Nick 13_credit Casey Currysmall

Nick 13 von Tiger Army: Ich war noch nie im Knast

Die Legende besagt, dass der Bandname Tiger Army dem Grauen entspringt, das Frontmann und Gitarrist Nick 13 im Jahre 1995 beim Anblick der ravenden Meute auf der Love Parade empfand. Als er abends in einer Straße auf ein Plakat stieß, das ihn an alte Zirkusplakate erinnerte, kam er auf eine Idee. „Wir fingen an, über Tiger zu sprechen, machten so unsere Witze, und ich meinte zu meinem Freund, ich würde mir gerade vorstellen, wie es wohl gewesen wäre, eine ganze Armee von Tigern auf die Love Parade loszulassen, die alle killen – bis auf die, die cool sind“, sagte Nick 13 in einem Interview. Aus der „Army of Tigers“ wurde die Tiger Army. Seit genau 20 Jahren rocken Tiger Army mit ihrem Sound aus Psychobilly und Alternative Rock nun schon ein ständig wachsendes Publikum. Kurz bevor die kalifornische Kultband Ende November mit ihrem gerade veröffentlichten Album „V“ durch deutsche Clubs zieht, stand Nick 13 KinKats Rede und Antwort!

KinKats: Nach der Veröffentlichung eures letzten Albums „Music From Regions Beyond“ warst du erst einmal solo zu erleben und hast dir mit einem neuen Tiger Army Longplayer richtig Zeit gelassen. Was ist passiert?

Nick 13: Vor meinem Soloalbum war ich fast Jahre acht lang durchgehend mit Tiger Army auf Tour. Ich musste unbedingt eine kleine Pause einlegen und einen Tapetenwechsel machen. Wir hatten einen bestimmten Punkt erreicht, an dem ich mir nicht sicher war, wie es weitergehen sollte. Mein Alleingang hat dann am Ende ein wenig länger gedauert, als ich es eigentlich geplant hatte. Ich wollte nichts überstürzen. „V“ ist genau das Album geworden, das ich machen wollte.

KinKats: Du hast es angesprochen, euer neues Album trägt den Titel „V“, was sich einerseits mit der römischen Ziffer Fünf, andererseits mit dem Kürzel für Victory, also Sieg, übersetzen lässt.

Nick 13: Beide Deutungsweisen sind richtig. Einerseits ist die Platte unser fünftes Album, andererseits geht es auf der Scheibe auch darum, Hürden zu überwinden und Herausforderungen anzunehmen. Äußere Hürden, die einem immer wieder von gewissen Leuten in den Weg gelegt werden, aber auch Probleme mit sich selbst. Innere Kämpfe, die man mit sich selbst zu schlagen hat.

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KinKats: Zum Beispiel?

Nick 13: Das ganze Leben ist doch im Grunde ein ewiger Kampf. Für mich geht es darum, kreativ und mir gleichzeitig treu zu bleiben. Die Arbeit mit Tiger Army war noch nie leicht. Es war jedes Mal wieder ein harter Kampf um jede Note, jeden Song und jedes Album. Doch es war schon immer so, dass man sich die wichtigsten und besten Dinge im Leben hart erarbeiten muss. Nicht umsonst heißt ein bekannter Spruch: Große Kunst entsteht nur durch großen Schmerz. Davon erzählt diese Platte.

KinKats: Scheint so, als wären diese schlechten und problembehafteten Zeiten ganz inspirierend für dich.

Nick 13: Das stimmt leider. Ich wünschte, alles würde ein wenig leichter gehen. Mich hat schon immer die Zeit zwischen den 30er und den 60er Jahren inspiriert. Damals war alles cool und leicht und sehr ästhetisch. Tolle Autos, tolle Musik, tolle Möbel. Außerdem sahen Männer und Frauen damals viel besser aus. Die Menschen hatten außerdem noch Manieren. Für mich ist diese Epoche der Höhepunkt der westlichen Zivilisation.

KinKats: Als erste Nummer habt ihr den Song „Prisoner Of The Night“ ausgekoppelt. Warst du jemals selbst im Knast?

Nick 13: Nichts in der Richtung (lacht). Meine Weste ist rein. Im Gefängnis war ich bisher Gott sein Dank nur in symbolischer Hinsicht. Der Song „Train To Eternity“ beschäftigt sich mit ähnlich dunklen Gedanken. Ich habe ihn auf einer langen Autofahrt durch die Wüste geschrieben. Es war ein tolles Gefühl, diesen Countrysong zusammen mit unserem neuen Bassisten Dave Roe einzuspielen. Er hat schon in der Begleitband von Johnny Cash gespielt.

KinKats: Tiger Army waren schon immer sehr von der frühen Phase der Misfits beeinflusst, die kürzlich ihre Wiedervereinigung bekannt gegeben haben. Deine Meinung?

Nick 13: Ich halte nichts von vorschnellen Bewertungen, sondern warte mit meiner Meinung, bis ich etwas sehe oder höre. Das „Static Age“-Album stellt für mich ihren Höhepunkt dar. Es war sehr melodisch und eine schöne Mischung aus Punk und altem Rock’n’Roll. Später haben sie sich in meinen Augen zur einer Hardcore-Band entwickelt. Ihr Stil hatte 1982 kaum mehr etwas mit „Static Age“ zu tun. Wir werden im September mit ihnen auf dem Riot Fest in Chicago zu sehen sein – ich lasse mich überraschen, was sie heute noch können!

Interview: Mael Rose

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One Response
  1. Bin echt mal gespannt aufs neue Album……… hat ja lange genug gedauert

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