was es wirklich bedeutet, wenn ein T-Shirt nur ein paar Euro kostet. 

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KinKats: Frage 2. Vegane Ernährung, Lebensweise, Lifestyle und Aktivismus spiegeln verschiedene Einstellungen zum sensiblen Thema Tierschutz. In welchem Maß spielt Vegansein in eurem Leben eine Rolle? 

Amelie: Vegan zu leben ist mehr, als eine Art, sich zu ernähren oder zu kleiden. Es ist vielmehr eine Geisteshaltung, die dein ganzes Leben bestimmt. Es ist natürlich schwierig und zeitaufwändig, perfekt auf alles zu achten, aber im Grunde geht es immer um eine tiefe Einstellung. Wir denken, dass dieser Kerngedanke das Allerwichtigste ist. Wir sind nicht perfekt, werden es wahrscheinlich niemals sein, und es ist natürlich auch nicht unser Ziel. Der Drang und der Wille, etwas zu verändern, sind alles, was zählt. 

KinKats: Frage 3. Wie kam die Idee zu BASTIBASTI Apparel? 

Basti: Mein Künstlername ist ja seit einigen Jahren BastiBasti, und ich startete vor etwas mehr als einem Jahr meine Kunst, abseits von Musik, auf Shirts zu drucken und zu verkaufen. Das war im Grunde der Startschuss von BASTIBASTI, obwohl es eher noch eine Art Blog, als eine Streetwear Marke war. Da Amelie Modedesignerin ist und sowohl in der Schnittentwicklung als auch im direkten Markt zu Hause ist, taten wir uns zusammen und hievten BASTIBASTI auf ein neues Level, hängten Apparel an und voilà: Das Streetwear Label war geboren. Nichtsdestotrotz planten wir aber schon seit Jahren, gemeinsam ein Modelabel aufzubauen. 

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KinKats: Frage 4. Wie könnt ihr nachhalten, wo und wie eure Kleidung gefertigt wird? Und wie wichtig ist es euch, hinter die Kulissen schauen zu können? 

Basti: Es ist für uns sehr wichtig. Wir haken stets bei den Produzenten nach und überzeugen uns auch vor Ort, sowohl von der Qualität der Kollektion als auch von den Arbeitsbedingungen et cetera. Derzeit lassen wir den Großteil unserer Kleidung in Portugal unter hohen europäischen Arbeitsstandards herstellen. Unsere Taschen werden in Indien hergestellt, und hier möchten wir auf ein ganz tolles Projekt aufmerksam machen: Die Firma FREESET gibt Frauen aus Kalkutta, die aus Gründen der Armut und Menschenhandel ehemals in die Prostitution getrieben wurden und somit für immer gesellschaftlich geächtet sind, die Chance auf einen selbstbestimmten und freien Job in der Textilproduktion. Hier lernen die Frauen nicht nur das Handwerk der Näherin, ganz egal, ob sie hierfür ein Talent besitzen oder nicht, sondern auch wichtige Grundkenntnisse wie Lesen und Schreiben. Neben einer fairen Bezahlung erhalten sie auch eine Kranken- und Rentenversicherung. Das von der WFTO, der World Fair Trade Organisation, zertifizierte Projekt beweist, dass eine faire Produktion mit gutem Willen auch oder sogar vor allem in diesen Ländern möglich ist, und wir freuen uns, hier einen kleinen Beitrag leisten zu können. 

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KinKats: Frage 5. Wer oder was inspiriert euch zu Motiven, Farben und Schnittmustern?

Amelie: Wir lassen uns von allem möglichen inspirieren, es gibt eigentlich nichts, was uns wirklich kalt lässt – das geht von Filmen über Bücher und Musik, Geräuschen, Farben, Gerüchen, Stimmungen, bis hin zum einfachen Gespräch. Alles kann im „richtigen“ Moment irgendetwas auslösen und der Grundstein einer neuen Idee sein. 

KinKats: Frage 6. Was, glaubt ihr selbst, unterscheidet euch von anderen Streetwear Labels? 

Amelie: Dass wir wir sind. Wir halten uns nicht an irgendwelche Regeln, sondern gestalten eben alles so, dass es unseren Vorstellungen entspricht. Ob das jetzt etwas Besonderes oder Normales ist, sei einmal dahin gestellt. 

KinKats: Und zuletzt Frage 7. Wenn ihr etwas in der Mode-Szene verändern könntet, was wäre das? 

Basti: In der Industrie: Klare Verbote für Echtleder, Pelze und tierische Inhaltsstoffe jeglicher Art und faire Löhne. Bei den Konsumenten, weil sie den Markt bestimmen: Die Abkehr von der „Fastfood Kleidung“- und Wegwerf-Mentalität, die Primark und Co. etabliert haben. Für die Szene: Da kann jeder machen, was er will. Seid bunt, seid wild, seid ihr! 

Hier geht‘s zum Shop von BASTIBASTI Apparel!

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