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Balance And Composure – Light We Made: Lauwarmes aus der Dose

Eine Review von Laura van Tango.

Es ist die hässliche Seite des Musikjournalismus, die vom bisherigen Werdegang einer Band stark abweichenden neuen Ambitionen zu verteufeln. Und doch bleibt bei den ersten drei Durchläufen des neuen Balance And Composure Albums Light We Made kaum eine andere Wahl. Der Opener „Midnight Zone“ startet Balance And Composure-untypisch sphärisch und hip, was zweifelsohne glänzend funktionieren kann. Das tut es nicht.

Im Hinterkopf das Wissen um B&Cs Wechsel zum kalifornischen Label Vagrant, die auch das Popphänomen The 1975 betreuen, drängen sich unschöne Klischees zu Profitgier und Marionetten auf.

Wie es zum neuen Sound der einstigen Postpunk Band kam, ist im Grunde irrelevant. Fest steht, dass von ihren Vorgänger-Werken Separation und dem bemerkenswerten The Things We Think We’re Missing nicht mehr viel erkennbar ist.

balanceandcompsure_lightwemade_900Eine „sonic progression“, also eine klangliche Entwicklung, haben Balance And Composure angekündigt und damit nicht untertrieben. Wer das Album in froher Erwartung unaufgeräumter, roher Gitarren und treibender Grunge-Punk Melodien, gebrochen durch mal chaotische, mal tighte Drums ersteht, wird vermutlich enttäuscht. Nicht nur der instrumentale Sound ist cleaner und elektrolastiger, auch Jon Simmons Gesang wirkt kontrollierter und beinahe poliert. Und tatsächlich ist wohl eine der deutlichsten Entwicklungen, dass das für Balance And Composure so charakteristische Geschrei völlig jenem Gesang weichen musste.

Die sonst so dringliche emotionale Verletzlichkeit bleibt hierbei auf der Strecke, der Wunsch nach „mehr“ wird durch ausgesprochen stilisierte Kompositionen nur verstärkt. Persönlicher Tiefpunkt des Albums ist „For A Walk“, das so sehr nach aufgewärmter Konserve klingt, dass jeder, der dafür Geld ausgegeben hat, sich persönlich beleidigt fühlen müsste.

B&C sind nicht mehr der dürre Pitbull in einer Gasse Pennsylvanias, der aus purem Hunger und Verzweiflung jeden Kampf gewinnt. Light We Made klingt nach frisiertem Pudel. Man muss den Jungs zu Gute halten, dass sie mit dem Teaser „Postcard“ keine falschen Versprechungen eingingen. Light We Made wird ihnen, nicht zuletzt wegen eines deutlich hörbaren Radiohead-Einschlags, vermutlich eine neue Fanbase eröffnen. Dabei ist ihnen Erfolg zu wünschen, denn ein dürrer Pitbull verdient schließlich irgendwann ein Festmahl.

Balance And Composure – Light We Made
Erschienen am 4. November 2016
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