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Tokio Hotel – Dream Machine: Zurück in die Zukunft

Eine Review von Sinah Raglewski.

Am 3. März erschien „Dream Machine“, das neue Album von Tokio Hotel. Wie es klingt? Das sage ich euch gleich. Gestattet mir zuerst etwas Nostalgie. 

Als Tokio Hotel 2005 zum ersten Mal in der Bravo erschienen, wusste niemand, was für Musik die vier Jungs aus Magdeburg machen, geschweige denn, ob Bill überhaupt ein Junge ist. Den Meisten war es aber ohnehin gänzlich egal, wie sich die Schönheiten auf der zum damaligen Zeitpunkt noch nicht erschienenen ersten Platte anhören würden. Verliebt waren die Teenies dieser Zeit nach diesem ersten Vorgeschmack ohnehin, eingeschlossen ich.

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Die erste kommerzielle Single „Durch den Monsun“ ließ die Herzen aller (potentiellen) Emos höher schlagen, und ob nun jeder Ton getroffen wurde, war nebensächlich. Denn neben Georg und Gustav rissen die extrovertierten Zwillinge Tom und Bill Kaulitz mit ihrer Erscheinung einiges raus. Wahrscheinlich war das mit ein Grund, warum das Video zu „Durch den Monsun“ DER Hit bei „Get The Clip“ auf VIVA war, als es noch als Musiksender existierte. Und wo für 50 Cent pro SMS an einem Tag die ganze 15-Euro-Monats-Prepaid-Karte aufgebraucht war. Immerhin wollten die Fans „Durch den Monsun“ durch ihre SMS im Voting-Battle immer höher steigen lassen. Nicht ohne Folgen. Die Single wurde einer von vier Nummer 1 Hits der Band.

Die Hörer waren gespalten. Entweder man hasste Tokio Hotel oder riss sich bei Konzerten die Kleider vom Leib.

Nostalgie-Modus off, zurück ins Jetzt. Nach vier Alben unter Universal Music, erschien jetzt das fünfte Album „Dream Machiene“ beim Pro7/Sat1 Label StarwatchEntertainment.  

In einer Zeitspanne, die sich vom letzten von mir gekauften Albums 2007, über drei erfolgreich ignorierte Platten bis hin zum aktuellen Album „Dream Machine“ erstreckt, haben sich die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz sieben, acht oder neun Frisuren später nicht nur optisch, sondern auch musikalisch deutlich verändert. 

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Das Cover des aktuellen Albums erinnert an die „Zurück in die Zukunft“-Filme, einige Songs sind scheinbar davon angehaucht. Zwischen 90s Techno und abgespaceten Parts, verirrt sich auch das ein oder andere ruhige, fast romantisch-dramatische Lied zwischen die Techno-Popsongs.

Ein Bill ohne Stimmbruch, viel Elektonik und Synthesizer und ausschließlich englische Sprache machen das Album gesellschafftstauglich. Neben den aktuellen Chart Hits sticht immer noch Bills spezielle Stimmfarbe heraus. 

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Was Georg, Tom und Gustav neben Bill auf der Bühne tun, ist mir ein Rätsel, aber dafür habe ich auch zu wenig Ahnung von der Technik. Viel, viel Bass, wenig hörbar analoge Musikinstrument entfernen schäzungsweise Fans von Rock und Punk-Musik vom Release-Regal mit dem Buchstaben T. Klare Klänge, perfekt abgestimmte Übergänge, keine großen Überraschungen und inhaltlich heute wie damals nichts überstürzend, macht „Dream Machine“ auch neben Justin Biebers Musik eine gute Figur. Jedoch wahrscheinlich nicht in der Szene, in der sich ehemalige Tokio Hotel Fans nach zehn Jahren wieder gefunden haben.

„Easy“, der dritte Titel des Albums, lässt mein ehemaliges Fanherz doch etwas höher schlagen, klammheimlich. Bill leidet halt immer noch auf ganzer Linie – bis die Stimme bricht. Und genau das wollen und wollten wir. Damals wie heute.

Tokio Hotel: Dream Machine
Erschienen am 3. März
Label: Starwatch Entertainment
Tokio Hotel bei Facebook

Fotos: Lado Alexi

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