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Romantik 3.0 – mehr als Vanilleteelichter und Kuschelrock

„Du willst Romantik? Komm, ich fick dich hinterm Rosenbusch!“

Ach geil, K.I.Z., da hat dir Spotify ja was Feines rausgesucht. Eigentlich ist der Beat noch immer fürchterlich, denkst, du, als du den Song „Rosenbusch“ der HipHopper K.I.Z. zum ersten Mal seit Jahren wieder hörst. Irgendwie prollig. Und irgendwie geil. Weil so wahr. Und weil er so sehr deiner Vorstellung von Romantik entspricht. Keine Slow-Mo, keine sanfte Beleuchtung. Aber ficken im Grünen, noch dazu mit einem berühmten Rapper – das hat Stil. Dein Herz klopft wie blöde bei der Vorstellung.

Nun sitzt du da in diesem Café, die Kopfhörer auf den Ohren, hörst leise „Rosenbusch“ von K.I.Z. und fragst dich, was mit der Romantik passiert ist. Das heißt, mit dem Bild, das wir alle von ihr haben. Warum keiner mehr zugeben will, Romantik zu mögen, romantisch zu sein. Viel schlimmer noch. Der moderne Single geht nur allzu gerne mit seiner Abneigung gegen die offenbar nicht mehr zeitgemäße Gefühlsduselei hausieren.

„Ich bin gar nicht romantisch“, hörtest du neulich ein schönes Szenemädchen im Club zu seinem Begleiter sagen.

„Ich auch nicht“, beeilte sich der Szenemädchen-Begleiter zu sagen und fügte hinzu: „Am besten noch mit Kuschelrock und Kerzenschein oder so, haha, wie lächerlich!“

„Widerlich!“, lachte das Mädchen und schüttelte sich.

Du zwirbelst eine Haarsträhne und überlegst, wann aus der Romantik, die jahrhundertelang so viele Schriftsteller, Künstler, Fotografen und Liebende zu Grandiosem bewegt hat, dieser eindimensionale Klumpen geworden ist, der für viele nur noch aus schlechter Popmusik, herzförmig angeordneten Teelichter-Armeen und Rosenblättern zu bestehen scheint. Als wäre sie eine Krankheit oder ein Schandfleck auf der trashig-abgefuckten Vita, weisen wir jegliche Sympathie für die arme, alte Romantik weit von uns. Die anderen, die Coolen, könnten das ja peinlich finden.

Du bist da nicht anders. Dass du es schön findest, mit dem Geliebten zusammen am Fluss zu sitzen und der Sonne gute Nacht zu sagen, würdest du niemals zugeben. Klingt viel zu kitschig. Oder dieser Moment, als er auf der Party seines besten Freundes zum ersten Mal nach deiner Hand griff und sie festhielt und du wusstest, dass er dich will und du nicht eine von vielen bist. Euer erster Kuss auf einem Bahnsteig im Nirgendwo. Eigentlich stehst du sogar auf Kerzen. Aber ach, wie peinlich wäre es, das vor deinen Berghain Freunden zuzugeben.

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Ein Gammelsonntag mit dem Lieblingsmenschen im Bett? So kann Romantik auch aussehen <3 Foto: Sarahlikesprettygirls

Wisst ihr was? Mir ist das alles egal. Romantik muss nicht Kuschelrock und Plastik-Rosenblüten sein. Sie ist viel mehr, nämlich genau das, was wir aus ihr machen. Ein schüchterner Blick kann romantisch sein, ein selbstgeschriebener Brief, ein Kuss auf die Stirn, nachts engumschlungen einzuschlafen. Vielleicht wirkt das auf manche kitschig, denn Romantik bedeutet, Gefühle zu zeigen, schwach zu sein und sich hinzugeben. Das mag nicht jedem von uns leichtfallen, aber wenn ihr es erst einmal geschafft habt, werdet ihr nicht mehr anders leben und lieben wollen.

Also hört auf, eure Coolness-Show abzuziehen und steht endlich dazu – auch ihr seid Romantiker. So wie ich. Und das ist gut so. Denn ohne Romantik wäre die Liebe nur halb so schön. Und öffentlich romantisches Flair zu befürworten, ist so aus der Mode, dass es euch schon wieder zu Rebellen macht. Auf die Romantik-Revolte <3

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