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Die große Liebe – willst du sie wirklich?

Text von Mimi

Die große Liebe ist so etwas wie ein zur Fahndung ausgeschriebener Ganove. Keiner weiß genau, wie er, nein, pardon, sie aussieht. Wir kennen schließlich nur vage Phantombilder. Trotzdem suchen wir nach ihr, ob unbewusst oder bewusst, in Bars, im Supermarkt, bei Tinder oder auf Instagram. Hat man sie dann gefunden, die Liebe, hofft man auf eine große Belohnung, darauf, bis ans Ende seiner Tage glücklich zu sein.

Wer weiß, vielleicht versteckt sich hinter dem okay aussehenden, aber irre charmanten Studenten, den du in der Uni kennengelernt hast, ja der Mann deines Lebens? Oder dieser unglaublich schöne Schwede, der dich neulich Nacht im Club einfach so geküsst hat – vielleicht ist er dein Mr. Right? Na gut, in diesem Fall müsstest du vielleicht nach Schweden ziehen, aber für die Liebe würdest du alles tun. Sagt man doch so.

Dann passiert es. Du lernst jemanden kennen, der deinen Kopf duselig und dein Herz rasend macht. Er erstellt Spotify Playlists nur für dich, steht nachts unangemeldet mit einer Weinflasche in der Hand vor deiner Tür, um mit dir gemeinsam durch die Spätsommernacht zu spazieren. Du versuchst, es ihm nachzumachen und ihn mit ähnlich romantischen Dingen zu überraschen, aber dir fällt nur Schrott ein, obwohl du dir solche Mühe gibst. Nicht mal kochen kannst du. Trotzdem strahlt er dich an wie eine Halogenleuchte, wenn ihr euch seht.

Ihr verliebt euch. Fickt nicht nur, sondern macht Liebe. Und werdet ein Paar. Vorbei die Jagd, vorbei die scheinbar endlose Suche, das Alleinsein.

Die ersten Monate sind wundervoll, ihr treibt es wie die Affen miteinander, könnt die Finger nicht voneinander lassen, redet viel, lacht, seid albern, seid Bonnie und Clyde. Ihr zwei gegen den Rest der Welt. Bis ER kommt. Nee, kein anderer Mann, sondern der Alltag, dieser gemeine, kleine Scheißkerl, der euch mit allen Mitteln auf die Probe stellt. Mit dämonischen Fallen. Mit Stress, Erschöpfung, PMS, Eifersucht auf die sexy Facebook-Freundinnen, mit unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen, herumliegenden Zahnpastatubendeckeln, nervigen Schwiegereltern in spe, Machtspielchen. Das volle Programm.

Doch ihr steht diese Zeit durch. Bleibt zusammen, plant erst den nächsten Urlaub, dann euer weiteres gemeinsames Leben. Du fühlst dich wohl, geliebt, ihr seid ein Team, eine Gang mit nur zwei Mitgliedern. Nur manchmal, da vermisst du dieses Kribbeln. Du weißt, dass Verliebtheit nicht ewig andauern kann, aber du vermisst die Zeit, in der ihr euch neu kennenlerntet, in der alles fremd war.

Diese Aufregung, die dir in so vielen Momenten fehlt, ist einer liebevollen Vertrautheit gewichen, aus dem waghalsigen Sprung ins kalte Nass wurde ein warmes, entspanntes Schaumbad, das nach Latschenkiefer und Mandelöl duftet. Es ist nicht so, dass dieser Jetzt-Zustand dir nicht mehr gefällt. Im Gegenteil. Du möchtest dieses Gefühl und diesen Menschen an deiner Seite nicht mehr eintauschen. Immerhin hast du den Jackpot geknackt, und wer würde den schon freiwillig wieder hergeben?

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Dennoch fragst du dich – ist das jetzt Liebe? Die Liebe, nach der du immer gesucht hast? Ist Liebe etwa gar nicht so aufregend und atemberaubend, wie du es dir immer vorgestellt hast? Ist Liebe dieser unscheinbare Klumpen, der deinen Bauch ganz warm macht? Ist es nicht dieses funkelnde, glitzernde Ding, das aus Leidenschaft, Romantik und Drama gemacht ist und von dem alle schwärmen, wenn sie über Liebe sprechen?

Manchmal ertappst du dich dabei, wie du nach anderen Männern guckst, und als du bemerkst, dass die Blicke deines neuen Arbeitskollegen dir Bauchkribbeln bereiten, fühlst du dich schlecht. Immer öfter fallen dir Macken an deinem Liebsten auf. Er ist nicht mehr dein Romeo, mehr so etwas wie dein bester, heißgeliebter Freund, mit dem du ab und an noch wirklich schönen Sex hast. Niemand sonst kennt dich inzwischen so gut wie er, er ist immer an deiner Seite, wenn es dir schlecht geht. Und doch – du vermisst das Gefühl, verliebt zu sein. Noch mehr: Der Gedanke, die Aufregung, die eine neue Liebe uns beschert, nie wieder zu empfinden, da du ja nun den Menschen gefunden hast, der wie für dich gemacht scheint, ängstigt dich.

Doch was tun? „Ich weiß es nicht“, denkst du dir. Da steckt er seinen Kopf zur Tür herein. „Hey Baby“, ruft er und grinst. „Ich koch uns was, okay?“ „Okay“, antwortest du froh und gerührt und lächelst ihn an. Vielleicht musst du dich einfach nur an dieses Gefühl gewöhnen, das sich Liebe nennt.

Fotos: Sarahlikesprettygirls // Sarahlikesprettygirls bei Tumblr

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