Rotz & Wasser - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de

Monster Festival 2016 – Booze’n’Roll und nackte Tatsachen

Text von Micha

Kann man ein angesagtes, reines Deutschrock-Festival in ein Monster(ROCK)festival transformieren? Oder gehen die Veranstalter mit derart grundlegenden Veränderungen ein zu großes Risiko ein? Geht das neue Konzept auf? Und wie! Am 1. und 2. Oktober konnten wir uns beim Monster Festival 2016 in der Eventhalle Geiselwind davon überzeugen, dass es ab und an gut tut, neue Wege zu betreten und einfach mal etwas zu riskieren.

Dass wir anreisen würden, war keine Frage, denn beim Monster Festival 2016 waren selbstverständlich sämtliche Zugpferde des Deutschrock vor Ort, von Unantastbar bis Kärbholz. Dazu kamen in diesem Jahr auch „genrefremde“ Bands, wie zum Beispiel der Headliner Saltatio Mortis.

Aber der Reihe nach. Die erste Änderung der Festivalmacher betraf Tag eins des Festivals. Er wurde vom Warm-Up-Day zum vollen Festivaltag umorganisiert, sehr zu begrüßen. Den Reigen der insgesamt zehn Bands durften Unherz eröffnen. Konzert- und festivalerprobt, legten sie gleich los und ließen die Anwesenden schnell vergessen, dass einige Festivalbesucher noch im Stau steckten oder ob der frühen Mittagsstunde den Auftakt im Zelt verschlafen hatten.

Unherz - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Unherz gaben als Opener alles.

Zum guten Ton des Monster Festival gehörte es außerdem schon immer, nicht nur etablierten Bands die Bühne zu überlassen, sondern auch dem Nachwuchs eine Chance zu geben. So durften sich nach Unherz die erst 2015 gegründeten Elbrebellen der immer voller werdenden Halle annehmen und den angereisten Musikfans richtig einheizen.

Elbrebellen - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Elbrebellen – vielversprechende Newcomer.

Nach den Newcomern war die Zeit für die schwedischen Punkrocker Psychopunch gekommen. Weg also vom reinen Deutschrock, hin zu internationalem Punkrock-Flair! Und siehe da, die Mischung kam an. Kein Wunder – die Schweden versprühten auf der Bühne so viel Energie und Freude, dass man einfach mitmachen, mitgröhlen und mittanzen musste.

Psychopunch - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Der Energie der schwedischen Punkrocker Psychopunch konnte sich niemand entziehen.

Nicht weniger energiegeladen, dafür noch eine Ecke witziger ging es beim nächsten Act namens King Kongs Deoroller zu, die extrem viel Spaß aus vollen Gläsern und fröhlichen Herzen abfeuerten.

King Kongs Deoroller - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Feucht-fröhliches Festivalvergnügen gab es mit King Kongs Deoroller.

Warum die minderjährigen Fans einen so genannten „Muttizettel“, eine schriftliche Erlaubnis der Eltern also, für das Festival brauchten, wurde beim derben Auftritt von Rotz & Wasser deutlich (hier findet ihr übrigens weitere Infos für minderjährige Festivalbesucher!). Eine durch ihr Auftreten immer mal wieder gerne unterschätzte Band, die jedoch abseits von Saufen- und Ficken-Parolen durchaus die ein oder andere Message in ihren Texten verpackt hat. Spätestens aber bei ihrem Song bei „Bück dich, Fee“ hielt sich so mancher Zeitgenosse verschämt Augen und Ohren zu.

Rotz & Wasser - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Heiß ging es bei Rotz & Wasser zu!

Rotz & Wasser - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de

Rotz & Wasser - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de

Rotz & Wasser - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Nach so vielen nackten Tatsachen war es Zeit für den harten Scheiß! Die Bonkers und The Carburetors ließen es ordentlich krachen. Und leiteten mit ihren großartigen Shows fein über zum sprichwörtlichen Feuerwerk mit Rock Rottens 9mm Assi Rock’n’Roll, kurz 9mm ARR. Diese hatten sich vermutlich vorgenommen, die komplette Festivalhalle abzufackeln. Hat aber nicht geklappt. Also real, denn die Halle verkraftet einiges. So blieb es dabei, dass die Jungs nur sprichwörtlich und gefühlt alles in Schutt und Asche legten.
9mm ARR - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Rock Rottens 9mm Assi Rock’n’Roll zündeten ein ordentliches Feuerwerk!

9mm ARR - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de

9mm ARR - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Gute Typen: Rock Rottens 9mm Assi Rock’n’Roll, kurz 9mm ARR.

Völlig fertig ließ die feierwütige Meute den Abend dann mit der Onkelz Tribute Band Stainless Steel und der After Show Party vom AGF Radio ausklingen.

Kommen wir zu Tag zwei.

Die Local Bastards bewiesen gleich zu Beginn, dass sie echte Profis sind. Denn als die ersten Töne der Band erklangen, war die Halle leer! Das lag aber nicht an der Band, sondern an einem Missverständnis am Einlass. Einlass und Beginn waren verwechselt worden, oha! Die Local Bastards ließen sich jedoch nicht beirren, sondern begrüßten die allmählich hereinströmende Meute mit guter Laune und kräftigem Rock.

Local Bastards - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Trotzten allen organisatorischen Widrigkeiten – die Local Bastards. Respekt, Männer!

Blessed Hellride machten sich mit ihrem Booze’n’Roll so einige Freunde, bevor sie die Bühne an Saitenfeuer abtraten. Diese ließen es zwar musikalisch einige Gänge ruhiger angehen, aber genau das brauchte die Halle jetzt. Erstaunlich fand ich, wie textsicher die Crowd an diesem Abend war, Wahnsinn. Aber mit ihrer neuen Platte „Ein wenig Farbe“ haben die Jungs auch gerade erst ein viel beachtetes Album auf den Markt gebracht.

Metalriffs treffen auf Dudelsack und Geigen hieß es anschließend bei Harpyie, die mit ihrem Folkrock die Fans auf den späteren Headliner vorbereiteten und durch eine optische wie musikalische Freakshow begeisterten. Nur schade, dass es so dunkel war.

Enorm holten die Monster Festival Freunde schnell wieder auf den Boden des harten Rocks zurück und brachten die Nacken zum Kreisen. Es war also alles bestens vorbereitet, um das folgende Beben zu überstehen: Die Axt aus der Provinz, die Goitzsche Front, machte keine Faxen und zeigte ab der ersten Sekunde, warum sie als einer der derzeit heißesten Live Acts gelten.

Goitzsche Front - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Nicht nur auf Platte eine Macht, sondern auch und vor allem live: Die Goitzsche Front.

Die Fans flehten um eine Pause, aber nix da! Gleich nach der Goitzschen Front machten die Metalrocker von Nitrogods gnadenlos weiter, bevor die Bühne von den Südtirolern Unantastbar übernommen wurde. „Hey Geiselwind, wir sind Unantastbar und sogar pünktlich!“ Nach diesem Insider fraß das Publikum in der rappelvollen Halle den Jungs aus der Hand.

Unantastbar - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Unantastbar mauserten sich zu einem der Publikumslieblinge.

Wie leicht man sich selbst als erfahrener Festivalgänger täuschen kann, bewies die nächste Band. Nach dem Gewitter der letzten drei Bands, dachten einige, jetzt wird’s ruhiger. Denn die Fans brauchten eine Pause – dringend! Aber um es mit den Worten einer anderen Band zu sagen: „Scheiß drauf!“ Ohne Break ging es weiter, die Crew des Monster Festivals leistete ganze Arbeit – in Rekordzeit wurde die Bühne komplett umgebaut und in den „Zirkus Zeitgeist“ verwandelt. Zeit für den Headliner Saltatio Mortis!

Saltatio Mortis - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Saltatio Mortis waren mit ihrer Zirkusshow eins der absoluten Festival Highlights!

Fragte sich vor dem Auftritt von Saltatio Mortis noch so mancher, wie das Publikum auf die Mittelalterrocker reagieren würde, war die Antwort schnell gegeben. Die ersten Klänge des Intros von „Wo sind die Clowns“ erklang, und schon wackelte die Halle bedrohlich in den Grundfesten. Saltatio Mortis überzeugten mit unbändiger Spielfreude und feinzüngigen Texten auf ganzer Linie. Und Frontmann Alea genoss nach der Show das Bad in der Menge.

Saltatio Mortis - Monsterfestival 2016 - Geiselwind - Foto: M. Stollmann - fotoglut.de
Saltatio Mortis Frontmann Alea lässt sich feiern.

Auf die Glückwünsche zur geilen Performance seiner Band reagierte Alea fast wie ein kleiner Schuljunge: Ungläubig und sichtlich berührt, nahm er die Lobeshymnen und Komplimente der Fans und Presseleute mit strahlenden Augen entgegen. Die Spielmannsmeute wanderte dann noch quer durch die Halle, und somit durch die Fans, zum Merchstand.

Unglaublich, dass es dazu noch eine Steigerung gab. Aber die Punkrocker Kärbholz hatten auch eine Art Heimspiel und lieferten Großes ab. Ein Wunder, dass die Halle dieses Feuerwerk unbeschadet überstanden hat!

Weitere Fotos vom Monster Festival findet ihr hier!

Alle Fotos: M. Stollmann // Fotoglut.de und Musikglut.de

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