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Ralf Rocksau: Sexy Trash und starke Posen

Ein Interview von Mimi Erhardt.

Ralf Rocksau ist 32, seit neun Jahren Wahl-Leipziger, und wenn du auf explizite Fotokunst stehst, bist du seinen Bildern garantiert schon mal irgendwo begegnet. Seit inzwischen zehn Jahren fotografiert der gebürtige Karlsruher schon die aufregendsten Frauen – Zeit, sich den Mann zum Interview zu schnappen!

KinKats: Deine Fotos sind sehr sexy, zum Teil recht explizit. Welche Rolle spielt Sexualität bei deinen Arbeiten?

Ralf Rocksau: Im Großen und Ganzen würde ich schon sagen, dass Sexualität eine große Rolle bei meinen Bildern spielt. Nicht unbedingt zwangsläufig, da ich auch sehr gerne Streetfashion oder andere Sachen shoote. Aber was gibt es denn für ein schöneres Motiv, als einen tollen, nackten, weiblichen Körper? Dass es dabei dann auch mal etwas expliziter zugeht, liegt daran, dass ich und auch viele meiner Modelle gerne Grenzen austesten, das heißt, auf dem schmalen Grad zwischen erotischer Kunst und Pornographie wandern.

KinKats: Nach welchen Kriterien suchst du deine Models aus? Und: Was macht für dich ein gutes Model aus?

Ralf Rocksau: Bei meinen freien Arbeiten suche ich mir die Models eigentlich nur nach einem Kriterium aus – ihrer Ausstrahlung. Dabei ist es mir persönlich erstmal egal, wie groß oder klein, wie dick oder dünn die Person ist, was für eine Haarfarbe sie hat, ob sie komplett tätowiert ist oder nicht. Denn sind wir doch mal ehrlich: Ein Model kann noch so schön sein, wenn sie keine Ausstrahlung besitzt, werden die Bilder automatisch langweilig. Das ist für mich das, was ein gutes Model ausmacht. Außerdem muss ein gutes Model in gewisser Art und Weise in der Lage sein, seinen Kopf beim Shooten auszuschalten und einfach zu machen. Wenn ich mich als Model während des Shootings ständig frage: „Wie sieht das jetzt wohl aus?“, dann hindert mich das am freien Posing. Bei einem Shooting darf ruhig auch mal eine Pose doof aussehen. Gerade die Models, mit denen ich am liebsten shoote, zeigen während des Shootings manchmal echt Posen, bei denen wir uns dann später bei der Betrachtung der Bilder fragen: Was war denn da los? Aber die Bilder sieht ja dann in der Regel auch niemand. XD Dafür kommen umgekehrt eben auch mal Posen raus, die man sich so als Fotograf gar nicht sich ausdenken oder sie erklären und erst recht nicht vormachen könnte.

KinKats: Wie läuft so ein Shooting mit dir ab? Ich frage, weil die Aufnahmen oft sehr intim wirken, als hätten Model und Fotograf eine Beziehung.

Ralf Rocksau: Eigentlich gibt es kein bestimmtes Schema, nach dem ein Shooting bei mir abläuft. Jedes Shooting ist irgendwie anders, irgendwie individuell. Daher ist es mir wichtig, dass, egal bei welchem Shooting, immer Platz für Spontaneität bleibt. Außerdem versuche ich dabei immer, ich selbst zu sein, aber dennoch voll und ganz auf den Charakter beziehungsweise die aktuelle Stimmung des Models einzugehen.

Vipers Doll (2)

KinKats: Würdest du sagen, dass Models mit dir als Fotograf mehr wagen als mit anderen?

Ralf Rocksau: Da man mich in erster Linie mit freizügigen und teils auch sehr provokanten Bildern in Verbindung bringt, kommen viele und wollen eben genau das. Es war schon oft so, dass Modelle auf ihren bisherigen Sedcards eher klassische und doch ziemlich brave Bilder hatten und mir dann beim Shooting sagten, dass sie eigentlich gar nichts für untenrum zum Anziehen mithaben, weil sie das heute, nach eigenen Aussagen, nicht brauchen würden. Im Umkehrschluss kam es aber auch schon vor, dass ich mit Aktmodellen ausschließlich „Fashion“ geshootet habe, weil uns an dem Tag einfach danach war. XD Dass viele Bilder so wirken, als hätten Model und Fotograf eine Beziehung, liegt wohl aber auch einfach mit daran, dass ich mit vielen Modellen öfter und regelmäßig zusammenarbeite. Daher baut man grundsätzlich eine gewisse Beziehung zueinander auf, man kennt sich, kennt die Stärken und Schwächen, seine Launen, seine Grenzen. So sind die Grundvoraussetzungen für ein Shooting dann sowieso schon mal ein wenig anders, als wenn man sich gar nicht kennt.

Doomed Puppet (1)

KinKats: Wie würdest du deine Arbeiten beziehungsweise deinen Stil persönlich beschreiben? 

Ralf Rocksau: Ich tu mich, ehrlich gesagt, schwer damit, meine Arbeiten in eine bestimmte Schublade zu packen. In einem Artikel wurde ich neulich als einer der „Godfathers of Trash“ bezeichnet, was mich zweifelsohne sehr geehrt hat. Dennoch würde ich behaupten, dass meine Fotografie durchaus vielschichtiger ist. Ich probiere mich gerne aus, versuche immer, dass die Bilder möglichst authentisch wirken. In gewisser Art und Weise bin ich auch ein kleiner Bearbeitungshooligan. Ich habe für jedes Bild beim Betrachten der Rohdaten vor Augen, wie es am Ende aussehen soll. Da kann es dann auch mal passieren, dass bei einem Shooting düstere, melancholische Bilder in Schwarz-Weiß entstehen und gleichzeitig bunte, farbenfrohe, trashige Sachen.

KinKats: Any last words?

Ralf Rocksau: Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist.

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