Laura van Tango 13

Laura van Tango: Total eclipse of the heart

Ein Interview von Mimi Erhardt.

Dieser Post ist eine Premiere. Denn zum ersten Mal erfahrt ihr, wer hinter den Texten, die ihr auf KinKats lesen könnt, steckt. We proudly present: Laura von Tango, unsere unverschämt schöne, kluge und über-lovely Punkrock-Expertin. Dieser Text ist von Laura, dieser auch und dieser auch. Weil aber ein Mädchen wie Laura van Tango nicht nur hinter den Rechner gehört, sondern sich zum Glück auch vor der Kamera pudelwohl fühlt, dürfen wir sie euch heute vorstellen. Und jetzt geht schon, Kinder, verliebt euch in Laura, aber nicht zu doll 🙂

Dein Künstlername: Laura Van Tango
Geburtsjahr: 1992
Sternzeichen: Krebs
Deine Bodymods: Ich habe sieben Tattoos und ganz standardisierte Ohrlöcher.
Deine Website: Das ist mein Facebook Profil und hier findet ihr mich auf Instagram
Wie geht es dir gerade jetzt? Exzellent! Ich sitze verschlafen in einem Soziologieseminar und freu mich aufs Mittagessen.
Beschreibe dich selbst in drei Worten: Stur, impulsiv, begierig.

KinKats: Was war dein erstes Tattoo oder dein erstes Piercing? Und was hat dich dazu bewegt, es machen zu lassen?

Laura van Tango: Mein erstes Tattoo war ein Alkaline Trio Heart And Skull auf dem linken Knöchel. Den hab ich mir mit 18 selbst gestochen, weil Alkaline Trio, seit mir in einem Used Record Store in San Francisco vor neun Jahren ihr Album „Goddamnit“ in die Hand fiel, eine meiner absoluten Go-To, unerschütterlichen Lieblingsbands sind. 

KinKats: Welcher Tattoo Artist hat dich am stärksten beeinflusst? 

Laura van Tango: Puh, ich habe nicht das Gefühl, schon genug Tattoos zu haben, um das adäquat beantworten zu können. Mein aktuelles Lieblingstattoo hat Rodney Taylor im Ink Lab in Minneapolis gestochen. Super talentierter Künstler und unglaublich cooler Typ. 

KinKats: Gibt es Tätowierungen, die dir mehr bedeuten als andere? 

Laura van Tango: Gerade ist es wohl das, über das ich gerade schon sprach. Eine Zeichnung der Hennepin Avenue Bridge in Minneapolis mit einem Rob Sheffield Zitat auf meinem unteren Rücken. „Once upon a time I was falling apart, now I’m always falling in love“. Sheffield, einer meiner Lieblings-Autoren und -Musikjournalisten, hat sich dafür bei Bonnie Tylers cheesy Überhit „Total Eclipse Of The Heart“ bedient und leitet damit ein Buch ein, das ich, zu der Zeit als das Tattoo entstand, las. Mir ging es darum, dass ich nach langem Ringen mit meiner Angststörung wieder sehen und genießen konnte, wie viel Schönes es so gibt. Beispielsweise die Brücken über dem Mississippi in Minneapolis. Natürlich muss man selbst dafür sorgen, dass dieser Blick nicht durch externe Störfaktoren wieder eingetrübt wird, und in der auf den Stichtermin folgenden Zeit bin ich wieder ein Stück besser darin geworden, solche Störfaktoren auszusortieren. An all das erinnert mich dieses Tattoo und deswegen verliebe ich mich (ha!) jeden Tag aufs Neue mitten rein.

Laura van Tango 2
Foto: Liss Eulenherz Photography

KinKats: Was war dein erstes Konzert? Und hat es deinen Musikgeschmack beeinflusst?

Laura van Tango: Ich glaub, das war ein Wiesenfest, auf dem die damalige Band meines Papas auftrat und ein reißendes „Twist And Shout“ Cover spielte, haha. Selbst kann ich mich nicht mehr dran erinnern, ich war erst zwei Jahre alt, aber meine Mama erzählt immer, dass ich absolut begeistert war und wie irre mit dem Hintern wackelte. Wahrscheinlich hat es mich soweit beeinflusst, dass ich mich noch heute bei lauten Gitarren gut aufgehoben fühle. Und der Hang zum Booty Shaken ist auch geblieben. 

KinKats: Du schreibst für KinKats immer wieder über neue Punkrock Alben, stellst Bands vor, und du bist die Einzige, deren Youtube-Musik-Links auf Facebook mich nicht nur NICHT nerven, sondern mich immer wieder inspirieren. Woher kommt die Liebe zum Punkrock im Speziellen? 

Laura van Tango: Ein bisschen dreckig und dagegen find ich gut, seit ich denken kann. Wenn du dann noch als Klischeeaußenseiterin und Mobbingopfer mit bunten Haaren aufwächst, ist es leicht, sich in dieser Art Musik, speziell den entsprechenden Texten, zu Hause zu fühlen. Daraus ergab sich natürlich eine Art kulturelle Assoziationskette bezüglich anderer Medien, die ich so konsumierte. Ich fing an, Bücher über die Geschichte des Punkrocks und seine diversen Ausprägungen zu lesen, fand immer neue Interpreten und subkulturelle Künstler abseits der Musik, wie die Dichterin Jeanann Verlee. All das findet in mir immer wieder anklang. 

KinKats: Und wie steht es mit der Liebe zur Musik im Allgemeinen?

Laura van Tango: Die Liebe zur Musik im Allgemeinen kommt wohl daher, dass Musik in meinen Augen – beziehungsweise Ohren – es wie kein anderes Medium vermag, Gefühle oder Geschichten zu transportieren. Und das oft auf zweieinhalb bis sechs Minuten komprimiert. In so einem Album können ganze Welten liegen, und die fühlen sich für jeden Hörer anders an. Musik wächst und entwickelt sich mit den eigenen Erlebnissen, und so ein Song, den man vielleicht seit zehn Jahren liebt, kann begleiten wie ein guter Freund, mit dem man ein Fotoalbum durchblättert. Das ist schon was. 

KinKats: Welchen Stellenwert nimmt Musik in deinem Leben ein?

Laura van Tango: Puh. ‘Nen verdammt hohen. Ich wüsste gar nicht, was ich ohne mit meinem Leben und mir anstellen sollte. 

Laura van Tango 5
Foto: Salz Grafik

KinKats: Deine drei Lieblingsbands aller Zeiten?

Laura van Tango: Drei? Oje, Mimi, du machst mich fertig. Ich kann mich absolut nicht auf nur drei beschränken, daher hier drei Interpreten, die zu meinen Lieblingen zählen und die viele meiner Lieblingsbands vor allem auch maßgeblich beeinflusst haben: Bruce Springsteen & the E-Street Band,The Replacements und Bright Eyes.

KinKats: Ich habe dich mal bei einem Konzert in Berlin im Gespräch mit einem der Bandjungs gesehen. Wie viel Fangirl steckt in dir?

Laura van Tango: Hmm. Naja, ich hab ja angedeutet, wie viel Musik mir bedeutet. Menschen, die für die Songs verantwortlich sind, die mir am Herzen liegen, find ich dementsprechend interessant. Wenn sich da ab und an ein nettes Gespräch ergibt, in dem ich ein bisschen was über den Entstehungsprozess dieser Songs erfahre, die Geschichten dahinter oder ähnliches, macht mich das glücklich. Hartes Fangirl im Sinne von Quietschen und Hyperventilieren ist aber eher nicht so meins. Wäre fürs Gespräch ja auch hinderlich. 

KinKats: Vielleicht liege ich falsch, aber mir scheint, du feierst den Rockstar-Chic vergangener Zeiten und auch ein wenig die Riot Girl Attitude der Neunziger ab. Was begeistert dich daran? 

Laura van Tango: Da liegst du absolut richtig. Ich spiele gern mit den Attitüden verschiedener Stile, und ich denke, die Riot Grrrl Ausprägung ist mir davon tatsächlich am nächsten, etwas, worauf ich immer zurückkomme. Gerade weil die Politik dahinter so unglaublich wichtig ist. Was da Anfang der 90er in Olympia passiert ist, war so dringend notwendig und ist es noch heute. Frauen, die ihre Relevanz für die Szene nicht mehr zum Wohle fragiler männlicher Egos in den Schatten stellen und auf den ganzen sexistischen Bullshit aufmerksam gemacht haben. Das sollte so szene- und kulturübergreifend auch weiterhin stattfinden.

KinKats: Wieder eine Einschätzung, aber du wirkst auf mich, als wären Trends dir egal. Zum Beispiel wirkt dein Instagram Feed auf mich sehr unique, weniger durchdacht als die Feeds anderer Girls. Oder ist das Taktik? 🙂

Laura van Tango: Ach, ich bin viel zu faul, um da groß strategisch zu werden. Aber ich bewundere diese Girls ohne Ende. Wie viel ästhetisches Feingefühl da rein geht, so einen Stil flüssig aufrecht zu erhalten. Das beweist schon Skills in Konzeption und Umsetzung. Davon bin ich Riesenfan. 

KinKats: Wie wichtig sind dir soziale Medien?

Laura van Tango: Soziale Medien sind für mich zu einem gewissen Teil Mittel zum Zweck. Ich nutze sie, um mit interessanten Leuten ins Gespräch zu kommen, ein bisschen mehr von der Welt zu sehen. Dadurch kam ich überhaupt erst dazu, für KinKats schreiben zu können. Dass sich solche Gelegenheiten ergeben, nur weil ich nach Lust und Laune ein paar Facetten meiner Person online preisgebe, ist schon ein verdammt guter Deal.

KinKats: Wie stehst du zu den Begriffen #feminism #girlpower und #bodypositive? Beschäftigst du dich damit? 

Laura van Tango: Ich stehe komplett hinter allen drei Begriffen. Feminismus, also das Streben nach der Gleichberechtigung der Frauen, kann nur fruchten, wenn der Schaden, der durch zu lang bestehende oppressive Strukturen tief verwurzelt ist, durch eine gehörige Portion Empowerment bekämpft wird. Dazu gehört, dass Frauen – speziell die, die sich nicht in der privilegierten Position einer weißen, heterosexuellen Cis-Gender Frau (Anm. d. Red.: Also einer so genannten biologischen Frau) in einem wohlhabenden Staat befinden – in ihren Anliegen und der Ausübung beziehungsweise im Erkämpfen ihrer Rechte unterstützt und bestärkt werden. Dass die Talente junger Mädchen so früh wie möglich abseits ihrer Optik gefördert werden. Und hoffentlich irgendwann niemand mehr so einen Bullshit hören muss wie „Mathe ist nichts für Mädchen“. All sowas. Body Positivity ist mir im Zuge dessen sehr wichtig, weil all dieses Gelaber über perfekte Körper mir vorkommt wie Ablenkung, aus der auch noch Kapital geschlagen werden kann. Es gibt da diesen Spruch: „In a society that profits from your self doubt, liking yourself is a rebellious act“ – in einer Gesellschaft, die von deinen Selbstzweifeln profitiert, ist Selbstliebe ein Akt der Rebellion – und das ist so wahr! Man sorgt dafür, dass wir uns für gesunde Körper schämen, weil sie angeblich zu dünn, dick, blass oder dunkel sind, um dann Profit aus „Gegenmitteln“ zu schlagen. Weil wir uns folglich tagein, tagaus nur damit beschäftigen, uns darum zu sorgen, wie weit wir vom gesellschaftlichen Schönheitsstandard entfernt sind, können wir diesem System auch nicht weiter gefährlich werden. Und wir investieren vielleicht noch mehr Geld, weil wir über all diesen Psychoterror ernsthaft körperlich oder psychisch erkranken. Also ja, besser dem Patriarchat und dem Kapitalismus den Finger zeigen und sich selbst lieben lernen. Auch wenn’s schwer fällt. 

Laura van Tango 9
Foto: Sarahlikesprettygirls

KinKats: Gibt es etwas außer der Musik, für das du brennst? 

Laura van Tango: Ich vergesse bestimmt was. Ich liebe es, zu reisen, zu lesen (gerade lese ich Sady Doyles „Trainwreck“ – unglaublich interessante, feministische Lektüre, wo wir gerade beim Thema waren, Filme (gern überzogene Slasher!), Autos (besonders alte amerikanische, ein 67er Ford Mustang Convertible ist so ein bisschen mein Traum), das Meer, und Großstadtlichter in der Nacht. Davon krieg ich nicht genug.

KinKats:Wie würdest du deinen persönlichen Style beschreiben?

Laura van Tango: Konfus, mit rotem Lippenstift.

KinKats: Wer hat dir zuletzt ein Kompliment gemacht und für was?

Laura van Tango: Mein Freund. Für den Snack, den ich mir gerade gebastelt hab. Eine Minisalami in eine Scheibe Käse gerollt und mit Ketchup garniert. #foodie #gourmet „Guter Snack“, hat er gesagt.

KinKats: Und was findest du an dir selbst besonders attraktiv?

Laura van Tango: So rein optisch? Meinen Mund, meinen Bauch und meinen Po.

KinKats: Was fällt dir an einem Mann als Erstes auf? Und was geht so gar nicht?

Laura van Tango: Ich mag Strubbelhaare und Jeansjacken. Einen festen „Typ“ hab ich eigentlich nicht. Ist wohl wie mit der Musik – gern ein bisschen dreckig, bisschen dagegen. Humor, offene Gespräche und die Fähigkeit zur Selbstironie sind wichtig. Ignoranz, Passivität und ständige Nörgelei kann ich so gar nicht haben.

KinKats: Gibt es ein Kleidungsstück, das du niemals abgeben würdest?

Laura van Tango: Spontan fällt mir meine Fake Fur Leojacke ein. So trashig, so mein Ding. 

KinKats: Fleisch, vegan oder irgendwo dazwischen?

Laura van Tango: Meine Ernährungspyramide ist gerade eine einzige Müllhalde. 

KinKats: Wie sieht dein perfekter Tag aus?

Laura van Tango: Erstmal ausschlafen. Frühstücken bis nachmittags um drei, dabei laufen Cartoons oder Brooklyn Nine-Nine. Eine große Runde mit meinem Furbaby drehen. Pizza und Bier. Ein kleines Konzert einer unbekannten Band besuchen und feststellen, dass sie der absolut heiße Scheiß sind. Tequila trinken und mit meinen Lieblingsmenschen bis morgens durchtanzen.

KinKats: Hast du eine Ahnung, wo du dich selbst in zehn Jahren siehst? Oder lässt du einfach alles auf dich zukommen? 

Laura van Tango: Ich hab absolut keine Ahnung, höchstens Wünsche. Und eine Vorstellung von dem, was ich nicht will. Aber ich denke, wenn ich mich weiter an das halte, was sich gut und richtig anfühlt und das aussortiere, was dem entgegensteht, komme ich schon klar. Hauptsache gesund und halbwegs glücklich. 

KinKats: Dein Musiktipp für die KinKats Leser, jetzt in diesem Moment?

Laura van Tango: Hier läuft gerade Joyce Manors „S/T“, wer die noch nicht gehört hat, sollte sich dringend ransetzen. Außerdem freu ich mich auf Munas Debütalbum „About You“, das am 3. Februar erscheinen soll. Muna sind drei Mädels aus L.A., die extrem faszinierenden, originellen Dark-Pop mit einer ordentlichen Portion Riot Grrrl Spirit machen. Mein Dank gilt an dieser Stelle dem coolsten Boyfriend der Welt, der mir Muna energischst empfohlen hat.

Foto ganz oben: Sarahlikesprettygirls

Fotos in der Galerie:
Bilder 1 bis 3 und 6 bis 8: Liss Eulenherz Photographie
Bilder 4 und 5: Salz Grafik
Bilder 9 bis 13: Sarahlikesprettygirls

5 Responses
  1. Spannendes und informatives Interview mit tollen Bildern! Würde gerne mehr Artikel solcher Art lesen 😉

    1. Interviews wie das mit Laura haben wir in etwa einmal pro Woche 🙂 Oder meinst du Vorstellungen von Mitarbeitern?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *