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Kolja Wiese: Ich werde nicht älter, ich level nur

Ein Interview von Mimi Erhardt.

Schon, als ich vor Jahren nach Berlin kam, sprachen meine Girls immer wieder über IHN – Kolja Wiese. „Moah was, du kennst Kolja nicht? Den kennt doch jeder!“ „Der ist so mega schön.“ „Guter Typ.“ Ich habe Kolja bis heute nicht persönlich getroffen (na gut, einmal, aber davon weiß ich so gut wie nichts mehr), hin und wieder aber matchen wir uns bei Tinder und chatten ein wenig über dies und das. Weil das inzwischen ein bisschen Tradition hat, fand das Interview mit ihm natürlich auch nicht face to face, sondern per Messenger statt. Wir wollen ja trve bleiben.

KinKats: Mit deinem Rauschebart, deinen Tätowierungen und deinem Style fällst du ja eigentlich komplett in die Sparte Berliner Hipster. Aber ich finde, das passt nicht, dafür bist du zu.. erm.. lässig. Was sagst du selbst – Hipster oder Anti-Hipster?

Kolja Wiese: Naja, wenn ich jetzt schreibe, ich bin keiner, geht dit Geheule ja direkt wieder los. Ich glaube, das Wort Hipster benutzen Menschen, die am Rand ihrer Schubladendenken-Floskeln angekommen sind. Mich juckt das nicht. Wer mir auf den Sack geht, kriegt eh ‘ne Faust, hahah.

KinKats: Sind Trends überhaupt ein Ding für dich?

Kolja: Wenn’s um Videogames geht, ja. Ansonsten billo Skinny und schwarzer Hoodie seit Jahrzehnten. Ich finde Trends aber im Allgemeinen nicht schlecht, da, wenn sie vorbei sind, auch gute Überbleibsel zurückbleiben. Beispiel Veganismus – wenn ich zurück denke und das Veggie-Angebot in normalen Supermärkten heute mit vor fünf bis zehn Jahren vergleiche, ist es mir doch eher ein Freudiges zu sehen, dass die Regale nun auch für meine Essgewohnheiten gefüllt sind.

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KinKats: Was mir auf deinen Fotos aufgefallen ist: Dein Bart ist inzwischen ein bisschen angegraut. Wie fühlt sich Älterwerden für dich persönlich an?

Kolja: Ganz ehrlich, ich merke davon überhaupt nichts, hahaha. Als ich noch gesoffen habe, war der Kater dann doch ab und an für drei Tagen im Haus, aber ansonsten… Wie soll ich mich denn fühlen? Ich lebe nicht nach dem Kalender, sondern eher nach Aufgaben und Gewohnheiten. Guter Tag, schlechter Tag. So werde ich nämlich nicht älter, ich level einfach nur.

KinKats: Jeder in Berlin kennt dich, wenigstens alle, die ich kenne. Dabei kommst du gar nicht aus Berlin.. erzähl mal was über deinen Background.

Kolja: Puuuuh, long Story. Ich bin vor knapp zwölf Jahren in die Stadt gekommen und habe hier meine Homebase gefunden. Gebürtig bin ich ein verschissener Leverkusener, aber jeder, der mal da war, weiß: Ein One Way Ticket reicht. Bin mit 13 von zu Hause weg, jahrelang einen auf Punker gemacht und dann irgendwann von Köln aus auf die Kanaren, da war ich so 16. Über Münster ging es weiter nach Berlin, zwischendurch in Barcelona gelebt und auch so ab und an mal für ein paar Monate weg. Was mich aber immer wieder nach Berlin zurück zieht, ist die Gewissheit, dass es einen Platz gibt, an dem ich sein kann, wie ich will. In Münster stößt man schon relativ schnell an seine Grenzen, sowohl beruflich, als auch spirituell. Berlin gibt mir die Möglichkeit, mich aus dem Kleinkarierten zu lösen und meine persönliche Anarchie zu feiern.

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Kinkats: Lerche oder Eule?

Kolja: Eule.

KinKats: Unsere besten Gespräche hatten wir auf Tinder. Was suchst du da? Wifey material, fuck girls, Abhäng-Buddys?

Kolja: Tinder ist das, was du daraus machst. Ich lerne ja auch so Leute kennen und hol nicht direkt meinen Pimmel raus.

KinKats: Gibt es etwas, für das du brennst?

Kolja: Ich bin ein Ultra Nerd. Mein Sammelsurium zählt mittlerweile 28 Konsolen, die natürlich gefüttert werden müssen. Mein Zimmer sieht aus wie ein Urwald aus Actionfiguren und Games. Wir haben auch einen eigenen Gamingchannel, Nerdistan, wo wir unserer Leidenschaft frönen. Klingt komisch, ist auch so.

KinKats: Wie würdest du deinen persönlichen Style beschreiben?

Kolja: Schwarz.

KinKats: Wer hat dir zuletzt ein Kompliment gemacht und für was?

Kolja: Isa gerade eben, weil ich so toll nach Salbe rieche.

KinKats: Und was findest du an dir selbst besonders attraktiv?

Kolja: Dass ich mich nicht verstelle. Damit fliegst du entweder auf die Fresse oder fliegst ganz weit oben.

KinKats: Was fällt dir an einer Frau als Erstes auf, worauf stehst du? Und was geht so gar nicht?

Kolja: Rein vom Äußerlichen steh ich schon auf skinny Girls mit langen Haaren. Wenn die aber dann den Mund aufmachen und nur Brot rauskommt, bin ich weg.

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KinKats: Gibt es ein Kleidungsstück, das du niemals abgeben würdest?

Kolja: Nö, ich bin nicht so das Materialgirl. Maybe meine in der Cloud gesavten Spielspeicherstände…

KinKats: Fleisch, vegan oder irgendwo dazwischen?

Kolja: Hier wird nichts gegessen, was ein Auge hat. Ich persönlich nehme mir nicht das Recht raus zu töten, nur weil ich zu faul bin, meine Ernährung umzustellen.

KinKats: Wie sieht ein perfekter Tag für Kolja Wiese aus?

Kolja: Das kann ich gar nicht so pauschalisieren. Ich mag Natur und Musik, genauso wie Pizza, Weed und Vögeln. Denke, das jeden Tag ‘ne andere Priorität haben, sonst wird’s langweilig.

KinKats: Any last words?

Kolja: #untenrum

Schon am fangirlen? Hier geht‘s zu Nerdistan, dem Youtube Gamingchannel von Kolja Wiese.
Fotos: Gili Shani

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4 Responses
  1. Wooohooo ist ein interessanter Typ…. Fein geschriez

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