Pyogenesis

Rod Usher: Wacken 2016, du bes e Jeföhl!*

Text von Rod Usher (The Other)

Wenn einer eine Reise tut… Ja, erzählen könnte man viel über das Wacken Open Air 2016. Von massig Verkehr auf der Autobahn und im Zelt, Matschleichen und Schnapsleichen, ständigen „Wackäääään“-Rufen und wilden Kostümen. All das gab es natürlich. Und doch ist Wacken eben nicht nur die Summe seiner medial häufig ausgewerteten Randerscheinungen. Es ist „e Jeföhl“, wie wir Kölner sagen. Mit den geilsten Bands, tollen Metalheads aus aller Welt, Zusammenhalt, Stimmung und Spaß.

Das Wacken 2016 war mein fünftes WOA und das zweite, auf dem ich selbst mit meiner Gruselkapelle The Other antreten durfte. Und natürlich ist es etwas anderes, ob du nun als Gast oder als Band vor Ort bist. Nach einer Anreise von einigen Stunden, freut man sich natürlich, wenn man mit der Truppe auf den VIP-Zeltplatz darf – für den wir uns extra statt Hotel entschieden hatten – anstatt die Igluzelte neben den Jungs mit der Riesen-PA und dem Stromgenerator aufbauen zu müssen, die damit den ganzen Campingplatz beschallen.

Kaum angekommen, trafen wir alte Bekannte, allen voran Flo von Pyogenesis, mit dem uns zum einen eine kurze, aber trinkfreudige Freundschaft verbindet, und zum anderen die Tatsache, dass wir seine Band richtig klasse finden. Die Wiedersehensparty musste jedoch aufgrund eines Stunden andauernden, stürmischen Regengusses verschoben werden. Später folgten diverse Getränke, ein paar Metal-Battle-Bands im Zelt und die Ankunft von Frau Usher, die es schaffte, bis fünf Uhr morgens unseren neuen Bassisten abzufüllen, während der Sänger (also ich) längst an der Luftmatratze horchte.

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen unserer Auftritts im Bullhead City Zelt, von dem es heißt, dass 20.000 Menschen hinein passen. Das mag übertrieben sein, aber 10.000 waren es sicher. Und spätestens beim Blick durch den Vorhang, als unser Intro bereits lief, schlotterten uns ganz schön die Knie – das Zelt war rappelvoll, wir leider noch nicht. 30 Minuten später war unser Set auch schon wieder vorbei, und es hagelte Lob von allen Seiten. Selbstkritisch müssen wir anmerken, dass wir zwar schon auf größeren Bühnen gespielt haben, aber der Fakt, auf dem legendären Wacken Open Air aufzutreten, uns doch etwas gehemmt hat. Es hat hoffentlich niemand mitbekommen…

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The Other live beim Wacken Open Air 2016. Foto: Michael Stollmann/Fotoglut

Im Anschluss wurde der Kühlschrank unseres schönen Backstageraums geplündert und das komplette Bier mit zur Autogrammstunde genommen, wo viele treue Fans auf uns warteten. Selbstverständlich ließen wir es uns nicht nehmen, für alle Fotos zu posieren. Verpasst haben wir dadurch die Dead Daisies, aber immerhin reichte es für ein Hallo im Backstage mit Frontman John Corabi, Ex-Mötley Crüe.

Corabi
Unser Mann Rod Usher zusammen mit John Corabi, Ex-Mötley Crüe und Frontmann der Dead Daisies. Foto: Privat

Ziemlich angezählt trennten sich daraufhin unsere Wege, weil nicht jeder von The Other auf den Classic Rock von Foreigner und Whitesnake steht. Für mich waren jedoch gerade Erstere das Highlight des Festivals, denn der Fünfer um Lou Gramm-Nachfolger Kelly Hansen holte alle Hits der Truppe raus („I want to know what love is“ oder „Jukebox Heroe“ seien stellvertretend genannt) und begeisterte mit perfekter Darbietung auch den härtesten Thrasher.

Ganz so viele Mega-Hits haben Whitesnake zwar nicht, aber mit einer Songauswahl durch alle Jahrzehnte und „Here I go again“, sowie „In the Still of the Night“, konnten Coverdale und Co. trotzdem hundertprozentig überzeugen, schließlich lebt – gerade auf dem WOA – eine Band nicht von Mainstream-Hits.

Foreigner
Fanboying bei Foreigner! Foto: Rod Usher

Iron Maiden waren die große Konsensband des Festivals, der Act, den wirklich jeder sehen wollte, der noch Platz vor der Bühne fand. Und ja, die Jungs haben abgeliefert. Daran konnten auch Mikrofonausfälle, nicht ganz überzeugender Sound, eine Setlist, die klar die Klassiker vernachlässigte und der einsetzende Regen nichts ändern. Für viele waren Maiden sicher der Höhepunkt des Festivals, jedenfalls bis Twisted Sister am Abschlussabend wohl noch einen drauf setzten, wie man hört.

Loudness
Loudness live – für Rod leider enttäuschend. Foto: Rod Usher

Wir pilgerten im Anschluss schnell zu den legendären Blue Öyster Cult und feierten die Rocker, die im Zelt ihre Hits „Godzilla“ und „Don’t fear the Reaper“ zum Besten gaben. Jegliche Erinnerung an die Stunden danach ist allerdings für immer verloren.

Interview
The Other en nature beim Interview für das Wacken Radio. Foto: Privat

Was am Freitag noch kam? Interviews, unter anderem für das Wacken Radio, viel Regen, noch mehr Matsch, Pyogenesis (sehr gut, allerdings durch Sturzregen beeinträchtigt), Loudness (leider enttäuschend), Testament (wir fanden’s super, waren aber auch in Feierlaune) und viele weitere, an die wir uns kaum erinnern. Toll waren ein nachmittägliches Treffen mit Jürgen Engler (Die Krupps) und Eric Burton (Catastophe Ballet) und speziell die abschließende Party im VIP Bereich, die mit Musikern, Presseleuten und den sexy Girls vom Wrestlingring in die Annalen unserer WOA Erinnerungen eingehen wird. 

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Rod Usher trifft Jürgen Engler (Die Krupps) und Eric Burton (Catastophe Ballet). Foto: Privat

Der Samstag stand – trotz geilster Bands wie Year of the Goat, Metal Church, Steel Panther und Twisted Sister – im Zeichen des Katers und einer verfrühten Abreise. Dafür steigt schon jetzt die Freude auf Wacken 2017. Es ist eben ein einmaliges Festival!

*Übersetzung für alle Nicht-Kölner: Wacken, du bist ein Gefühl!

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