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Can von We Butter The Bread With Butter: „Alles frei erfunden“

Eine Review und ein Interview von Sinah Raglewski.

Die neue Single der Berliner Jungs We Butter The Bread With Butter heißt „Klicks. Likes. Fame. Geil!“ und bewegt sich irgendwo zwischen Kritik und Selbstironie – in dem Song geht es um die Gier nach Internet-Fame. Ob aber nun der Wunsch der 16- bis 30-Jährigen kritisiert wird, durch die eigene bloße Existenz berühmt zu werden oder die Tradition, für einen noch extremeren Bekanntheitsgrad die Hüllen fallen zu lassen, dürft ihr selbst entscheiden:

„Eine Mille Likes, weil ich mein Leben mit euch teil
Zwei Mille Likes, und ich zieh mich für euch aus
Drei Mille Likes, und ich mach‘s mir mit der Faust.“

Das ein oder andere Ego wird durch die deutliche Kritik an Like-Sucht und Selbstdarstellungswahn schon angekratzt werden. Vielleicht ist es aber auch nur dein Social Media Alter Ego, das leise flüstert: „Vielleicht hättest du doch die Hose anlassen sollen …“ Fakt ist, wer hinter dem, was er tut, steht oder gerne nackt ist, soll das machen. Aber seine Seele für imaginären Fame zu verkaufen, ist es nicht wert. Doch wer weiß, vielleicht ist der am 20. Januar erschienene Song nicht nur selbstkritisch und selbstironisch, sondern einfach Mittel zum Zweck:

„Wir sind wieder da, besser als es jemals war
Euer Neuer YoutubeStar
1000 Klicks, hurra hurra!“

Im Video wird dazu fleißig im selbst gebastelten Youtube-Rahmen auf den Like-Button gedrückt, Dino-Kostüme machen die Abgrenzung zum Thema perfekt. Mit provokantem Inhalt und einer klaren Abneigung gegen unsere Fame-Gesellschaft distanzieren sich WBTWB, die unter anderem schon mit Metalcore-Größen wie Callejon und A Day To Remember auf Tour und Vorband von Eskimo Callboy waren, von einer Welt, nach deren Regeln Bands heute eigentlich spielen müssen: Wo früher CD-Verkäufe für sich sprachen, sind es heute Likes, die wir erschleichen, erschlafen oder auch kaufen können.

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Foto: Jana Braumüller

Vielleicht ist es genau das, was We Butter The Bread With Butter seit zehn Jahren so authentisch macht: Sie machen aus Ansagen, die niemand hören mag, Musik, die man hören will.

Ich habe Can Özgünsür, der seit 2010 Schlagzeuger der Band ist, sieben Fragen gestellt. Hier sind seine Antworten.

KinKats: Man mag vermuten, dass euer neuer Song „Klicks. Likes. Fame. Geil!“’ ziemlich gesellschafftskritisch ist. Wie wichtig sind dir selbst Likes und Fame auf Instagram und Co.?

Can Özgünsür: Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, ob der Song gesellschaftskritisch sein soll, weil ich unsere Texte eigentlich nie hinterfrage. Da wissen die anderen bestimmt mehr. Ist halt einfach ein Text, wo Reime und Flow manchmal wichtiger sind als Inhalt. Wir als Band machen ja teilweise genau das, von dem wir da erzählen. Das muss eine Band, die nur durchs Internet bekannt wurde, auch zwangsweise tun. Vielleicht ist es also auch nur eine Kritik an uns selbst, wer weiß, wer weiß. Mir privat ist es mittlerweile total egal, wie viele Leute etwas erreicht oder wie viele mir folgen. Natürlich freut man sich, wenn vielen etwas gefällt. Trotzdem freue ich mich eigentlich mehr darüber, wenn unter 1000 Likes drei gute Freunde dabei sind, als wenn es 1000 Leuten gefällt, die ich nicht kenne. Also scheint es mir wohl nicht wichtig zu sein. Als Band denkt man da anders. Da geht’s mehr oder weniger um ein Geschäft und eine Firma, die Geld braucht, um weiter machen zu können, ist ja logisch. Leidenschaft hin oder her.

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WBTBWB-Drummer Can. Foto: Jana Braumüller

KinKats: Wie definierst du Fame, gerade im Bezug darauf, dass einige „Nobodys“ auf Instagram mehr Follower haben als Bands, die schon lange ein fester Bestandteil der Szene sind?

Can: Der Fame im Internet hat ja nichts zu sagen. Nur, weil wir zum Beispiel 300k Facebook Likes haben, sind wir nicht bekannter als eine Band mit 50k Likes. Dazwischen können Welten liegen, auch was Gagen angeht, aber das ist ja auch nichts Neues. Am meisten Fame im Internet bekommt halt der, der am meisten unterhalten kann und am meisten Content in regelmäßigen Abständen liefert. Darauf kann man sich verlassen und freut sich auf den nächsten Stoff, wie bei einer Serie. Das machen die Cyberstars sehr gut. Wenn man das sehen mag, warum denn nicht? Ihre große Reichweite nutzen Firmen natürlich, um ihre Produkte unters Volk zu jubeln. Und der Cyberstar bekommt dadurch nette Dinge umsonst oder Geld, weiß ja jeder. So einem Internetstar zu folgen, ist auch persönlicher als das bei ‘ner Band der Fall ist. Eine Band ist etwas, das man bewundert und cool findet, aber ein Internetstar ist dein Fernseher und deine beste Freundin gleichzeitig, und naja, du liebst ja Unterhaltung, damit die Zeit schnell und kurzweilig vergeht. Außerdem kann man sich mit Internetstars besser identifizieren, weil sie viel mehr von ihrem normalen Leben preisgeben. Dann kannst du sein wie sie. Sie müssen nicht magisch und geil wirken wie ‘ne Band, die viele Tickets und Alben verkaufen muss. Sie sind eben wie ein Kumpel. Du musst nichts kaufen, nur folgen und unterhalten werden. Ist doch viel praktischer, als sich extra mit ‘nem Freund zu treffen. So muss man wenigstens nicht reden. Bands, die sich ihren Fame quasi auf der Straße erspielt und verdient haben und nicht auf Social Media angewiesen sind, sind eh die mit den geringsten Sorgen. Bei denen läuft’s auch ohne Datenvolumen.

KinKats: Gibt es Personen, die du selbst im positiven Sinne als Fame bezeichnen würdest?

Can: Das klingt so, als sei Fame was Schlechtes. Wenn jemand damit umgehen kann, ist das doch cool. Und wenn jemand nicht damit umgehen kann, ist es lustig und sorgt für Schlagzeilen. Naja, alle Bands, die ich mag und cool finde, sollen ruhig so berühmt sein wie Justin Bieber. Ist doch besser, als wenn sie irgendwann aufhören müssen, weil sie sich nicht über Wasser halten können. Ich höre oft, dass Leute nicht wollen, dass jemand berühmt wird, weil er ihre Entdeckung ist, aber was bringt das dem Künstler? Ich weiß nicht, ob er sich so ‘ne Fans wünscht.

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Foto: Benjamin Pohle

KinKats: Glaubst du, dass euer Song Personen anspricht, die sich davon angegriffen fühlen könnten?

Can: Ich glaube, das ist so albern, da fühlt sich niemand angegriffen. Wir wollten auch niemand bestimmten nachmachen. Alles frei erfunden, so wie all unsere super innovativen Texte. Bibi fühlt sich vielleicht angegriffen, weil unser Sänger in einer Szene so tut, als würde er sich schminken. Falls sie das tut, dann tut uns das leid. Jeder, der sich gerne schminkt, darf sich natürlich weiterhin schminken. Ich kann übrigens auch super schminken. Hab ich gelernt, auch wenn Männer nichts für mich sind.

KinKats: Inwieweit siehst du dich als Musiker in der Verantwortung, hinter den Messages in euren Songs zu stehen?

Can: Unsere Texte sind immer so harmlos und frei von ernsten Messages gewesen, da kam ich noch nie in die Situation, drüber nachzudenken, ob das jetzt meine Ansichten widerspiegelt. Mir ist das also ziemlich egal. Ich lege mehr Wert auf die Musik und dass es irgendwie ins Ohr geht. Ich würde auch eigentlich viel mehr auf die Kacke hauen, aber ich glaube, den anderen Jungs ist das oft zu viel, was ich so für Texte von mir lassen würde. Sie denken wohl ein bisschen mehr nach als ich.

KinKats: Du gehst privat einer „gediegenen“ Ausbildung nach. Ist es schwierig, zwischen Musiker-Dasein, Backstage, Bühne, Tourbus-Leben und dem ganz normalen Alltag zu pendeln?

Can: Ja richtig, ich bin jetzt auch ausgelernter Friseur bei Papa im Salon. Dachte, dass ich das einfach mal mache, da ich die Ausbildung auf zwei Jahre verkürzen konnte. Wir spielen eh nicht mehr so ewig lange Touren über zwölf Wochen wie früher, weil jeder jetzt auch was anderes nebenbei macht. Natürlich ist das ein bisschen seltsam, wenn man am Abend vorher auf einem großen Festival gespielt hat und quasi alles geschenkt bekommt und am nächsten Tag für die gleiche Cola im Supermarkt auf einmal Geld zahlen muss. Das vergisst man manchmal, dass so was ja eigentlich Geld kostet. Auch, wenn man nach sechs Wochen USA-Tour aus dem Tourbus mit anderen Menschen in die S-Bahn steigt und man auf einmal nicht mehr wert ist als sie, wird einem bewusst, wie albern der ganze Zirkus um Fame und sowas eigentlich ist. Man fühlt sich auf Tour immer wie ein Baby. Der ganze Tag ist fest geregelt mit Zeiten und Essen, bla bla. Alles wird für einen geregelt und gemacht, und die Zeit vergeht extrem schnell, weil jeden Tag Dasselbe passiert und es reine Routine und viel Warten ist. Im normalen Leben vermisst man diese Zeiten dann natürlich, mit seinen Jungs auf der Straße zu sein und Rock-Shows zu spielen, frei von allen Sorgen, die man als Mensch hat.

KinKats: Zuletzt, warum Dinos?

Can: War die Idee von Marci. Gab’s noch nicht und war ja auch ein Internet-Trend, deshalb haben wir das einfach mal gemacht. Wir haben es ja irgendwie mit Tieren.

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Großes Foto oben: Jana Braumüller

© DAVID SONNTAG
Foto: © David Sonntag
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