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Tinder: Abenteuer mit guten Typen statt Happy End im Reihenhaus

Man kann über die Dating-App Tinder ja denken, was man mag, eines aber hat die App ganz sicher geschafft: Seitdem Tinder auf dem Markt ist, ist es plötzlich völlig selbstverständlich, offen über Online-Dating und Flirt-Apps zu sprechen. Ich meine, habt ihr jemals einen eurer Freunde über seine Dating-Erfahrungen bei ElitePartner oder PARSHIP reden hören? Also ich nicht, obwohl bestimmt so einige meiner Buddys auf diesen Seiten angemeldet sind. Über Tinder aber spricht man. Und niemand findet es peinlich.

Ich habe mal versucht, herauszufinden, woran das liegt und was die Dating App von ihren Online-Dating-Mitbewerbern unterscheidet.

Punkt 1: Lockeres Flirten statt ernsthafter „Partnersuche“
Mal unter uns – wenn ich die TV-Werbung der großen Dating-Portale sehe, wird mir ganz blümerant. Altbacken und übertrieben auf eine spätere Heirat ausgerichtet. Natürlich wäre es toll, endlich meinen Traummann zu treffen, aber einen Göttergatten, der mich zu seinem Weib macht und nach unserer Hochzeit fleißig nach Feierabend den Vorgarten unseres Reihenendhauses bearbeitet, suche ich deshalb noch lange nicht. Bei Tinder dagegen wird die Sache mit der Liebe, und ja, auch mit dem Sex, locker angegangen. Hier steht Flirten im Vordergrund, nicht die Suche nach dem zukünftigen Vater meiner Babys.

Punkt 2: Authentische Profile statt Liebesgeschwafel
Facebook ist die vermutlich echteste Art, uns im Social Media Universum zu präsentieren. Warum? Weil wir es alle schon ewig und drei Tage nutzen. Weil wir hier mit unseren Freunden verbunden sind und weil die meisten von uns es aufgebeben haben, bei Facebook ein besonders aufregendes Bild von sich selbst zu präsentieren. Wir posten Urlaubsbilder, teilen das süße Katzenbabyvideo, das uns so zum Kichern gebracht hat und liken die Seite unserer Lieblingsband. Super. Aber was hat Facebook denn nun mit Tinder zu tun? Eine ganze Menge. Denn die Dating App Tinder koppelt sich an unser Facebook Profil. Sprich: Ohne Facebook kein Tinder. Um mir meinen persönlichen Supermann vorzuschlagen, nutzt die Dating-App meine Facebook-Daten. Dabei greift Tinder zum Beispiel auf meinen aktuellen Wohnort zurück, orientiert sich an Freundeslisten, gelikten Facebook-Seiten und Interessen. So ist die Chance größer, auf einen Typen zu treffen, der wenigstens theoretisch zu mir passen könnte. Hurra!

Bei ElitePartner, PARSHIP und Konsorten dagegen wird der geneigte Single erst totanalysiert, bevor ein extrem lahmes Profil erstellt wird, dem zwar zu entnehmen ist, was Mann oder Frau sich von einer Beziehung erhofft, das aber absolut unauthentisch ist. Dating-Portal-Profile sind außerdem sooo schleimig! Nein, danke, aber echt, ey. Nicht mein Ding.

Punkt 3: „Warum antwortest du mir nicht???“ gibt’s nicht
Zum Prinzip des guten, alten Online Datings gehört es, dass man den, der einem gefällt, anschreibt. „Hallo du, du hast mir gefallen, tolles Profilbild, voll süß. Wollen wir uns mal auf eine Latte treffen?“ Ihr merkt schon: Egal, wie lässig man sich gibt, eine erste Flirt-Mail wirkt immer etwas doof, schließlich geht der Schreiber ein großes Risiko ein, zeigt er doch, dass er wenigstens ein bisschen auf den anderen steht. Und wer weiß schon, ob „Geiler Hengst 1977“ mich genauso hot findet wie ich ihn?

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Eine schnelle Nummer auf dem Küchenschrank dank Tinder? Warum nicht?

Bei Tinder ist das Risiko nicht ganz so groß, denn hier funktioniert das mit dem Anquatschen etwas anders. Ich bekomme Fotos von Männern vorgesetzt, die mir gefallen können. Finde ich einen süß, geil oder sonstwie bizarr, entscheide ich per Fingerwisch, auch Swipe genannt, ob ich ihn kennenlernen möchte oder nicht. Ein Fingerwisch nach rechts bedeutet HOT, ein Fingerwisch nach links dagegen NOT. Und jetzt kommt der Clou: Findet der niedliche Hipster aus Kreuzberg mich nicht genauso schau wie ich ihn, werde ich das nie erfahren. Denn ich kann nur Personen schreiben, mit denen ich „matche“, die mich also auch gerne kennenlernen möchten. Das ist natürlich keine Garantie, nicht verletzt oder blöde abserviert zu werden (einer muss nun einmal immer noch den Anfang machen und die erste Kontaktaufnahme verfassen), aber es minimiert das Risiko, sich zum Volldeppen zu machen.

Punkt 4: Sexy Flirts statt verkrampfter Heiratspläne
Machen wir uns nichts vor – bei Tinder geht es nicht um die große Liebe. Dafür um Flirts. Und um Sex. Jawohl. Romantische Seelen sollten bei der Flirt-App vorsichtig sein, denn euer wild schlagendes Herzchen steht hier nicht im Vordergrund. Dafür euer Unterleib. Na gut, und der Spaß an der Sache. Wenn ihr also Bock auf Flirten habt, checkt Tinder aus. Wenn ihr heiraten und in Bälde werfen möchtet, meldet euch bei ElitePartner oder PARSHIP an. Aber sagt nachher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Klingt ja alles dope, gibt es denn gar keine Nachteile? Doch, die gibt es. Angeblich. Ich höre von tindernden Freundinnen immer wieder, sie seien mit Schwanzfotos und unschönen Sexangeboten („Ficken?“) bombardiert worden. Mir ist das aber bislang noch nicht passiert. Im Gegenteil. Ich finde Tinder ziemlich top, durfte ich über die App doch schon so manchen guten Jungen kennenlernen.

Probiert’s aus, und dann sagt mir, wie euch Tinder gefallen hat.

Fotos (2): Sarah Bleszinsky // Sarahlikesprettygirls

11 Responses
  1. […] Das Tinder-Date mit dieser wirklich rasend schönen, eloquenten Frau verlief extrem geschmeidig, voller Lachen und Grinsen und grenzwertig-blödem Turteln. Bis zu dem Punkt, an dem sie wissen wollte, wie du es mit der Treue hältst. Nachdem du das Stichwort „Polyamorie“ in den Raum warfst, war ihr Drang, möglichst schnell den Deckel zu begleichen, der einzige Trieb, der sie trieb. Davon. Weg von dir. Futschikato. Aber du wirst nicht von deiner Haltung abrücken, davon, polyamor zu leben, viele zu lieben. Und du weißt auch, warum. […]

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