Pressefoto Stefan Üblacker 2 (C) Jens Pussel(2)

Stefan Üblacker – Das Buch Ä oder: Mein Leben mit BelaFarinRod

Ein Interview von Rod Usher.

Stefan Üblacker ist Autor des Buches „Das Buch Ä“, einer von den Ärzten autorisierten Biografie über die „beste Band der Welt“. Auf über 900 Seiten schreibt Ex-Fanclubleiter Üblacker frei vom Herzen über das Phänomen aus Berlin (aus Berlin!) und lässt keine Phase von Die Ärzte aus. Das ist perfekte Unterhaltung für Fans, aber auch für jeden Musiker, der Motivation aus der Erfolgsgeschichte von BelaFarinRod, Hagen und Sahnie schöpfen möchte. KinKats Urgestein Rod Usher – selbst Die-Ärzte-Fan, mit seiner Band The Other schon mit Bela B. auf Tour gewesen und mit Stefan Üblacker persönlich bekannt – liebt „Das Buch Ä“ und hatte viele Fragen an den Autoren. Für KinKats hat er ihn getroffen.

KinKats: Markus Karg hat 2001 mit „DIE ÄRZTE: Ein überdimensionales Meerschwein frisst die Erde auf“ schon mal eine Die-Ärzte-Biographie herausgebracht. Wo siehst du den Unterschied zwischen der ersten Bio von Markus Karg und deiner?

Stefan Üblacker: Die Bio, die Die Ärzte und Markus Karg 2001 veröffentlicht haben, ist in meinen Augen mehr ein  Bildband denn eine Biografie. Hier lag der Fokus sowohl von der Gestaltung als auch der Ausrichtung her sehr auf dem optischen Aspekt. Meine Biografie ist viel textlastiger, hat aber trotzdem auch einen großen Bildteil. Mir war es wichtig, den Lesern zu zeigen, wie es diese Band geschafft hat, so groß und so relevant zu werden und in welcher Zeit das jeweils stattfand. Und das mitsamt alldem, was für mich eine Künstler-Biografie ausmacht: Erfolge, Misserfolge, Trennungen, Neuanfänge, Anekdoten. Außerdem hat mich interessiert, wie die Begleiter der Band ihre Zeit mit Die Ärzte erlebt haben, wie zum Beispiel ihr im Streit gegangener, ehemaliger Bassist Sahnie.

KinKats: Wie hast du für „Das Buch Ä“ recherchiert? Eigene Interviews geführt, alte Interviews studiert, Infos aus „Meerschwein“ übernommen?

Stefan Üblacker: Vom „Meerschwein“, also der ersten Bio, habe ich so gut wie gar nichts übernommen. Dazu muss man wissen, dass ich die Band schon sehr lange und sehr intensiv verfolge und daher zahlreiche Aussagen und Aktionen von ihnen in meinen Synapsen verankert waren. Ich musste das meistens nur auffrischen, nochmal exakt niederschreiben und in den entsprechenden Zusammenhang bringen. Darüber hinaus habe ich zahlreiche Interviews mit der Band selbst und vielen, vielen ihrer Weggefährten geführt. Außerdem war ich oft Gast in ihrem Archiv und habe mit großer Leidenschaft alte Korrespondenzen durchwühlt und mich durch etliche Konzertmitschnitte gehört, denn Die Ärzte sind ein Gesamtkunstwerk, dem sich auf mehreren Ebenen nähern muss.

KinKats: Wie viel Unterstützung kam von der Band selbst?

Stefan Üblacker: Sehr, sehr viel – und das wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Band selbst brach lag. Wir haben uns in Hochphasen fast täglich ausgetauscht, auf verschiedensten Wegen. Dabei waren alle in der Band sehr offen und sehr ehrlich und vielleicht hier und da auch etwas altersmilde. Es hat uns allen viel Spaß gemacht, in die Vergangenheit abzutauchen. Wir haben viel gelacht.

KinKats: Das Zeitgeschehen spielt in deiner Chronik eine große Rolle, oftmals vermittelst du eine gute historische Einordnung, die vielen Biographien fehlt, bei manchen allerdings auch sogar noch deutlicher zum Tragen kommt (Die Toten Hosen, Slime und andere). Wie kam es genau zu diesem Mittelweg? 

Stefan Üblacker: Der historische Aspekt hat mir vor allem in der ersten Biografie gefehlt, denn letztlich sind wir alle nur Produkte der Historie. Um den Ärzten näher zu kommen, muss man beispielsweise auch wissen, was es konkret bedeutete, im eingeschlossenen West-Berlin aufzuwachsen. Da ich zu dieser Zeit nicht gelebt habe, habe ich mir viel Zeitgeschichtliches angeeignet, um den Spirit dieser Zeit zu beschreiben. Da hat es mich dann gefreut, dass Leute wie der leider vor kurzem verstorbene Gitarrist von Deutschlands wohl erster Punkband PVC, Gerrit Meijer, gerade dies extrem gut wiedergegeben fanden. Man muss aber auch aufpassen, dass man hier nicht den Guido Knopp in sich rauskramt, denn im Zentrum des Buches stehen immer noch BelaFarinRod. Es war mir auch sehr wichtig, dass die Geschichte der Band im Präsens erzählt wird. So wirkt es nicht abgestanden, sondern frisch und lebendig.

cache_35411

KinKats: Im Gegensatz zu anderen externen Schreibern einer Musikerbiographie sparst du nicht mit persönlichen Anmerkungen, anstatt nur aus kritischer Distanz zu schreiben. War es dir wichtig, dich auch selbst einzubringen?

Stefan Üblacker: Nee, wichtig nicht. Es hat sich halt so ergeben. Ich will damit den Lesern eigentlich nur verdeutlichen: „Seht her, ich bin genauso bekloppt wie ihr“. Ich wollte nicht, dass meine Schreibweise belehrend oder schlaumeierisch daherkommt, daher erschien mir dies als guter Mittelweg. Übrigens erhalte ich gerade dafür viel positive Resonanz mit Sätzen wie „Ich habe sehr gelacht, genauso so war es bei mir auch“. Auch auf den Lesungen kommen gerade diese Stellen immer sehr gut an. Kritiklos ist das Buch aber sicher nicht, denn das, was nicht so geil war, wird schon thematisiert. Aber hey, ganz ehrlich, wenn ich beispielsweise eine KISS-Biografie lese, will ich auch nicht wissen, was Gene Simmons für ein Arschloch sein kann, sondern, wie solch großartige Songs wie „Detroit Rock City“ entstanden sind und was ihnen alles auf ihrem Weg passiert ist. 

KinKats: Das Ende ist wenig positiv, wie kannst du den DÄ Fans Hoffnung machen? Kann deine Bio dazu beitragen?

Stefan Üblacker: Findest du es so negativ? Ich finde schon, dass es Mut macht, denn der Auftritt beim „Rock den Förster“-Festival in Jamel 2016 hat gezeigt, dass diese Band noch immer lebt und da ist. Hätte es diesen Auftritt nicht gegeben, dann wäre es sicher recht negativ geworden, aber so zeigt es den Fans, dass man immer noch mit der Band rechnen muss. Auf welche Art und Weise wissen jedoch nur sie allein und das finde ich wiederum auch schön. Sie kommen nur zurück, wenn sie Bock drauf haben und nicht, weil sie sich sonst die goldenen Kloschüsseln nicht mehr leisten können.

KinKats: Was sind deine persönlichen Lieblingserfahrungen mit der Band?

Stefan Üblacker: Das Buch ist mit Sicherheit der absolute Höhepunkt in meiner Beziehung zu der Band. Etwas Geileres, sorry für die saloppe Wortwahl, gibt es für einen Fanboy nicht. Generell verbinde ich mit der Band so viele schöne Erinnerungen und so viele tolle Begegnungen – auch mit anderen Leuten – da fällt es echt schwer, sich Highlights herauszupicken. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Besonders gerne denke ich gerade an die Konzerte in Linz anno 2009 zurück. Zu dieser Zeit bin ich gerade mit meiner Frau zusammen gekommen und Die Ärzte haben uns mit ihren Konzerten dabei einen wunderbaren Soundtrack für einen tollen Sommer geliefert.

Pressefoto Stefan Üblacker (C) Jens Pussel(1)
Fotos (2): Jens Pussel

KinKats: Bist du froh, nicht mehr Fanclub-Chef zu sein oder blickst du dem auch mit einem weinenden Auge hinterher?

Stefan Üblacker: Die Fanclub-Zeit war eine unglaublich schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Gegen Ende war jedoch bei mir die Luft etwas raus, denn es war bei über 6.000 zahlenden Mitgliedern auch eine sehr intensive Zeit. Zudem hatten sich mit der Geburt meines Sohnes auch meine Prioritäten etwas verschoben. Mit einem weinenden Auge blicke ich aber nicht zurück, eher mit einem lachenden, denn da gab es sehr viele lustige Erlebnisse.

KinKats: Gibt es für dich in Zukunft noch Pläne mit DÄ?

Stefan Üblacker: Also ich persönlich habe mir fest vorgenommen, nochmal ein Konzert von ihnen zu besuchen. Ich hoffe, sie können das irgendwann mal einrichten. Im Ernst: Für mich wird immer der Satz gelten: „Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehen.“ Aber wir kennen uns nun schon so lange –  mal schauen, was da noch passiert. Hätte mir jemand vor ein paar Jahren gesagt, dass ich mal ein Buch über Die Ärzte schreibe, hätte ich auch nur laut gelacht.

KinKats: Als Fan gesprochen: Wie siehst du Belas neue musikalische Richtung? Er hat sich in seiner Solo-Karriere ja dem Country und Rockabilly zugewandt und trifft damit nicht immer den Geschmack der Fans seiner Hauptband…

Stefan Üblacker: Ich finde es großartig, was er macht. Seine musikalische Neigung entspricht meiner fast zu 100 Prozent, außer, dass ich weniger Eisenpimmel höre. Von daher kann ich einfach gar nicht anders, als es toll zu finden. Für ihn selbst freut es mich, dass er, um mal im Jargon zu bleiben, da fest im Sattel sitzt. Er macht das, was sein Herz ihm sagt und das mit so viel Liebe und Hingabe, dass es mir unglaublich Spaß macht, das zu sehen und zu hören. Sein neues Album „Bastard“ ist für mich der perfekte Soundtrack für lange Autofahrten durch die einsame Prärie und seine Sartana-Lesung sollte man sich auch nicht entgehen lassen. Chapeau, Monsieur B!

KinKats: Was erhoffst du dir noch von Die Ärzte?

Stefan Üblacker: Ehrlich gesagt: Gar nichts, denn so kann man nicht enttäuscht werden. Aber wie schon oben erwähnt, würde ich mich, wie so viele andere auch, über ein Konzert von ihnen sehr freuen. Und ich finde, es wäre mal an der Zeit, bisher geheim gehaltene Songperlen wie „Sahnebonbon“, „Halloween“, „Knäckebrot“ oder „Australien“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Stefan Üblacker: DAS BUCH Ä – Die von die ärzte autorisierte Biografie
Über 700 Seiten
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag
ISBN 978-3-86265-585-4
Preis: 29,99 Euro
Bei Bestellung über den Verlag gibt es ein A2-Plakat gratis dazu.
Hier könnt ihr das Buch bestellen!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *