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Macht Facebook die Liebe kaputt?

Früher war es so: Wenn sich zwei Menschen ineinander verliebten, verbrachten sie jede freie Stunde miteinander, machten Liebe, mal hart, mal weich, sahen doofe Schnulzen im Kino, und die Jungs schossen den Mädchen Plastikrosen auf der Kirmes. Man küsste sich, trank Dosenbier oder teuren Wein, feierte zusammen, führte tiefste Gespräche und fand sich toll. Ein rosarotes und höchst exklusives Miteinander, das die Basis für das spätere ernsthafte Zusammensein bildete.

Dann kam Facebook. Und mit ihm die Unsicherheit.

„Wer ist eigentlich diese Tante, deren Fotos du ständig likest?“ 
„Das ist nur Nina, eine alte Freundin.“ 
„Aha. Dabei sieht die gar nicht so alt aus. Kann aber auch daran liegen, dass sie auf jedem Foto halbnackt ist.“ 
„Spionierst du mir etwa nach?“ 
„Nein, muss ich gar nicht. Wird mir ja alles angezeigt, wenn du mal wieder was von ihr kommentierst. Hast du etwa ein schlechtes Gewissen?“ 
„What the fuck, ist das dein Ernst?“

Viele kennen Dialoge wie diesen. Manche von euch werden verständnisvoll nicken, andere werden sich an den Kopf fassen und sich fragen, was denn bitte das Problem mit den Kommentaren und den Likes auf Facebook, bei Instagram und Co. sein soll. Selbst, WENN man mal ein wenig flirtet – na und? Ist doch alles easy. Oder? 

Leider nicht für jeden. Warum? Darum:

Mit Facebook, Insta und all den anderen Social Media Kanälen verpuffte die schöne Exklusivitätswolke, in die sich frisch Verliebte einst hüllten. Noch vor nicht allzu langer Zeit gehörte dein Liebster ganz dir. Weil du die Beste, Schönste, die Traumfrau warst. Alle anderen waren Statisten, ihr wart ein Team, unbesiegbar, die Coolsten. Klar, du wusstest, dass es andere Frauen in seinem Leben gab und gibt, Mama, die beste Freundin, die Muse, die Ex-Lieben, die wunderschöne Kollegin. Aber du konntest dich rantasten und hattest die Wahl, wieviel Info du dir geben wolltest, wann du wem begegnest. Oder ob überhaupt.

Meine Freundin Nina zum Beispiel lehnt konsequent Treffen mit ehemaligen Sexkontakten ihres Liebsten ab, ganz gleich, ob es sich um die erste große Liebe oder den One Night Stand aus dem Berghain handelt. Jede Frau, deren Vagina einmal den Penis ihres Herzensmenschen umschließen durfte, hat in Ninas kleinen Universum nichts mehr verloren. Weil Nina ein eifersüchtiger Mensch ist. Und oft unsicher. Das gibt sie offen zu und arbeitet daran, und solange ihr Freund ihr das Gefühl gibt, die Einzige zu sein, ist Nina lässig und entspannt. Im echten Leben funktioniert das auch, denn wenn Nina und ihr Boyfriend durch Berlins Straßen flanieren, hat er sowieso nur Augen für sie.

Leider aber hat Facebook mit dem echten Leben herzlich wenig zu tun, und auch Ninas Ängste sind dem Social Media Giganten schnuppe. Genau da beginnt die Problematik: Jede Vertraulichkeit mit einer anderen, jedes flirty Augenzwinkern, das nicht Nina gilt, ist auf einmal sichtbar. Schrecklich findet Nina das. So schrecklich, dass sie mal beinahe Schluss gemacht hätte. Der Grund: Ein Pinnwand-Post auf der Seite ihres Mannes, gepostet von einer Chrissi, auf deren Profilbild nur ein Sternenhimmel zu erkennen war. Der Eintrag lautete: „Liebster X. Die Nacht mit dir war wundervoll. Lass uns das ganz bald wiederholen. Chrissi.“ 

Ninas fassungslose Reaktion: „Wer ist diese Chrissi? Und wann hast du die Nacht mit ihr verbracht?“ Die überraschte Reaktion ihres Freundes: „Hä?“ „Diese Chrissi, verdammt!“ „Das ist ein alter Buddy, Chrissi, der Typ aus dem Sneakershop“, lautete des Boyfriends lapidare Antwort. 

Es dauerte einige Tage, bis Nina glaubte, dass Chrissi nur ein Freund war, der sich einen Scherz erlaubt hatte. Gestritten haben sie und ihr Liebster sich dennoch.

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Unsicher, weil die Liebste ständig Fotos von Rod Usher mit Herzen kommentiert? We’ve all been there, Buddy :(

Facebook ist nicht nur in Ninas, sondern auch ein wenig in meinen Augen ein Liebeszerstörer. Ist mindestens ein Partner von etwas unsicherem, vielleicht sogar eifersüchtigem Naturell, kann es ganze Beziehungen ordentlich ankratzen, sie im schlimmsten Fall schrotten. Nicht nur, weil ein Kumpel missverständliche Posts verfassen könnte, die zu Streit und Diskussionen führen. Sondern weil wir auf einmal all das sehen, was für unsere Augen so nie gedacht war. Natürlich soll der Lieblingsmensch flirten und schäkern, aber bitte schön nur dann, wenn wir nicht dabei sind. Facebook aber macht uns ungefragt zu Zaungästen, zu Voyeuren und fördert so manchen Beziehungsstress. 

Was können wir dagegen tun? Ich halte es seit Langem schon mit der alten Weisheit „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“ Im Fall von Facebook bedeutet das: Entfreundet den Lebens- und Bettgefährten bei Facebook, erklärt ihm aber, warum ihr das tut. Ruhig, sachlich. Und dann konzentriert euch auf eure Real Life Liebe. Denn die ist echt und greifbar, während Likes und Kommentare leeres Gequatsche sind und das meist auch bleiben.

Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen? Ihr vertraut Schatzi so gar nicht mehr, da er einfach einmal zu oft die Bilder des heißen Tattoomodels mit Herzchen kommentiert hat? Euch rate ich zunächst: Chillt. Bitte. Kommt runter. Und dann: Blockieren. Denn Mann und die vermeintliche Rivalin, die ohnehin gar keine Konkurrenz ist. Durchs Blockieren wird euer Boyfriend für euch bei Facebook unsichtbar. Und nein, nicht nur entfrienden, das bringt in eurem Fall nichts. Wenn schon, denn schon. So kommt ihr gar nicht mehr in Versuchung, ihn zu stalken – pardon – mal nach dem Rechten zu schauen. 

Lasst euch die schönen Gefühle nicht von Facebook kaputtmachen. Handelt, entfriendet und blockiert, wenn sich alles andere nicht mehr richtig und leicht anfühlt, aber vergesst nicht, eurem Partner auch weiterhin zu vertrauen. Der kann für den Facebook-Scheiß nämlich nichts.

Fotos: Sarahlikesprettygirls <3

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