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Asp von ASP: Große Cliffhanger und kleine, feine Shows

Ein Interview von Micha.

ASP sind seit nunmehr 17 Jahren auf sämtlichen Bühnen unterwegs mit ihrem Gothic Novel Rock. Der Einfachheit halber wird ASP immer wieder in die Schwarze Szene verortet, doch ist das nur die halbe Wahrheit. Ihre Musik könnte man als eine mit Synthesizern und Keybords intensivierte Rockmusik umschreiben. Dabei geht es noch deutlich tiefer. Mit Anleihen von Liedermachern über Folkrock bis zum Metal verweben ASP die einzelnen Elemente zu ihrem ganz eigenem Sound. So schaffen ASP es mühelos, sowohl auf dem WGT als auch in Wacken auf ganzer Linie zu überzeugen. Im Gegensatz zu vielen Bands aus diesem Bereich, haben ASP nie davor zurückgescheut, den Finger tief in die Wunden der Gesellschaft zu drücken, finden dabei aber immer wohlbedachte Worte. An einem ungemütlichen Nachmittag in Erfurt hatte ich 15 Minuten Zeit, um mit Frontmann Asp zu sprechen. In gemütlicher Runde – aus den 15 Minuten wurden 30 – unterhielten wir uns über Shows in intimer Runde, unverständliche Menschen und den ganz normalen Wahnsinn im Musikbiz.

KinKats: Ihr seid Schwerstarbeiter in Sachen Musik, und tatsächlich hast du dich eine Zeit lang von allem zurückgezogen. Mein aktueller Eindruck ist jedoch, dass du inzwischen genauso hart arbeitest wie vorher, vielleicht sogar noch mehr. 

Asp: Ja ja, der ganze Output. Das grundsätzliche Problem bei Künstlern ist, dass das mit dem „weniger arbeiten“ erst einmal funktionieren muss. Da gibt es zwei Probleme. Das Erste nenne ich jetzt mal ganz blöd „künstlerisches Sendungsbewusstsein“. Man möchte Geschichten erzählen, Musik machen, Texte schreiben. Auf der anderen Seite glaube ich, dass Musiker dazu neigen, zu vergessen, was alles mit diesem Prozess zusammenhängt. Sprich: Texte schreiben und Musik machen ist eigentlich der kleinste Teil des Jobs. Bei mir ist es so, dass die Sachen, die mir Freude machen, schnell das überlagern, was sonst noch dazu kommt: Die Organisation, Konzepte für eine neue Tournee erstellen und so weiter. Ich denke, ich arbeite so viel, weil ich noch so viel zu erzählen habe. Ich möchte noch ganz viele Alben machen.

KinKats: Wie wäre es, wenn ihr es alles ein wenig langsamer angeht?

Asp: Wenn man erst so spät in die Karriere eingestiegen ist wie ich, hat man noch mehr das Gefühl, dass man keine Zeit hat, das alles zu Ende zu bringen, was man noch so vorhat. Tatsächlich denke ich, man hätte viele Sachen anders machen können, hätte man sie ein wenig gesünder, egoistischer, angelegt. Wir haben zum Beispiel die zwei Teile des „Verfallen“-Erzählstoffes relativ schnell hintereinander veröffentlicht. Weil ich das Gefühl hatte, es ist unverschämt, die Fans warten zu lassen, wenn man so einen Zweiteiler beginnt und Teil eins mit einem Cliffhanger beendet. Klüger und wirtschaftlicher wäre es gewesen, sich zwischen den zwei Teilen mehr als ein Jahr Zeit zu lassen.

k_006-asp-erfurtstadtgarten2016-fotoglut-161022KinKats: In den Ankündigungen zu eurer Tour steht, dass ihr mehr auf das Zeitgeschehen eingeht – eine ziemliche Planänderung. Habt ihr das komplette Setup umgeschmissen oder nur einzelne Lieder ausgetauscht?

KinKats: Wo bunkert ihr eigentlich eure Millionen, jetzt in Zeiten des Niedrigzinses? Oder anders: In Internetdiskussionen kommen immer mal wieder Kommerzvorwürfe gegen ASP auf…

Asp: Ist das so? Ich habe nicht die geringste Ahnung, woran man Kommerz fest macht. Ich habe auch keine Ahnung, ob das nicht nur eine Parole ist, wenn einem gerade etwas nicht am Künstler passt. Genau wie der Vorwurf, „Mainstream“ zu sein, auch so ein Schlagwort, das schnell fällt. Wenn man sich unsere letzten Veröffentlichungen ansieht, denke ich nicht, dass wir uns ins Gefälligere entwickelt haben. Und wenn es so wäre, frage ich mich, warum auf der anderen Seite so viele Kritiker stehen. Das widerspricht sich, das ist paradox. Derartige Vorwürfe sind mir mittlerweile aber egal. Denn ich habe es nach fast 20 Jahren Karriere mit ASP noch nicht geschafft, ausgesorgt oder ein dickes Bankkonto zu haben. Ich muss jeden Tag meines Lebens arbeiten, für das, was ich mache. Wenn ich mich mit all den Kritikern mal unterhalten könnte, würdew ich sie fragen, wie viele Tage sie in diesem Jahr freihatten und nicht arbeiten mussten. Bei mir waren es in diesem Jahr insgesamt zehn Tage, die ich frei hatte. Zehn. Und da sind alle Wochenenden schon mit eingerechnet. Ich arbeite auch sonntags, samstags – ich arbeite eigentlich immer. Nur damit es gerade so reicht. Natürlich wär es für mich total brillant, wenn etwas passieren würde, das mir die Sorge vorm Älterwerden nimmt, davor, dass irgendwann niemand mehr etwas kaufen möchte. Aber das passiert nicht.

KinKats: Apropos 20 Jahre – ASP werden bald volljährig. Habt ihr etwas geplant?

Asp: Du liebe Zeit… Vielleicht geht es dir ja ähnlich wie mir: Wenn man in ein bestimmtes Alter kommt, hat man das Gefühl, die Geburtstage kommen und gehen immer schneller, mit jedem Jahr deiner Existenz. Wir hatten doch gerade dieses 15-Jahre-Ding laufen, und jetzt sind es schon fast 20 Jahre! Mich erschreckt das ein bisschen. Ich mache nur noch die ganz großen, runden Geburtstage mit. Sonst feiern wir ja nur noch! Dafür habe ich zu viel richtige Arbeit. Allerdings – volljährig werden ist natürlich schwierig, weil wir ja gleichzeitig nie erwachsen werden. 

KinKats: Seht es als Geschenk an. Wenn es soweit ist, spielt ihr wieder in Wacken. Das letzte Mal wart ihr 2013 da, und wir haben uns damals gefragt, was wohl passiert, wenn ASP auf die Bühne des WOA kommen…

Asp: Ich kann das nicht so verstehen. Ich weiß zwar, dass die Metalgemeinde im Allgemeinen als extrem konservativ gilt, was die Ausrichtung und Wahrhaftigkeit der Musik angeht. Aber ich fand schon immer, dass unsere Musik da sehr gut rein passt. Das mag an der Härte und den Gitarren liegen. Und ich habe eigentlich immer gute Erfahrungen gemacht, auch auf dem Summerbreeze Festival. Klar, da steht immer eine Reihe ganz hinten mit verschränkten Armen, die schmollen dann und sagen: „Was wollen die hier, das ist unser Haus.“ Aber der Rest lässt sich doch gut ein auf uns. Es bleibt ihnen ja auch nichts anderes übrig, wo sollen sie auch hingehen, wenn es laut von der Bühne kommt (lacht)? Aber wir haben wirklich supergute Erfahrungen gemacht, und ich glaube, das liegt auch daran, dass ich seit meiner Jugend auch Metalfan bin. Ich liebe Heavy Metal, und ich fühle mich da zu Hause, und genau so gehe ich auf die Bühne und strahle das aus. Ich habe tatsächlich nicht das Gefühl, dass wir Fremdkörper sind, sondern einfach eine weitere Facette der Sache.

KinKats: Es gibt also keine Berührungsängste?

Asp: Nein, meinerseits gar nicht. Und ich muss auch die Metalfans ein bisschen loben. Ich finde, sie sind bei aller Verbissenheit am Ende doch sehr tolerant.

k_005-asp-erfurtstadtgarten2016-fotoglut-161022KinKats: Diese Verbissenheit sehe ich eher beim Nachwuchs, der alles wieder in Schienen drängen will. Ich hatte im Metal immer zwei Schienen: Ist gut, ist nicht gut.

Asp: Das sollte man bei jeder Musik so machen.

KinKats: Als ich angefangen habe, Metal zu hören, gab es „Glamrock, Hairmetal oder so ähnlich“ und die härteren Sachen. Wenn ich heute in so eine Genreliste schaue, ist das der Wahnsinn. Damit habe ich mich, ehrlich gesagt, nie wirklich mit beschäftigt.

Asp: Ja, und die Schubladen werden immer kleiner (lacht). Das ist aber überall so, nicht nur im Metalbereich. Dabei kann man sich doch etwas anhören und es entweder geil finden oder nicht. 

KinKats: Dass ihr wieder in Wacken auftreten und Angst und Schrecken unter den Trueness-Fans verbreiten werdet, haben wir geklärt. Was kommt noch in nächster Zeit?

Asp: (holt tief Luft) Vieles darf ich noch nicht verraten. Im nächsten Jahr werden wir ein sehr kleines Festival Besteck haben, also Wacken und das M’ERA LUNA. Dafür werden wir im Frühjahr etwas ganz anderes machen. Wir werden mit der „Rar und Pur“-Konzertreihe nochmal auf die Bühne gehen. Während unseres Jubiläums haben wir an einem Tag eine komplette Rockshow gespielt und am nächsten Tag im selben Laden eine „Rar und Pur“-Show. Das ist keine Unpluged-Umsetzung, sondern eine Semiakustik-Umsetzung. Heißt, wir haben unsere Zuspieler und die elektronischen Elemente nicht mit dabei und müssen versuchen, das alles mit handgemachter Musik umzusetzen. Die Begeisterung war extrem groß. Nicht nur bei den Fans, sondern auch bei uns. Wir haben dadurch Möglichkeiten gefunden, die für uns musikalisch ein bisschen ungewöhnlich und ganz anders sind und uns ganz anders gefordert haben. Das wollten wir unbedingt nochmal machen, und das werden wir im Frühjahr tun, und zwar nur das. In kleineren Clubs bringen, mit kleinerem Publikum und einer intimeren Atmosphäre.

KinKats: Als eine Art Geschenk an eure Fans?

Asp: Wir wollen das machen, was sich die Leute seit vielen Jahren von uns wünschen. Weil ich ja so unglaublich arrogant geworden bin und mich nach den Konzerten ungern noch Zugluft und Grippebazillen aussetze und nach den Shows nicht mehr so gerne rauskomme. Nach zwei Stunden ASP-Konzert Extrem überfordert mich das. Wir haben das das Ganze jetzt so angelegt, dass wir nach dem Konzert eine schöne, gesittet Autogrammstunde für die Leute anbieten. Und ich denke, dadurch, dass nicht tausende Leute da sein werden, kann man das einfach mal machen. Ja, das wird alles passieren, und währenddessen werde ich versuchen, immer weiter das neue Album zu schreiben.

KinKats: Dann danke ich dir für die Zeit, die du dir genommen hast. Die berühmten letzten Worte gehören dir.

Asp: Unterstützt eure Künstler! Wer auch immer das ist: ALLE Musiker brauchen eure Unterstützung!

Livefotos: Musikglut

Das komplette Interview könnt ihr euch auch nochmal auf Youtube anschauen. Danke an Micha von Musikglut 🙂

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