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Lichtbildfactory: Leidenschaft für Lasziv-Alternatives

Aus der Not heraus musste der ehemalige Musikredakteur Yves Christelsohn auf einem Festival, über das er berichten sollte, selbst zur Kamera greifen. Dieses Event bezeichnet Yves Christelsohn rückblickend als sein persönliches Schlüsselerlebnis, als den Moment, an dem die Faszination für die Fotografie ihn packte. Mittlerweile trifft man Christelsohn seltener im Fotograben vor Bühnen, als viel häufiger im Fotostudio an. Sichtet man sein Repertoire, sticht immer wieder eine Vorliebe für charakterstarke Portraits von außergewöhnliche Köpfen und sein Hang zu lasziven und alternativen Motiven hervor. Wer nach aufwändigen Composings und Bildbearbeitungs­exszessen sucht, wird bei Yves Christelsohn dagegen nicht fündig: Seine Modelle und Motive bestechen durch natürliche und selbstbewusste Posen, die er mit Licht, Schnitt und Fingerspitzengefühl festhält. KinKats hat sich mit dem Fotografen getroffen und ihn zu seinen Arbeiten befragt.

KinKats: Yves, wie bist du zum Fotografieren gekommen, und was begeistert dich daran so?

Yves Christelsohn: Das fing im Jahre 2006 an. Ich war aktiv in einer Kölner Gothic­-Community, und uns wurde ein Fotopaß für das Wave­Gotik­Treffen in Leipzig angeboten. Auf einmal stand ich mit meiner kleinen Knipse inmitten professionell ausgestatteter Fotografen im Graben und habe draufgehalten. Natürlich waren die Ergebnisse alles andere als hochwertig, aber schon im nächsten Jahr war ich mit einer Spiegelreflexkamera wieder dabei. Mittlerweile können sich die Ergebnisse auch sehen lassen, habe ich gehört.

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KinKats: Deine Website feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen, habe ich gehört. Glückwunsch dazu!

Yves Christelsohn: Naja, jein. Die Berufung wird zehn, das stimmt. Meine Seite Lichtbildfactory.de durchlief verschiedene Stadien der Entwicklung. Angefangen habe ich unter „Black Dimension“ als Online­-Magazin für die Schwarze Szene mit Fotos, News, Events und Verlosungen. Später wurde daraus eine reine Fotografie­dseite. Als ich mich nicht mehr nur auf die Gothic­-Szene konzentrierte, sondern den Blick etwas weiter schweifen ließ, wurde aus der Seite das, was sie heute ist. Aber immer noch tief verwurzelt im schwarz­alternativen Lebensstil.

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KinKats: Gibt es fotografische Vorbilder für dich?

Yves Christelsohn: Nein, eigentlich nicht. Wenn man sich die Fotografie selbst beibringt, bleibt es sicherlich nicht aus, mal zu schauen, was dieser oder jener Fotograf so macht und vor allem, wie er ein Bild aufgenommen und bearbeitet hat. Aber im Großen und Ganzen versuche ich, einen eigenen Stil zu entwickeln. Ich mag es, wenn man einem Bild ansieht, dass ich es gemacht habe, nicht wenn es wirkt, als hätte XY das Foto aufgenommen. Außerdem gibt es wirklich sehr viele sehr gute Fotografen und Fotografinnen. Sich da jemanden rauszupicken, den ich gut finde, wird den anderen dann auch nicht gerecht.

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KinKats: Wo liegen deine Schwerpunkte bei der Fotografie?

Yves Christelsohn: Wie gesagt, angefangen habe ich tatsächlich mit einem der schwierigeren Gebiete, der
Konzertfotografie. Dabei lernt man schnell, wo die fotografischen Grenzen sind, wenn man versuchen muss, bei Nebel und manchmal kaum Licht vernünftige Bilder hinzubekommen. Zumal ein gewisser Druck da ist, Ergebnisse abliefern zu müssen. Im Gegensatz zur Portraitfotografie, mit der ich relativ spät angefangen habe. Mittlerweile gehe ich kaum noch auf Konzerte, sondern konzentriere mich auf das Fotografieren verschiedenster, ja ja, zumeist weiblicher Menschen. Das allerdings leider nicht so oft, wie ich gern würde, der Hauptjob geht da natürlich vor. Ansonsten bin ich Querformatfetischist und Portraitliebhaber. Das gewisse „Etwas“ müssen die Models schon mitbringen, sehr gern bunte Haare, Rastas, Tattoos, Piercings. Das mag ich sehr.

Gospozha

KinKats: Sorgt dieses gewisse „Etwas” für sinnliche Aufnahmen? Wie läuft das ideale Akt­- oder Dessous­-Shooting ab?

Yves Christelsohn: Der Idealfall ist natürlich der, dass das Model meine Art zu fotografieren mag und ich feststelle, dass ich das Model mag. Das findet man in Vorgesprächen sehr schnell heraus. Griesgrämigkeit hat bei einem Shooting keinen Platz, Spaß ist enorm wichtig. Wenn das Model jetzt noch ein gutes Verhältnis zu seinem Körper hat und über eine Prise Selbstvertrauen verfügt, stehen Aufnahmen, die beide Seiten zufriedenstellen, nichts mehr im Weg. Keine Rolle spielt es übrigens, ob das Model schon einmal Bilder hat machen lassen. Die besten Shootings hatte ich mit Models, die immer betonten, sie hätten „so etwas noch nie gemacht”. Sind die oben aufgeführten Punkte abgehakt, kann es eigentlich nur super werden.  Egal, ob Profi oder nicht.

KinKats: Gibt es Pläne für die Zukunft? Welche Projekte und Themen würdest du gerne noch umsetzen?

Yves Christelsohn: Pläne sind immer so eine Sache. Ich lasse die Seite einfach wachsen. Sicher gibt es Themen und Ideen, die auf eine Umsetzung drängen, aber die folgen keiner Timeline. Wenn es mich packt, wird es schnellstmöglich umgesetzt. In Zukunft Teil des KinKats­ Magazins zu sein ist zum Beispiel so ein Projekt, auf das ich große Lust habe. Die aktuellste Idee, an deren Umsetzung ich in diesem Jahr arbeite, ist ein Kalender für 2017. Bösewichte der Filmgeschichte, dargestellt durch (auf)reizende junge Damen. Die Resonanz war riesig, fast alle Rollen waren innerhalb kurzer Zeit besetzt, und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Interviews werden zehn von 13 Bildern im Kasten sein. Die Produktionskosten für Studios, Accessoires und das ein oder andere Model sind nicht ganz ohne, aber das ist es mir wert!

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6 Responses
  1. Schönes Interview. Und das Bild von Intensivstationprinzession ist eh herzallerliebst.

    1. Die ganze Prinzessin ist herzallerliebst. 🙂

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