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Alter Bridge: Wenn Helden Helden huldigen

 

Interview von Mael Rose

Über drei Jahre ist es mittlerweile her, dass die amerikanischen Alternative Rocker Alter Bridge ihr letztes Album „Fortress“ veröffentlicht haben. Eine Platte, mit der das Allstar-Quartett immerhin auf einem sehr ehrbaren siebten Platz der deutschen Longplay-Hitparaden einsteigen konnte. Nachdem Frontmann Myles Kennedy zwischenzeitlich wieder seinem Nebenjob am Mikro von Slashs Band The Conspirators nachging, haben sich Myles Kennedy, Gitarrist Mark Tremonti, Bassist Brian Marshall und Drummer Scott Phillips nun wieder in alter, neuer Stärke zusammengefunden, um auf „The Last Hero“ ihren großen Helden zu huldigen. KinKats traf Mr. Kennedy zum Vier-Augen-Plausch.

KinKats: Obwohl ihr euren neuen Longplayer „The Last Hero“ genannt habt, behandelt ihr auf der Platte eine Menge persönlicher, vielleicht gar nicht mal so heldenhafter Dinge.

Myles Kennedy: Das ist richtig. Es wäre zu einfach gewesen, eine Platte zu machen, auf der wir nur ganz platt von unseren persönlichen Helden berichten und ihnen ein Denkmal setzen. Wir haben kurz darüber gesprochen und die Idee dann wieder in die Tonne getreten. Die Stücke „My Champion“ oder „Cradle To The Grave“ sind sehr persönlich und hätten sonst nicht in das Konzept gepasst. Also haben wir thematisch alles ein wenig offener gehalten. „The Last Hero“ ist definitiv kein Konzeptalbum, wie man es von Queensryches „Operation: Mindcrime“ oder Pink Floyds „The Wall“ kennt.

KinKats: Wer ist dein persönlicher Held?

Myles Kennedy: Es gibt zwei: Einmal Martin Luther King, der sich in den 60ern für die Bürgerrechte der schwarzen Bevölkerung eingesetzt hat. Er war selbstlos, sehr tapfer und hatte enorm wichtige Dinge zu sagen. Solche Menschen gibt es leider viel zu wenig auf der Welt. Der andere, mir näher stehende Held war mein Stiefvater, der mich und meinen Bruder nach dem frühen Tod unseres Vaters angenommen hat, als wären wir seine eigenen Kinder. Mein leiblicher Vater starb, als ich vier Jahre alt war. Das wirft einen natürlich total aus der Bahn. Als meine Mutter meinen heutigen Stiefvater heiratete, habe ich ihn sofort bewundert. Ich wollte mich genau so kleiden und genau so sein wie er. Neben meiner Frau zählt er zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben. Kürzlich war er zum ersten Mal bei einer unserer Shows. Er steht sonst nur auf ruhigeren Kram wie Simon & Garfunkel, aber ich glaube, es hat ihm gefallen. Er sagte nach dem Konzert, er hätte zwar kein Wort von dem verstanden, was ich singe, aber es wäre trotzdem eine interessante Erfahrung gewesen.

KinKats: Auf dem Song „You Will Be Remembered“ widmet ihr euch den alltäglichen Helden wie Feuerwehrmännern, Ärzten und Polizisten.

Myles Kennedy: Gerade diese Menschen, die größtenteils nicht im Rampenlicht stehen, haben ein Denkmal verdient. Jemand, der tagtäglich sein eigenes Leben für andere riskiert, ist für mich ein Held. Seien wir mal ehrlich: Musiker, Schauspieler oder Sportler bringen zwar tolle Leistungen, doch am Ende des Tages ist es doch nur Entertainment, während die so genannten „Helden des Alltags“ dafür sorgen, dass diese Gesellschaft funktioniert.

KinKats: Viele Fans sehen euch ebenfalls als Helden an!

Myles Kennedy: Das stimmt und ist auch sehr schmeichelnd. Es ist ein tolles Gefühl, wenn wir den Leuten mit unseren Songs Kraft und Hoffnung geben. Doch als Held würde ich mich deshalb nicht betrachten. Fuck no!

KinKats: Gibt es Filmhelden, die du cool findest?

Myles Kennedy: Was klassische Actionhelden angeht, bin ich eher der Comicbuch-Freund. Ich bin kein Filmtyp. Filme nehmen zu viel von der eigenen Phantasie weg. Meistens bin ich von den Verfilmungen der Superhelden-Comics eher enttäuscht. Meine Frau liebt es, Filme zu schauen. Ich schlafe dabei meistens ein oder bin anderweitig abgelenkt. Das macht sie jedes Mal völlig verrückt.

KinKats: Wie schaffst du es eigentlich, dir deine markante Stimme zu bewahren?

Myles Kennedy: Ich muss leider wahnsinnig aufpassen. Nach den Shows bin ich meist der Einzige, der mit einem Glas Wasser in der Ecke steht und die Party nicht wirklich mitfeiern und seinen Spaß haben kann. Manche Sänger können das, aber meine Stimmbänder sind extrem anfällig. Ich bin immer ganz neidisch, wenn ich meine Kollegen feiern sehe. Andererseits gibt es nichts Schlimmeres, als mit einem Kater auf die Bühne zu gehen und nicht sein Bestes geben zu können. Das letzte Mal, als ich es echt übertrieben habe, ist nun auch schon ein paar Jahre her: Irgendwo in Australien, wo ich zusammen mit den Jungs von Steel Panther einen drauf gemacht habe.

KinKats: Wie stehen die Pläne für ein nächstes Album mit Slash?

Myles Kennedy: Der größte Teil eines neuen Albums ist schon geschrieben. Wir werden uns wohl in zwölf bis 18 Monaten wieder treffen, um über die Einzelheiten der nächsten Platte nachzudenken. Was dabei schließlich heraus kommt, wird man dann sehen. Ich freue mich aber schon jetzt auf die Zusammenarbeit!

Das Alter Bridge Album „The Last Hero“ ist am 7. Oktober bei Napalm Records erschienen. Was wir davon halten, und ob es sich lohnt, die Platte zu bestellen? Das verraten wir euch morgen in einer Review! Bleibt dran!

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