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Nekromantix: „Psychobilly hat bessere Zeiten gesehen!“

Ein Interview von Thorsten Wilms.

Mit ihrem neuen Album „A Symphony of Wolf Tones & Ghost Notes“ im Gepäck, wirken die Nekromantix frischer als zuletzt und scheinen damit weit entfernt vom traurigen Zustand einiger älterer Psychobilly-Heroen. Ein enthusiastischer Kim Nekroman scheint jedenfalls noch mächtig Lust auf Sound und Szene zu haben und diktierte KinKats beim Interview einige positive Antworten ins Mikro. Dass aber im Psychobilly nicht alles Gold ist, was einen Kontrabass bedienen kann, weiß auch der Nekromantix-Sänger.

KinKats: Nekromantix klingen auch auf „A Symphony of Wolf Tones & Ghost Notes“ eben wie Nekromantix. Es zieht jedoch ein etwas raueres Flair durch die Songs des neuen Albums als beispielsweise auf den Scheiben der frühen 2000er, die euch einem größeren Publikum bekannt machten. Wie siehst du das neue Werk im Kontext der Bandhistorie?

Kim Nekroman: Für mich ist es natürlich sehr schwierig, meine Songs objektiv zu beurteilen. Ich finde, wir haben das gemacht, was wir immer machen (lacht). Aber ich stimme dir zu, dass diese Scheibe einen klassischeren Vibe hat, aber dabei auch neue Impulse aufgreift. So gesehen ist es eine Mischung aus allem, was wir je gemacht haben. Aber natürlich haben wir weiterhin ein paar schöne „Love Songs“ im Gepäck.

KinKats: In der Tat wirkt das Album zwar roher, hat aber mehr Ohrwürmer am Start als der mäßige Vorgänger…

Kim: Ich glaube wir haben einfach einen guten „Flow“ für dieses Album erreicht. Die Songs funktionieren richtig gut zusammen. Natürlich versuchen wir immer, so gut wie möglich zu sein, aber manchmal hat man einfach mehr Glück als sonst. Trotzdem bin ich stolz auf alles, was wir je veröffentlicht haben, da jedes Album eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort in der Bandgeschichte abbildet.

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KinKats: Du hast mal wieder ein neues Line-Up zusammengestellt. Wie schaffst du es, quasi auf jedem neueren Album immer wieder dieses Maß an Vertrauen und Freundschaft in der Band zu generieren, das nötig ist, um gut zu arbeiten?

Kim: Eine gute Stimmung in der Band ist wichtig. Wenn Leute einfach super sind, ist es egal, ob sie länger dabei oder ganz frisch sind. Bands wechseln ja auch ständig die Crew, und mit denen verbringt man genauso viel Zeit wie mit den Bandmitgliedern. Menschen kommen und gehen, aus ganz verschiedenen Gründen. Das Leben „on the road“ ist einfach nicht für jeden etwas.

KinKats: Deine neuen Bandmitglieder stammen aus der Latino-Kultur Los Angeles’. Generell ist Psychobilly in den US stark von Latinos beeinflusst. Wie klappt das mit dir als gebürtigem Dänen?

Kim: Ich glaube, dass das eigentlich nur auf Süd-Kalifornien und Texas zutrifft, im Rest der USA ist das ganz anders. Die United States sind ein multikultureller Ort, und ich komme eben aus Skandinavien. Am Ende geht es darum, seinen Mitmenschen Respekt entgegen zu bringen und verschiedene kulturelle Einflüsse als exotisch und interessant anzunehmen. Wir können alle voneinander lernen. Ich habe jahrelang in hispanisch bevölkerten Gegenden von Los Angeles gelebt, dadurch lernt man, andere Kulturen und die Unterschiede zur eigenen zu verstehen und zu lieben.

KinKats: Deine Bandmitglieder haben zuletzt häufiger gewechselt als bei vielen länger aktiven Bands der Psycho-Szene. Oft ist nur noch der Sänger original, der Rest wechselt alle paar Jahre.

Kim: Wenn du dir die Punk-Szene anschaust, ist das nicht viel anders. Für mich ist das alles nicht wichtig, wenn die Band ihren Stil und ihre Qualität bewahrt. Das ist mir lieber, als wenn die Bands sich auflösen.

KinKats: Was treiben denn deine Ex-Bandmitglieder, die Sandorff Brüder, derzeit?

Kim: Sie sind daheim in Dänemark und haben ihre Band Hola Ghost.

KinKats: Wie würdest du generell den Zustand der Psychobilly-Szene beschreiben?

Kim: Psychobilly hat definitiv bessere Zeiten gesehen. Wir benötigen dringend frisches Blut. Das durchschnittliche Alter der Protagonisten steigt und steigt, und es gibt kaum genügend originelle Bands in der Szene. Mir fällt auf, dass die neuen Bands krampfhaft versuchen, den Psychobilly-Stil der 80er zu kopieren. Das war damals neu und frisch, bewusst nicht alt. Da frage ich mich, warum Bands heute unbedingt „old school“, also quasi alt und schon da gewesen, klingen wollen.

KinKats: Die Horrorpops, die Band, die du mit deiner Frau zusammen hast und die sehr erfolgreich war, schaffte es, neu und anders zu klingen und viele Kopien zu generieren. Wie ist heute der Stand bei den Horrorpops?

Kim: Die Band ist derzeit in einer längeren Pause. Unser Drummer ist zurück in Dänemark, und wir haben uns einfach nicht inspiriert gefühlt, neue Songs zu schreiben oder zu touren. Wir spielen der Liebe zur Musik wegen, nicht, weil wir es müssen. Bis also die Inspiration wieder da ist, bleiben wir ruhig.

KinKats: Wie war es denn, eine Band mit der Ehefrau zu haben? Nicht nur zusammen zu leben, sondern auch das durchaus anstrengende Tourleben zu teilen?

Kim: Einfach toll, eine perfekte Situation, da wir zusammen unterwegs und nicht getrennt waren.

KinKats: Wie hast du den nachfolgenden Hype um „Female-fronted Psychobillybands“ empfunden?

Kim: Ich finde das klasse. Nicht nur die Female-fronted Bands, sondern die Tatsache generell, dass Frauen in der Musik als absolut gleichwertig gesehen werden.

KinKats: Du bist seit Jahrzehnten „on the road“. Wenn es Bands gebe, mit denen du mal touren wollen oder die du sogar supporten würdest, welche wären das?

Kim: Ich war mit so vielen Bands unterwegs, da fällt mir eine Antwort schwer. Aber ich glaube, es wäre verdammt cool, mit King Diamond oder Depeche Mode zu touren.

KinKats: Hast du irgendwann, nach all den Jahren, mal genug vom Touren, vom Sound, vom Lifestyle?

Kim: Neee, ich liebe jede Minute davon. Wenn das Touren zu anstrengend wird, nehmen wir eben wieder eine Platte auf. Ich sehe Psychobilly auch gar nicht so sehr als eigenes musikalisches Genre, sondern sehe alles, was mit Billy zu tun hat, als gemeinsame Subkultur. Vom Neo-Rockabilly bis hin zu den Metal Billy Sachen. Ich mag das alles!

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