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Chweeting – macht dich der Online-Flirt zum Fremdgeher?

„Die sozialen Medien zerstören unsere Sprache“, hörte ich neulich noch jemanden in einem Café unken. Unser dahin gerotztes Gechatte ohne Sinn und Verstand führe dazu, dass niemand sich auch nur mehr die Bohne für Grammatik und korrekte Rechtschreibung interessiere. Nun, ein wenig stimme ich dem zu. Dann wiederum aber denke ich, dass die Beschäftigung mit FacebookInstagram und Konsorten uns Wortneuschöpfungen schenkt, die fast zu schön sind, um wahr zu sein. „Textpectation“ zum Beispiel, das Erwarten einer Textmessage also, ein Gefühl, das wohl jeder von uns kennt. Oder die zahlreichen Selfie-Abwandlungen wie Belfie (Butt-Selfie), Shelfie (ein Bild von deinem Buchregal), Welfie (ein Selfie beim Workout) oder Ussie (das Selfie als Gruppenbild). Jetzt kommt ein weiterer Begriff dazu – Chweeting. 

Chweeting – egal, wie oft ich diesen Begriff ausspreche, es klingt immer, als hätte ich eine üble Sprachbehinderung. Lassen wir das lieber. Was aber bedeutet Chweeting? Irgendwas mit Kaugummi, also Chewing Gum, und Meeting? Nope. Das Wort Chweeting kombiniert den englischen Begriff „Cheating“, also betrügen, und „Tweeten“, das Posten eines Status-Updates auf Twitter.

Mit Chweeting bezeichnet man das Versenden geiler, kleiner Text- oder Fotonachrichten in den sozialen Medien – während die Freundin oder der Freund ahnungslos in der Küche sitzt und unter Tränen Zwiebeln fürs Abendessen schnitzt. Online-Fremdgehen also. Aber funktioniert das? Ist es schon Betrug, dem alten Facebookbuddy zu schreiben, wie heiß sein Body aussieht, seitdem er ins Gym geht? Oder sich über eine Message des süßen Elektro-DJs zu freuen, in der es heißt, er wüsste gern, wie sich dein Körper unter dem Oversizeshirt anfühlt und dass er schon dafür sorgen würde, dass du besagtes Shirt ausziehst, weil er dich nackt sehen und spüren will? Uh. Na gut. Das ist schon sehr heiß. Doch solange das Geplänkel nur virtuell bleibt und sich der Flirt nicht im Real Life abspielt, ist doch alles in Ordnung, immerhin passiert nicht wirklich was. Oder?

„Ich finde Chweeting gar nicht wild“, findet mein Instagram-Freund Tom, als ich ihn um seine Meinung bitte. „Wenn ich auf Insta einer Frau ein Kompliment für ihren Körper, ihre Tattoos oder ihr schönes Gesicht mache, wertet das doch meine Freundin nicht ab. Und ich betrüge sie dadurch auch nicht.“

Und was, wenn die Konversation über harmlose Komplimente hinaus geht? „Grenzen sollten natürlich eingehalten werden“, findet Tom, gibt dann aber zu: „Das ist nicht immer leicht, und ja, mir ist es auch schon passiert, dass sich aus einer netten Unterhaltung ein heißer Chat entwickelt hat. Das war es dann aber auch – Sex mit anderen Frauen abseits der virtuellen Welt kommt für mich nicht in Frage.“

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Ist es Fremdgehen, sich den Feed der Instagram-Schönheit anzusehen und sich dabei warme Gedanken zu machen, während die Freundin in der Uni lernt?

Für meine Facebook-Freundin Nane ist Toms Haltung zum Chweeting eindeutig: „Das ist Betrügen. Betrug fängt nicht erst dann an, wenn du jemanden in dein Bett gelockt hast, sondern schon viel früher. Und ja, auch das Verschicken von sexy Messages ist bereits Bescheißen. Immerhin ebnest du damit den Weg für ein weiteres Kennenlernen.”

Ich stehe irgendwie in der Mitte. Einerseits halte ich es nicht für verwerflich, sich auf einen kleinen Facebook- oder Instagram-Flirt einzulassen, denn sobald ich den Rechner ausschalte oder mein Smartphone zur Seite lege, zählt nur noch mein Lieblingsmensch aus dem echten Leben, der, mit dem ich tatsächlich Sex habe, den ich küssen will, nicht eine körperlose Person, von der ich außer wenigen Selfies und einem okayen Profilbild nichts kenne. Ich habe aber auch schon oft erfahren, wie schnell sich aus einem aufregenden Chat eine handfeste Sexting Affäre entwickelt. Und das wäre für mich in der Tat Betrug am Lieblingsmenschen.

Wie seht ihr das? Ist Chweeting fremdgehen oder, da es eben „nur“ im virtuellen Raum stattfindet, zu verzeihen und nicht weiter ernst zu nehmen? Sagt uns eure Meinung, wir sind neugierig!

Fotos: Sarahlikesprettygirls

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