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Tristan Louwaars: Kustomize because stock sucks

Ein Interview von Marc Lohleif.

Tristan Louwaars ist 45, Kustomizer und lebt im niederländischen Heerlen. In seinem Laden „Tristan Kustomizing“ baut Tristan dir alles: Vom Top-Chop über Air Suspension und kompletten Karosserieumbauten bis hin zur Kandy-Lackierung. Wer sich in der Szene tummelt, wird ihn kennen. Wir haben Tristan Louwaars in seiner Werkstatt getroffen.

KinKats: Seit wann interessierst du dich für Kustom-Bikes, Kustom-Cars und Hot Rods?

Tristan Louwaars: Seitdem ich ungefähr fünf Jahre alt bin. Mein Vater fuhr Anfang der 70er Jahre Stockcar-Rennen und hatte einen Mechaniker, der immer US-Magazine kaufte: Hotrod, Prostreet, Autobuf, Trucking … Dadurch kam ich dem Thema immer näher und eiferte ihm nach. Ich habe dann im Modellbau angefangen, Hotrods zu bauen und habe ständig mit Lego und Hot Wheels gespielt. Und ich zeichnete überall Hotrods, Prostreets und Dragster (Tristan lacht). 1989 habe ich mit „echten“ Autos angefangen. Damals haben wir mit Freunden gemeinsam eine Halle gemietet und dort an unseren Autos gearbeitet. So fing alles an …

KinKats: Erinnerst du dich an dein erstes modifiziertes Fahrzeug?

Tristan Louwaars: Ja, damals war ich zwölf Jahre alt, und es war ein Jowett Javelin von 1947. Ich wollte den Wagen als Lowrider „Bomb” herrichten. Dazu habe ich einen Chevy Caprice als Teilespender gekauft. Mit 16 habe ich dann die erste Lowrider Hydraulik gekauft – nur wie ich sie einbauen musste, das wusste ich nicht. Internet gab es ja damals noch nicht 🙂

KinKats: Du baust in deiner Werkstatt „Tristan Kustomizing“ coole Autos, vom Top Chop, Karosserieumbauten, über Fahrwerksarbeiten wie Air Suspension und Lackierungen – also alles, was geht, quasi Full-Kustom. Welche Arbeiten magst du am liebsten und welche lehnst du vielleicht sogar ab? 

Tristan: Ich mache eigentlich alles und bin nicht spezialisiert auf irgendeine Arbeit. Ich bin ein Allrounder und total pingelig und penibel. Ich denke, dass ich ziemlich gut bin in dem, was ich tue. Ja, ich glaube, ich bin ein guter Kustomizer (Tristan lacht laut los)

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KinKats: Welche Fahrzeuge befinden sich derzeit in deinem Besitz, und was hast du damit vor? 

Tristan: Pfffff, zu viele, haha! Einen 1966 Ford Econoline mit Metalflakes, lackiert als Lowrider Cruiser, zwei Chevys aus dem Jahr 1952. Darunter mein alter, goldener Kustom, den ich wieder fertig machen will. Einen 1954 Chevy Bel Air als Patina Kustom Cruizer auf Accu Air mit 20” Mobsteelwheels, 400+PS Motor und Vier-Gang-Getriebe. Das Ding liegt mit dem Rahmen auf dem Boden. Dann habe ich noch einen Ford F6 COE (Cabin over Engine) von 1952 mit neuem Chassis und Anhänger. Einen 1964 Plymouth Cuda im Gasser Style, einen Porsche 911 von 1977 als „Outlaw Hotrod“ mit 3.6 Liter Motor und Poly ST und Fbody Teilen. Und einen 1930er Ford Tudor als Hotrod/Ratrod Projekt. Der ist übrigens zu verkaufen.

KinKats: Noch mehr?

Tristan: Einen 2005 Roush Ford Mustang turbo: Motor bis 1500 PS. Der Turbo leistet 1000 PS, aber mit 60lbs Ladedruck nur 800 PS, das ist ganz gut für den normalen Straßenverkehr. Dann noch einen 1975er Chevy Van G10 im 70er Jahre Custom Style und einen 1952 Chevrolet Tin Woody Wagon mit LS Motor und neuem Getriebe, einer Jaguar Frontachse und einer neuen Hinterachse, Air Ride, et cetera. Der ist für meine Frau. Und zuletzt meinen 1999 Chevy Express Shop Van mit 20” Rädern und 8” Tieferlegung. 

KinKats: Bist du ein Sammler oder eher jemand, der seine Fahrzeuge häufig wechselt, damit es spannend oder interessant bleibt?

Tristan: Ich denke nicht, dass ich ein Sammler bin, aber irgendwie ist die Liste meiner Autos zu lang, um kein Sammler zu sein 🙂 Ich wechsele immer, wenn der Wagen fertig ist. Ich habe zu jedem Wagen eine Idee, die ich umsetzen will, dann baue ich das Auto nach meinen Vorstellungen um. Selbst das Auto meiner Frau ist Custom, hahaha, ihr 2008er Mini Cooper S JCW ist nicht Standard. Ich habe direkt das Fahrwerk umgebaut und alle Chromteile schwarz lackiert, 18”JCW Felgen, und eine ich habe neue, selbst hergestellte Auspuffanlage verbaut, dazu einen größeren Turbo und einen AEM Air Intake.

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KinKats: Du fährst mit deinem Hot Rod zum nächsten Event. Welche Musik läuft während der Fahrt?

Tristan: Ich mag fast jede Art von Musik. Von Rockabilly, Hiphop, Metal und Trance ist alles dabei. Meistens läuft ein Mischmasch aus allem.

KinKats: Was treibst du neben dem Job und deiner Leidenschaft zu Autos in deiner Freizeit?

Tristan: Ich gehe seit fünf, sechs Jahren regelmäßig ins Gym. Vor sechs Jahren hat mein Rücken schlapp gemacht, und ich hatte ziemliche Probleme, musste sogar operiert werden. Dann habe ich mit Fitness angefangen, um meine Muskulatur aufzubauen, daraus ist dann Bodybuiding geworden. Ich fühl mich jetzt gut und habe keine Rückenschmerzen mehr.

KinKats: Gibt es Veranstaltungen in nächster Zeit, die du auf keinen Fall verpassen darfst?

Tristan: Ich muss sagen, dass ich die letzten Jahre gar nicht mehr so oft auf Shows war. Ich habe kein eigenes Auto, das wirklich fertig ist, und ohne eigenen Wagen macht es nicht so wirklich Spaß. Das ist die eine Ursache. Die andere ist, dass ich in den letzten 20 Jahren eigentlich alles gesehen habe und irgendwie nichts Neues kommt …Und zu guter Letzt wird eher selten gewertschätzt und respektiert, was man erschaffen und gebaut hat. Erst in den letzten paar Jahren merkt man, dass sich die Situation aufgrund der Social Media Netzwerke ändert. Im Netz findet man tonnenweise Kustom Cars und Kustomizer. Ich merke aber auch, dass sich nach der Namensänderung meines Shop von „K.A.R.S“ in „Tristan Kustomizing“ einiges getan hat. Ich habe vorher noch sie so viele T-Shirts von meinem Shop verkauft. 

KinKats: Was findest du in der derzeitigen Kuston Kulture Szene scheiße?

Tristan: Das ist einfach: RATRODS! Und dass immer noch Autos aus den USA und die Kustomizer von drüben höher angesehen werden als die Kustomizer und deren Arbeit hier in Europa. Dabei haben wir in Europa echt gute Kustomizer. Wenn ich in den Staaten bin, merkt man, dass man selbst und seine Arbeit ganz anders angesehen ist als hier bei uns. Es ändert es sich hierzulande nur sehr langsam, aber dennoch merklich. Hat ja auch nur 20 Jahre gedauert, hahahaha 😀

KinKats: Welche Art von Kustom Umbau findest du scheiße?

Tristan: RATRODS.

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KinKats: Wenn du stinksauer und auf 180 bist, was bringt dich wieder runter und beruhigt dich?

Tristan: Uuuhhhhh, wenn ein Kunde mich tierisch nervt, und mein Bruder, mit dem ich zusammen arbeite, das merkt, sagt er schon mal, dass es besser wäre, jetzt zu gehen. Man sollte mich besser nicht reizen, es sei denn, du bist lebensmüde, hahaha. Im Geschäft bin ich der Boss. „If you dont like what we dont do, then get the fuck out.“ Das ist mein Motto. Es gibt tatsächlich welche, die es ausprobiert haben. Ich habe aufgehört, an deren Autos zu arbeiten. Meinen Kopf mache ich im Gym frei, das gibt mir wieder Power, um jeden Morgen, sechs Tage die Woche, im Laden zu stehen.

KinKats: Any last words?

Tristan: Ich möchte mich bei meiner Frau Angelica für 25 Jahre Unterstützung bedanken. Und bei meinem Bruder Gyan, mit dem ich eng zusammenarbeite.

Fotos: Privat
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