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Tätowierer Jakub Settgast: Demut und Respekt

Jakub Settgast ist so etwas wie der Fels in der wilden Tätowierbrandung Berlins. Ganz gleich, welche Tattoo Artists eine Saison lang gehyped werden oder welche Stilrichtung gerade als fancy gilt – Jakub gibt einen Scheiß auf Trends, und das ist gut so. Stattdessen setzt der Tätowierer mit polnischen Wurzeln auf einwandfreies Handwerk und auf Respekt seinen Kunden und der Geschichte der Tätowierkunst gegenüber. Riesen Typ, in jeder Hinsicht. Wir stellen euch den guten Mann vor.

KinKats: Hey Jakub. Wir kennen uns ja schon eine Weile, und in der Berliner Tätowierszene bist du eine Institution. Aber erzähl doch mal den Tätowierneulingen aus Oer-Erkenschwick und Bielefeld, wer du bist, was du machst.

Jakub Settgast: Ich heiße Jakub Settgast und tätowiere seit 2001. In Berlin bin ich seit 2010 tätig. Davor habe ich in Hamburg, London und Krakau tätowiert. Ich bin viel gereist und habe häufig als Gasttätowierer gearbeitet. Bis Ende des Jahres bin ich noch bei meinem Freund Uncle Allan im Studio Conspiracy Inc. zu finden, und ab Januar fange ich bei Pechschwarz Tattoo an. Ich mag schöne Frauen und Choppers.

KinKats: Wie hast du mit dem Tätowieren angefangen?

Jakub Settgast: Das war noch in Polen. Der Tätowierer, der mich als Erster tätowiert hat, hat mir erlaubt, bei ihm „rumzuhängen”. Dann kam die typische, traditionelle Ausbildung. Ich habe alles gemacht, was im Laden so anfiel: Aufräumen, abwaschen, Griffstücke putzen, Nadeln löten, viel Zeichnen – alles außer Tätowieren. Und alles umsonst. Nachts habe ich gearbeitet, tagsüber war ich im Laden. Ich würde das in keinem Fall anders machen wollen – diese Zeit hat mich Demut und Respekt für das Tätowieren gelehrt.

13308185_822579284543482_4506120806871662394_oKinKats: Wenn ich mir dein Portfolio so ansehe, ist dein Stil sehr clean, fein, schwarz. Wie würdest du deinen persönlichen Stil beschreiben? Was hebt dich von anderen ab?

Jakub Settgast: Ich mag nicht, wenn Tätowierer sagen, dass sie einen Stil haben. Niemand von uns hat das Rad neu erfunden, alles, was wir machen, hat jemand auf Papier oder auf Haut schon vor uns gemacht. Wir machen Tattoos in verschiedenen Stilen – in meinen Fall ist es Fineline. Fineline kommt von der Westküste der USA, aus der Latino-Kultur. Eigentlich ist der Fineline-Stil auf Knasttätowierungen zurückzuführen. Im Knast gab es keine unterschiedlichen Nadelstärken, sondern eine „Nadel” für Linien, Schattierungen und zum Ausfüllen. Es gab keine Farben außer Schwarz, denn nur Schwarz war im Knast relativ einfach zu produzieren. Das haben Tätowierer wie Jack Rudy übernommen, modifiziert und einen Tick professioneller gemacht. Ich arbeite viel mit sehr kleinen Linernadeln und Single Needle – das ist, was mich aus der Menge heraushebt. Nur sehr wenige Tätowierer in Europa benutzen Liner für ganze Tattoos und noch weniger Single Needle. Ich versuche, das Alte mit Neuem zu verbinden, moderne Motive auf Fineline Art zu machen, weniger Knast, dafür romantischer. 

screen-shot-2016-11-24-at-20-44-03KinKats: Der Trend in der Tätowierszene geht momentan zur Spezialisierung: Blackwork, graphische Tätowierungen, Watercolour, Traditional.. was hältst du von dieser Entwicklung?

Jakub Settgast: Als ich angefangen habe, waren die besten (und ausgebuchten) Tätowierer die, die fast alles machen konnten, deshalb habe ich auch fast alles gelernt. Jetzt musst du speziell sein, einen „eigenen Stil” haben. Ich habe mich vor ein paar Jahren in diese Fineline Geschichte verliebt und die auch in den letzten zwei Jahren gepusht. Jetzt läuft’s endlich, und man kann sagen, dass ich mich auf Fineline spezialisiert habe. Vorher habe ich viel Western Traditionals gemacht, aber jetzt macht die jeder zweite Azubi für ein Drittel des normalen Preis. Alles evolviert, entwickelt sich weiter, auch die Tattoo Szene. 

KinKats: Ist dieser Trend zur Spezialisierung – in deinen Augen – eine gute Entwicklung? 

Jakub Settgast: Ob es gut ist, dass sich jeder spezialisiert, weiß ich nicht. Es erlaubt uns, unser Handwerk in eine Richtung gehend besser zu meistern. Aber es erlaubt auch Menschen, die nicht wirklich tätowieren können, sich hinter einem Stil zu verstecken und statt „Ich kann das nicht tätowieren” zu sagen: „Sorry, aber das ist nicht mein Stil.”

15068904_918788904922519_8386912089130510417_oKinKats: Siehst du dich eher als Handwerker und Dienstleister oder als Künstler? Und: Wie viel haben deine Kunden bei dir mitzureden? Es gibt ja einige Tätowierer, die ihre Kunden vor allem als Leinwand sehen, auf der sie ihre Visionen ausleben.

Jakub Settgast: Ich sage immer, dass Tätowieren aus eben diesen drei Bereichen besteht, und die sollten so gut wie möglich auf einem Level sein. Ich bin Handwerker, Dienstleister und Künstler. Kunden behandle ich so, wie ich selbst behandelt werden möchte. Wer will schon von einem Arschloch tätowiert werden, nur weil er „geile Sachen macht”? Ich erfülle die Wünsche meiner Kunden, helfe bei Entscheidungen, bei der Motivauswahl, der Plazierung, der Größe und ähnlichen Fragen. Und zwar, weil ich über 15 Jahre Erfahrung verfüge – nicht, weil ich egozentrisch bin. Meine Kunden haben auf jeden Fall ein großes Mitspracherecht, die müssen die Tattoos doch bis zum Ende ihres Lebens tragen und damit glücklich sein. Auf einer Leinwand kannst du kompromisslos sein und zwar nur auf der Leinwand. Alles andere ist für mich nicht akzeptabel. Ich halte nicht viel von Tätowierern, die „My way or the highway” sagen. Ich habe sehr viel Glück und bin sehr dankbar, weil ich wundervolle Kunden habe, die mir viel Vertrauen entgegen bringen und mir viel Freiraum lassen. Deswegen läuft das alles seit Jahren reibungslos, und ich würde mich nie beschweren. Wenn du als Tätowierer jede zweite Sache ablehnst, solltest du vielleicht kein Tätowierer sein.

15107230_918396414961768_2135573927530399490_nKinKats: Was ist dein nächstes eigenes Tattoo?

Jakub Settgast: Ich arbeite viel und bin nach einer längeren Pause gerade viel mit verschiedenen Kunst- und Designprojekten beschäftigt, deswegen kommt so etwas meistens sehr spontan.

KinKats: Gibt es jemandem, von dem du gerne eine Tätowierung hättest?

Jakub Settgast: Ja, gibt es. Jack Rudy und Scott Campbell.

KinKats: Ich sehe immer wieder superjunge Menschen, die sich ganz gezielt und sehr schnell dicht hacken lassen. Was ich schade finde, da so das Sammeln flachfällt, das das Tätowieren über Jahre so mit sich bringt. Wie siehst du das?

Jakub Settgast: Wenn die alles von mir haben, finde Ich das vollkommen okay, haha! Und ganz ehrlich – ich konzentriere mich lieber auf meine Familie, meine Kunst und Tätowierungen, anstatt auf das, was die anderen machen. Jedem das Seine, live and let live.

KinKats: Any last words? 

Jakub Settgast: Seid lieb zu einander. Peace out.

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4 Responses
  1. Ich habe selbst ein recht großes Tattoo von Jakub auf meinem Rücken. Nicht nur dass ich selbst total verliebt in dieses Kunstwerk bin, ich bekomme auch sehr viele Komplimente dafür und werde dann sofort gefragt von wem das ist. 🙂
    Ich bin ein sehr großer Fan von Jakubs Arbeiten und würde jedem empfehlen sich seine Kunstwerke mal an zu sehen.

    LG

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