TheOther_2017_by_monsterpics

Rod Usher von The Other: Übung macht das Monster

Ein Interview von Lullu Gun.

Frag mal Girls aus der Horrorpunk-Szene nach Rod Usher. Die werden vor Verzückung die Augen verdrehen. Rod Usher ist nicht nur der Mann für die dunklen Gefilde hier bei KinKats, sondern vor allem Sänger bei der Szene-Größe The Other. „Düstere Melodien, schnelle Akkorde, harte Riffs und gruselige Texte“, so charakterisiert Usher den Sound seiner Band. Sein Grusel-Make-up ist immer on fleek, seine Bühnenpräsenz einmalig, und ja, verdammt, wir sind Fans. Zeit, den Mann zum Interview zu treffen.

KinKats: Deine Band The Other gibt es jetzt seit 2002. Doch vor dieser Zeit wart ihr schon als Coverband unter dem Namen Ghouls aktiv. Wie kamt ihr dazu, The Other zu gründen ?

Rod Usher: Nach 15 Jahren mit langen Touren und zahlreichen Exzessen fällt es mir fast schwer, mich daran zu erinnern. Meiner Meinung nach begab es sich so, dass wir das Ende der Kreativität als Coverband vor Augen hatten und eigene Songs schreiben, aber gleichzeitig nicht auf die stattlichen gefüllten Konzerthallen verzichten wollten, die wir uns bis dahin erarbeitet hatten. Also haben wir immer mehr eigene Songs ins Coverset eingebaut und die Zuhörer so abhängig gemacht. Irgendwann dachten die, „Beware Of Ghouls“ wäre wirklich von den Misfits geschrieben worden. Und so hat sich der perfekte Zeitpunkt gefunden, um die Band umzubenennen, das erste Album rauszuhauen und den Weltruhm anzupeilen. Irgendwas ist dann aber schief gelaufen…

KinKats: Nach 15 Jahren Bandgeschichte, zwei US-Touren und Auftritten bei großen Festivals wie zum Beispiel dem Wave Gotik Treffen oder dem Wacken Open Air vor 21.000 bis 75.000 Menschen – ist man da noch nervös, wenn es auf die Bühne geht? Was ist das für ein Gefühl, wenn man da oben mit der Band steht und alle Augen auf einen gerichtet sind? 

Rod Usher: Ich glaube, ich spreche für alle in der Band, wenn ich sage, dass wir noch verdammt nervös sein können. Bei manchen Shows ist es eine freudige Unruhe, bei manchen aber auch eine Nervosität, bei der du dir wirklich fast in die Hose macht. Gerade beim Wacken Open Air 2016 war es richtig heftig, als wir durch den Vorhang schielten und das riesige Areal plötzlich mit einer unüberschaubaren Masse an Menschen gefüllt war. Da werden die Knie schon mal schwach. Und ehrlich gesagt hatte ich bei dem Gig auch einen kleinen Frosch im Hals, so dass wir sicher nicht unsere beste Performance geliefert haben. Geil war es trotzdem. Kleine Clubs, in denen es richtig wild zur Sache geht, die Leute übereinander fallen und der Schweiß von der Decke tropft, haben trotzdem noch eine etwas speziellere Atmosphäre, da Band und Publikum viel mehr eine Einheit sind. Aber wir spielen sehr gerne große Festivals, keine Frage. Als Band willst du natürlich auf die großen Bühnen.

KinKats: Habt ihr aktuell was Neues draußen oder etwas geplant, von dem du uns schon erzählen willst?

Rod Usher: Unser nächstes Album ist in Mache, wir schreiben gerade fleißig die Songs und gehen im Mai ins Studio. Nachdem „Fear Itself“, der Vorgänger, überall sehr gut ankam, wird das wieder eine Herausforderung, denn man will sich ja wieder übertreffen oder zumindest keinen Rückschritt hinlegen. Es bleibt spannend.

RodUsher_single

KinKats: Was hat euch zu den Grusel Outfits und eurem Make-Up inspiriert? 

Rod Usher: Das waren – neben Bands wie KISS und den Misfits – alte Horrorfilme aus den 20ern bis 50ern. Speziell die legendären Universal Monster Filme oder Klassiker wie „Das Kabinett des Doktor Caligari“ oder der originale „Nosferatu“. Diese Streifen sind zeitlos und für mich das, was für andere vielleicht „3 Nüsse für Aschenbrödel“ an Weihnachten ist.

KinKats: Hast du vielleicht auch Tipps zum Make Up für unsere Leser und Horrorpunk-Fans?

Rod Usher: Ich habe natürlich wenig Interesse daran, dass die zahllosen schlecht geschminkten Gruselbands da draußen plötzlich so sexy aussehen wie wir. Aber für KinKats springt man gerne mal über seinen Schatten. Also: Wichtig ist es, gute Schminke zu nutzen, zum Beispiel von Kryolan. Für die Bühne nutzt man Fettschminke, denn die bleibt auch beim Schwitzen drauf. Zum Auftragen und Schattieren ein Schwämmchen nutzen. Nach dem Auftragen abpudern und mit Fixierspray „ankleben“. Übung macht das Monster.

KinKats: Ich bin selbst gar kein Horrorpunk Experte, ich kenne mich da gar nicht aus. Was macht diese Musik für dich so besonders? Und wie würdest du die Musik jemandem beschreiben, der noch nie einen Horrorpunk-Song gehört hat?

Rod Usher: Also erst mal empfehle ich dir, neben ständigem Hören von The Other auch in Bands wie Misfits, Danzig, Calabrese, Blitzkid, Nim Vind, Bloodsucking Zombies From Outer Space und viele weitere reinzuhören. Da wirst du merken, dass die Bands ziemlich unterschiedlich klingen. Wir würden uns eher zu den düstereren Truppen zählen, bei uns ist der Gothic Anteil vielleicht etwas höher, allerdings paaren wir unseren Punk-Rock auch mit vielen Metal Riffs. Konkret: Düstere Melodien, schnelle Akkorde, harte Riffs und gruselige Texte. Für mich findet sich in der Musik Atmosphäre, Energie und Horror zusammen.

KinKats: Gibt es Bands, die nicht unbedingt aus eurer Szene kommen, mit denen du gerne mal was aufnehmen oder auf der Bühne stehen würdest?

Rod Usher: Wir hatten mal Anna von Rosenstolz als Gastsängerin im Song „Der Tod steht dir gut” dabei, das war für uns eine große Ehre. Falls Joan Jett mal Zeit hätte, würde ich da ebenfalls gerne für ein Duett zusagen. Auch Kim Wilde oder Nina Hagen wären toll. Realistischer wäre Maitri von Christian Death, mit denen wir kürzlich getourt haben und die ich sehr schätze. Ansonsten bin ich selbst Fanboy und würde gerne mit KISS, Bad Religion, AFI und Rob Zombie touren. 

KinKats: Ihr seid über die Szene hinaus sehr bekannt, habt viele Fans. Ein paar haben sich sogar dein Gesicht tätowieren lassen. Wie sieht es denn da so mit Groupies aus? Kommen dir Schlüppis entgegen geflogen oder geht sogar mehr? 🙂

Rod Usher: Ein oder zwei BHs haben wir bekommen, einmal hat eine Dame sich sogar direkt vor mir aus ihrem Höschen geschält und es mir dann in die Hand gedrückt. Es ist nicht so, als würde man sich nicht über ein solches Geschenk freuen. Groupies aber gibt es ja generell kaum mehr. Keine Frau kommt nach dem Konzert auf dich zu und sagt: „Darf ich dir einen blasen?“ Obwohl…einmal in Leipzig… Fakt ist einfach, dass du als Band gegenüber anderen Kerlen einen Vorteil hast, denn die Frau, die du abschleppen möchtest, hat dich vorher mindestens eine Stunde angesehen. Interesse ist also da. Das macht es einfacher. Und ja, viele Kerben in meinem Bettpfosten sind von Damen, die ich auf unseren Konzerten kennengelernt habe. Und ich freue mich sehr darüber und bedanke mich herzlich für die schöne Zeit. Mit einigen liebgewonnenen Ladys bin ich auch noch Jahre später befreundet. 

KinKats: Ich werde einfach mal direkter, wir können ja offen reden 🙂 Die weiblichen Fans flirten doch bestimmt mal gern. Wird man da nicht schwach und nascht auch mal oder gibt es jemand Festes an deiner Seite?

Rod Usher: Derzeit ist jeder in der Band liiert. Natürlich reden wir über die eine oder andere Lady, die uns ins Auge gefallen ist, klar. Aber die wirklich wilden Zeiten sind vorbei, mancher in der Band hatte sie nie. Gerade auf Tour ist man zudem einfach zu sehr mit seinem Job in der Band beschäftigt oder fährt kurz nach dem Gig schon mit dem Nightliner in die nächste Stadt, so dass sich keine großen Gelegenheiten ergeben. Aber es gab Zeiten, da hatte ich viel Spaß nach den Shows, wenn man noch zum Feiern blieb. Da teilten sich dann auch mal mehrere das Bett. Und ich meine damit nicht meine Bandkollegen und mich. Wichtig ist mir dabei, dass es immer eine gegenseitige Wertschätzung gab. Es war immer ein freundschaftliches Geben und Nehmen. 

KinKats: Auf der Bühne bist du laut und wild. Bist du so auch privat oder wie würdest du dich selbst außerhalb der Bühne beschreiben?

Rod Usher: Ich sehe mich ja nicht von außerhalb, daher denke ich, dass ich privat wirklich eher ruhiger bin und einen schönen Abend mit Buch oder Film auf dem Sofa sehr schätze. Generell halte ich mich da auch gerne im Hintergrund und genieße es, keine Aufmerksamkeit zu haben. Allerdings kann ich gut feiern und veranstalte auch selbst Partys, unter anderem die bekannte Partymonium, wo 80er Hair Metal läuft. Ich freue mich darüber, dass Rod Usher es mir ermöglicht, aus dem normalen Leben auszubrechen, Rampensau zu sein, die Menschen zu unterhalten und Dinge zu tun, die man normal nicht tun kann. Dazu zählen dann auch einige Erinnerungen aus der Frage vorher…

TheOther_2017_nologo_itwaitsart
Foto: It Waits Art

KinKats: Im Jahr 2007 habt ihr euer erstes Musikvideo gedreht. Mit dabei eine damalige Pornodarstellerin. Wie stehst du zum Thema Porno?

Rod Usher: Ich habe acht Jahre lang als Presssprecher für Deutschlands wohl bekanntestes Pornolabel Videorama und als Chefredakteur für das Happy Weekend Magazin gearbeitet. Ich habe viele Freunde in der Branche und zahlreiche Menschen sehr schätzen gelernt. Dazu zählen Darstellerinnen wie die angesprochene Leonie Saint oder auch Vivian Schmitt, Lena Nitro, Renee Pornero, Mia Magma, heute Mia Julia, Kyra Shade, Wanita Tan, Sarah Rose… Meine Zeit dort möchte ich wirklich nicht missen, und ich nehme viele Erinnerungen und Erfahrungen mit. Ja, auch einige sehr angenehme mit Darstellerinnen. Generell denke ich, dass Porno – wie alles im Leben – gute und schlechte Aspekte hat. Ich finde es heute jedenfalls sehr gut, dass Darstellerinnen wie du, Lullu, selbständige Unternehmerinnen sind, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Und ich mag es, dass viele Darstellerinnen heute aussehen wie Rock Chicks und nicht wie reiche Tussis. Eine Lullu Gun oder Lexy Roxx trifft meinen Geschmack viel mehr, als damals eine Teresa Orlowski.

Kinkats: Hat Rod Usher noch eine Message für die KinKats Leser?

Rod Usher: KinKats war ein einzigartiges Magazin und wird hoffentlich bald nicht nur online, sondern auch wieder am Kiosk dabei sein. Das geht nur, wenn ihr uns unterstützt und fleißig Likes gebt und teilt. Und ganz nebenbei freue ich mich, wenn ihr mal in The Other rein hört oder zu einer Show kommt. Im Oktober werden wir mit befreundeten Bands auf Hell Nights Tour durch Deutschland gehen und freuen uns sehr, wenn ihr vorbeischaut. Komm ruhig mit deinen ganzen Mädels zur Show, Lullu…

The Other bei Facebook

Großes Foto oben: MonsterPics

One Response
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *