Dufte Girls

Feine Nasen in love oder: Warum Sich-dufte-Finden wichtig ist

Mein Gedächtnis ist mehr als mies. Hast du dich mir gestern vorgestellt, stehen die Chancen gut, dass ich mich morgen nicht mehr an dein Gesicht erinnere. Oder wenigstens deinen Namen vergessen habe. Was ich nicht vergessen werde, ist dein Geruch, dein Duft. Riechst du nach Kippen, dem schwarzen Parfum von Lady Gaga, nach „draußen“? Gut. 

Gerüche sind mir das A und O, wenn ich einen Menschen kennenlerne. Dabei macht mir meine meine Nase gerne einen Strich durch die Rechnung, auch dann, wenn ich jemanden mag. Der Mensch, den ich gut finde, kann noch so wunderschön, charmant, kreativ, lustig sein, wenn meine Nase ihn – beziehungsweise seinen Geruch – doof findet, war’s das. Game over, Ende, aus, goodbye.

Dabei spreche ich nicht von schlechten Gerüchen. Mit Stinkern kann ich gar nicht. Du hast dir seit einer Woche nicht mehr die Haare gewaschen und riechst nun nach talgiger Kopfhaut und Haarfett? Oh bitte. Geh, und komm nie wieder. Du schläfst nachts in deinen Klamotten vom Tag ein und lässt sie morgens der Bequemlichkeit halber einfach nochmal an, weil „Ey, zwei Tage geht doch noch voll klar!“

Uh, nein, danke.

Mein Problem ist anders gelagert. Manche Menschen kann ich einfach nicht riechen, und das, obwohl sie gemeinhin als „dufte“ gelten dürften. So wie André, meine erste Liebe, damals, als ich 18 war. Herrje, war ich in Love, und doch sträubte sich etwas in mir, wenn André mich in den Arm nehmen wollte. „Der riecht so’n bisschen muffig“, dachte ich dann, doch sobald ich in seine braunen Kuhaugen sah, legten sich die Hormone wie eine wärmende Decke über meine olfaktorische Skepsis und raunten ihr leise zu: „Halt jetzt bloß die Schnauze.“ 

War Andrés Körpergeruch zu intensiv? Oder gar nicht erst vorhanden? War es nur sein Parfum, das mir nicht behagte? Harmonierten unsere Moleküle nicht miteinander? Oder anders gefragt: Woran liegt es, dass ich jemanden nicht riechen kann?

Laut Professor Hanns Hatt, Neurophysiologe an der Ruhr-Universität Bochum, spielt der so genannte „Olfaktorische Fingerabdruck“ unserer Mitmenschen die Hauptrolle in diesem Duft-Wirrwarr. Besagter „Fingerabdruck“ setzt sich laut Wissenschaft aus drei Komponenten zusammen: dem individuellen Körpergeruch, den Einflüssen unserer Ernährung sowie künstlichen Zusatzdüften wie Shampoos oder Cremes. Laut Hatt wirkt ein Mensch umso attraktiver auf uns, je stärker sich sein Eigenduft von unserem unterscheidet. 

Moment mal. Heißt es nicht immer, dass Ähnlichkeiten anmachen? Und nun soll beim Thema Duft alles anders sein?

Tatsache, ungelogen. Der Hintergrund: Je stärker sich unsere Gene ähneln, umso ähnlicher ist auch unser Duft. Also können wir unsere bucklige Verwandtschaft zwar durchaus super, aber niemals sexy finden. Laut Hatt verhindert dieser Kniff der Natur Inzucht und Erbfolgeschäden, weil man es ja unbedingt mit Onkel Heinzi treiben musste.

Meine Nase und ich haben uns inzwischen arrangiert. Seit einiger Zeit landen wir nur noch bei Leuten, die wir duftig finden. Es sei denn, wir lernen jemand online kennen. Über Facebook, Instagram oder die neue KinKats Community zum Beispiel. Denn was ist, wenn ich den, dessen Feed mich so begeistert, dessen Selfies mich schwärmen lassen oder der den besten Musikgeschmack der Welt hat, meiner Nase nicht passt? Werde ich ihn im Real Life gut riechen können? Was, wenn ich seinen Schweißgeruch zum Davonlaufen finde? Was, wenn er Pfefferminzkaugummi kaut oder, Schreck lass nach, Chinaöl gegen Kopfschmerzen benutzt, beides Gerüche, die mir zuwider sind?

Wahrscheinlich muss ich das herausfinden. Im echten Leben. 

Denn auch, wenn ich deinen Namen schon morgen wieder vergessen habe, wenn du nach Sonnenmilch, Verwegenheit und dem schwarzen Lady-Gaga-Parfum duftest, werden wir Freunde. Mindestens.

Foto: Sarah Bleszynski // Sarahlikesprettygirls

One Response
  1. Oooooha. Wie gut ich das kenne..
    Meine Nase war auch schon immer sehr empfindlich. Egal ob Menschen oder Orte. Ich verknüpfe immer alles mit dem Geruch oder der Musik.

    Wenn ich auch kein so großer Fan von Kippen bin. Meine Ex roch immer nach einem bewährten Mix aus Luckys und Cassis-Kaugummi… so sehr ich sie liebte… ich fand’ das immer mega wiederlich. 😉

    Meine erste große Liebe trug immer Narciso Rodriguez. Boah, ich LIEBE dieses Parfum. Es hat mich damals jedes Mal um den Verstand gebracht. Noch heute drehe ich mich sofort um, wenn ich irgendwo mitten im Menschenauflauf das Parfum erschnüffel. Sofort fühl’ ich mich 15 Jahre zurück versetzt. Wahnsinn.

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