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Cold Years: Sehnsüchtige Gitarren und Punkrock-Hymnen

Porträt von Laura van Tango

Die wohl häufigste Bemerkung über den Sound von Cold Years aus Schottland ist wohl, wie wenig sie nach dem Nordosten Schottlands, wie sehr sie stattdessen nach dem Nordosten der USA klingen. Die offensichtlichen Gleichnisse, die zwangsläufig The Gaslight Anthem und Springsteen involvieren, müssen nicht wiederholt werden. Viel interessanter ist, wie die fünf Jungs sich in einer Genrespielrichtung etabliert haben, die gerade in den letzten Jahren bemerkenswerten Zulauf erhielt. 

Es sei weit weniger eine bewusste Entscheidung gewesen als vielmehr pure Leidenschaft für diese Art von Musik, die Cold Years in diese Richtung getragen hat, so Gitarrist und Sänger Ross Gordon. In Bezug auf die Heimat der Band und dem damit assoziierten „Aberdeen Sound” sagt er: „Ich denke, wir machen etwas Neues. Die Idee hinter dieser Band war es, Musik zu machen, die wir mögen. Kürzlich las ich etwas, das einer meiner Lieblingskünstler mal sagte: ,Tu, was du tun willst. Kümmere dich nicht darum, was andere Leute anstellen.’ Das ist der Ethos, den wir mit dieser Band konsequent verfolgen. Wir versuchen nicht, uns irgendwo anzupassen und scheuen uns nicht, Neues zu anzugehen.”

So simpel und grandios wie dieser Ethos sich erweist, ist auch die Entstehungsgeschichte der Cold Years. „Naja, um es kurz zu machen: Wir waren betrunken”, beginnt Ross. „Ich hatte bereits alle Songs des Albums, das ,Mile Marker’ werden sollte, fertig auf dem Handy und keine wirkliche Idee, was ich damit anfangen sollte. Eines Nachts waren wir alle wegen des Geburtstags eines Freundes in einer Bar. Wir kannten uns aus verschiedenen, früheren Bands und waren daher schon gut befreundet. Irgendwie sagte ich dann: ,Hey, wollt ihr in einer Band spielen, die wahrscheinlich komplett anders klingt, als alles, was ihr vorher so gespielt habt?’ Ich kann mich nicht mehr wirklich an den Rest erinnern, aber alle waren dabei, also muss ich wohl das Richtige gesagt haben.”

Und darüber sollte man froh sein. An ihrem melodischen Sound, irgendwo zwischen Blues und Punkrock, hat man vom ersten Takt an Spaß. Also, die Art Spaß, die man an Songs hat, die vorrangig vom Scheitern der eigenen Ambitionen handeln, von großen Hoffnungen, großem Herzschmerz und dem Zigarrettenqualm und den Spirituosen, mit denen man die Zeit dazwischen füllt.

Der Blues-Einfluss kommt durch Sänger Ross in die Mischung. „Mein Vater hat mich sehr früh an Blues rangeführt, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Der Rest der Band hat ähnliche Präferenzen. Wir sind alle riesige Tom Waits Fans, aber das muss man wohl nicht extra erwähnen. Springsteen, Petty und Bryan Adams sind große Einflüsse. Wir hören allerdings auch alle viel Punk. Von Rancid über Alkaline Trio bis zu den Menzingers, Bouncing Souls und The Hold Steady.”

All diese verschiedenen Einflüsse nutzen Cold Years, um gleichermaßen zugängliche wie eindringliche Songs zu komponieren. Während einige Zeilen beinahe Hymnen-Potential haben, kommt dank versierter Instrumentalisierung und empfindsamer Texte keine Spur Eintönigkeit auf. 

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Die Inspiration, den Drive, der die Songs trägt, ziehen Cold Years, beziehungsweise Sänger und Songwriter Ross, aus persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen. Nach Anregungen gefragt, erläutert Ross: „Das ändert sich oft. Es kann etwas sein, das ich gerade erlebe oder mal erlebt habe. Manchmal sind es auch Situationen, die ich andere durchmachen sehe. Ich mag es, wenn Leute ihre eigene Sicht nutzen und die Songs auf ihr Leben beziehen. Daher nutze ich nie tatsächliche Namen und gestalte die Texte weniger offensichtlich. Jeder Song sollte für jeden Menschen eine individuelle Bedeutung haben. Es gefällt mir, auf diese Art mit Menschen zu kommunizieren.”

Diese Art funktioniert verdammt gut, sowohl auf ihrer ersten EP „Mile Marker”, die komplett live eingespielt wurde, als auch der aktuellen Scheibe „Death Chasers“. Cold Years’ Stücke gehen beim ersten Hören direkt ins Herz und stimmen mit ihren treibenden Drums, sehnsüchtigen Gitarren und Ross Gordons Reibeisenstimme auf großen Unfug und och größere Gefühle ein. Die Jungs werden’s weit bringen und verdienen jede Sekunde dessen.

Neugierig geworden? Dann hört euch Cold Years auf Spotify an! Oder liked sie auf Facebook. Oder shoppt ihre Musik bei iTunes. Noch immer nicht genug? Dann legen wir euch CDs, Vinyl und feschen Merch von Cold Years ans Herz, Dinge, die ihr hier bekommt. Supportet diese großartige, junge Band!

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