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The Falcon: Gather Up The Chaps – bis dir das Hirn aus der Nase läuft

Review von Laura Van Tango

Zehn Jahre nach ihrem Herz und Trommelfell zerreißenden Soundtrack zu urbanen Fehltritten mit dem Titel „Unicornography“, präsentieren The Falcon ihre zweite LP „Gather Up The Chaps“. Klanglich klarer und textlich um einiges düsterer als der Vorgänger, verschwendet die Gang auch hier keine Zeit, bevor sie den geneigten Hörer wissen lässt, wohin die Reise geht. Irgendwohin, wo man in Betten kotzt und Drogen konsumiert, bis einem das Hirn aus der Nase läuft – das aber mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor und drückendem Sound. Überhaupt ist es wohl eine der bemerkenswertesten Eigenschaften dieser Band, dumme Entscheidungen und destruktives Verhalten weniger armselig, beinahe ästhetisch ansprechend klingen zu lassen. 

Die Besetzung hat sich geändert, und so sitzt statt Derek Grant jetzt The Lawrence Arms Neil Hennessy an den Drums, und Dave Hause schleudert seine The Loved Ones typische Wut durch die Saiten und das Mikro. Das funktioniert grandios. 

The Falcon_Gather Up The Chaps

Den Einstieg in die musikalische Odysee aus Nihilismus und kleinen Plastiktütchen liefert „The Trash“, nach einer Runde Bar-Gröhlerei begrüßt Brendan Kellys unverkennbar überdreht-rauer Gesang mit den Worten „Shit eating grin/ happening again“ den Hörer, und ja, es ist gut, wieder da zu sein. Während der erste Song des Albums noch stark nach „Unicornography“ klingt, lässt „War of Colossus“ keinen Zweifel daran, dass diese Band nicht stagniert. Eine finstere Episode ohne Angst vor großer Symbolik. Kreuzte man Moby Dick mit American Psycho, es klänge genau so. Da will jemand den Wal nicht nur fangen, sondern mit einer Kettensäge zerlegen und möglicherweise begatten. Jede Sekunde davon funktioniert. 

„Sergio’s Here“ ist wohl der inoffizielle Titeltrack des Albums, jedenfalls könnte man das vermuten da Kelly nicht müde wird, das Publikum über Social Media Kanäle zu bitten, Sergio, einen Dealer, mitzubringen. Über die nächsten vier Songs, „The Skeleton Dance“,  „Hasselhoff Cheeseburger“, „Dead Rose“ und „The Fighter, The Rube, The Asshole“ erhält man Gelegenheit, im Album anzukommen, um dann durch Dave Hauses brachiale Ansagen in der Stalker-Hymne „If Dave Did It“ vor zu großer Bequemlichkeit bewahrt zu werden. Neben „You Dumb Dildos“, das durch Dan Andrianos Stimme getragen wird, der einzige nicht von Kelly gesungene Titel. 

k_The Falcon_by Marc Gärtner
Foto: Marc Gärtner

Den bedrückenden, krönenden Abschluss bildet „Black Teeth“. Brendan Kelly fährt sein lyrisches und melodisches Genie auf, um einen schmerzhaften Kommentar über den Umgang mit afroamerikanischen Jugendlichen in den USA und die Rückschlüsse, die dieser erlaubt, zu verfassen. Die kurze Pause vom „Nihilist Arby’s“-Humor (Twitter User, bitte checkt @nihilist_arbys) besiegelt dann „Gather Up The Chaps“ Platz unter den Top -Drei-Alben dieses Jahres, locker unter den Top 15 des Jahrzehnts. Das kann man bei einem derartig unverwechselbaren, zugkräftigen Brocken Punk auch schon im August 2016 sagen.

The Falcon: Gather Up The Chaps
Red Scare Industries
März 2016
12 Tracks
The Falcon bei Facebook

Foto ganz oben: Greg Pallante

3 Responses
  1. […] In nicht einmal eineinhalb Jahren haben Schandmaul mit Leuchtfeuer den Nachfolger des Gold-Albums Unendlich nachgereicht. Da bei Schandmaul die Messlatte recht hoch liegt, wird sich der ein oder andere Fan unweigerlich fragen: Können die Rock-Mannen in der Konzert- und Festivalzeit rund um „Unendlich“ überhaupt ein würdiges Album erstellen, das es sich zu kaufen lohnt? […]

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