Westworld1_Teddy (james marsden) left, dolores (evan rachel wood) right.

Dein schlimmster Wild-West-Albtraum: Westworld

Eine Review von Hans Pørnflake.
Erinnert ihr euch noch an Yul Brunner? Die Älteren werden ihn noch aus Streifen wie „Die Glorreichen Sieben“ oder „Die Zehn Gebote“ kennen. Brunner war einer der beliebtesten US-Schauspieler der 60er- und 70er-Jahre und spielte in dutzenden erfolgreichen Filmen eine Vielzahl an Rollen. In einem dieser Filme hieß Brunner nur „The Gunslinger“ – es war einer seiner letzten Filme, der Titel des Streifens: „Westworld“. 
 
Über 40 Jahre später sollte dieser Titel wieder von Bedeutung werden, als HBO mit der Serienadaption des Films von 1973 die Herzen der Fans im Sturm eroberte. Produziert von Jonathan Nolan, dem jüngeren Bruder von „Batman“- und „Interstellar“-Regisseur Christopher Nolan, und Lisa Joy ist die Serie durch alle Aspekte hinweg ein Meisterwerk. Angeführt von einem fulminanten Cast (Anthony Hopkins, Ed Harris, Evan Rachel Wood, James Marsden, Luke Hemsworth, Thandie Newton) besticht „Westworld“ nicht nur durch eine atemberaubende Optik, sondern insbesondere durch intelligente, tiefgründige Drehbücher. 
 
Obwohl die Serie große philosophische Fragen nicht scheut, ist sie dennoch unterhaltsam und temporeich und bietet eine Menge gut in Szene gesetzte Action. Es sind aber oft die ruhigen, tiefgründigen Momente, die das volle Potenzial der Geschichte zeigen. Die Interaktion der Schauspieler ist vielfach ein Meisterstück. Insbesondere Anthony Hopkins und Evan Rachel Wood zeigen, was für großartige Schauspieler sie sind. 
 
Westworld 2_maeve (thandie newton) left, hector (rodrigo santor) right.
Fotos (2): HBO/Sky
 
Über die Handlung lässt sich nicht viel sagen, ohne zu spoilern. Grundsätzlich geht es in „Westworld“ um einen Wild-West-Freizeitpark, der von Robotern, sogenannten Hosts, bevölkert ist, und in dem reiche Gäste ein Paar Tage unbeschwerte Western-Action erleben können. Dabei ist der Phantasie – und dem Sadismus – der Gäste kaum eine Grenze gesetzt. Die lebensechten Hosts können vergewaltigt, ermordet oder zerstückelt werden, ohne dass sie sich wirklich wehren können. 
 
Ein Team aus Wissenschaftlern um Bernard Lowe (Jeffrey Wright) sorgt dafür, dass all die Erinnerungen an die Gräueltaten, die die Hosts täglich erleben, nur noch fragmentarisch, in einer Art Alptraum, vorhanden sind. Als jedoch Parkbesitzer Robert Ford (Anthony Hopkins) ein neues Update aufspielt, scheint sich die Wahrnehmung der Hosts plötzlich zu verändern. Einige Hosts beginnen sich an Dinge zu erinnern, die ihnen in früheren Geschichten angetan wurden. Insbesondere die Bordellbesitzerin Maeve (Thandie Newton) und die Farmerstochter Dolores (Evan Rachel Wood) beginnen ihre Existenz und ihren Platz in der Welt zu hinterfragen – mit schwerwiegenden Folgen. 
 
 
Was erst einmal banal klingt, wird durch die außergewöhnliche Leistung der Schauspieler und die cleveren Dialoge zu einem stimmigen, atmosphärischen Gesamtpaket, das sich sicher und unterhaltsam mit bedeutenden Fragen über Bewusstsein, künstliche Intelligenz und den Kern des Mensch-Seins beschäftigt. Dazu gibt es, für HBO-Serien schon fast zwangsläufig, viel Gewalt, viel Sex und nackte Haut. Jedoch gelingt es den Machern, das Ganze so einzubinden, dass es nicht vom Wesentlichen der Serie ablenkt. 
 
HBO ist es gelungen, eine Serie zu kreieren, die auf ganzer Linie überzeugt: Angefangen von den grandiosen Schauspielern, über das optisch herausragende Setting und die cleveren Drehbücher bis hin zur Musik vom in Deutschland geborenen Ramin Djawadi („Game Of Thrones“, „Iron Man“, „Warcraft“) konnte sich „Westworld“ von Beginn an eine starke, engagierte Fanbase erarbeiten und wurde völlig zurecht mit dutzenden Preisen belohnt. 
„Westworld“ ist für Serienliebhaber ein Muss, ganz besonders für die, die neben Action und guter Schauspielerei noch eine weitere Ebene suchen, eine Ebene, die sich auch vor tiefgehenden und philosophischen Problemen nicht scheut. 
 
Die Serie ist ab 16 freigegeben und in Deutschland derzeit auf Sky zu sehen. Der Blu-Ray- und DVD-Release ist tba. 
3 Responses
  1. Momentan meine Lieblingsserie und bringt mich sehr zum Nachdenken…wer weiß vll. sind wir auch programmiert und jemand schaut zu…Guter knackiger Artikel Mimi…

    1. Danke, aber das Lob gebührt unserem Autoren Hans Pørnflake. Ich geb‘s weiter 🙂

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